BERLIN/HAMBURG

Warnung vor islamistischem Terror

Kurz vor dem 10. Jahrestag der Terroranschläge auf New York und Washington warnt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in der „Bild“-Zeitung vor islamistischen Terroristen in Deutschland. Friedrich sagte: „Wir haben fast 1000 Personen, die man als mögliche islamistische Terroristen bezeichnen könnte.

Davon wiederum sind 128 Gefährder, also Personen, bei denen Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie erhebliche Straftaten begehen könnten, das schließt auch einen Anschlag mit ein.“

Ungefähr 20 dieser Gefährder hätten zudem eindeutig eine Ausbildung in einem Terrorcamp absolviert. Viele der Betroffenen stünden daher unter permanenter Beobachtung durch die Behörden. „Die größte Gefahr geht heute eher von Einzeltätern aus. Friedrich kritisierte: „Der militante Islamismus missbraucht die Religion als unmenschliche Kampf-Ideologie.“ Um dieser Entwicklung entschieden entgegentreten zu können, fordert er die Muslime in Deutschland zur Zusammenarbeit mit den Behörden auf.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) forderte eine nationale Anti-Terror-Strategie für Deutschland. „Wir haben es bislang versäumt, eine einheitliche Vorgehensweise zu erarbeiten“, sagte der CDU-Politiker am Montag in Hannover. Andere Länder wie die USA, Großbritannien, Spanien, Österreich und Russland hätten in den vergangenen Jahren entsprechende Regelungen getroffen. Derzeit gibt es nach Schünemanns Worten 33 Bundesbehörden und eine Vielzahl von Landesbehörden, die sich um das Thema kümmern.

Ehe junge Muslime zu „Soldaten Gottes“ werden, haben sie oft vergeblich das Gespräch mit ihrer Umgebung gesucht, sagt Irmgard Schrand. Deshalb möchte die Hamburger Islamwissenschaftlerin Lehrer, Ausbilder und Familien davon überzeugen, die Fragen muslimischer Jugendlicher ernst zu nehmen und mit ihnen nach Antworten zu suchen.

Die 50-Jährige arbeitet seit den Anschlägen vom 11. September 2001 beim Hamburger Staatsschutz. Dort leitet sie ein bundesweit einmaliges Team, das Strategien gegen islamistischen Extremismus entwickelt. Schrand spricht fließend Arabisch.

Anfällig für islamistischen Extremismus seien aber nicht nur Jugendliche mit türkischen oder arabischen Wurzeln, sondern auch mit deutschen. Schrand: „Das ist eine ganz bunte Mischung.“ Ihre Informationen suchten die jungen Menschen überwiegend im Internet. Dort erhofften sie sich Ungefiltertes. „Tageszeitungen und Fernsehen sind aus ihrer Sicht zensiert.“ Der Protest muslimischer Jugendlicher mit Hang zum Extremismus richte sich oft gegen die Eltern, die Autorität beanspruchten, obwohl diese gesellschaftlich kaum Erfolge vorweisen könnten.

Nach Schrands Beobachtungen spielt die geistliche Dimension der Religion für jugendliche Islamisten nur eine geringe Rolle. Wichtiger seien ihnen gesellschaftspolitische Forderungen und Regeln, die sie aus dem Koran herauslesen. Abgelehnt werde von den Islamisten auch nicht vorrangig das Christentum, sondern die westliche Kultur. Die Bindung an eine islamistische Gemeinde sei zweitrangig. Reizthemen seien der Nahostkonflikt, der Afghanistankrieg und das Guantánamo-Lager.

So wirbt Schrand für die Bildung eines Netzwerks aus Imamen, Lehrern, Pädagogen, betroffenem Familien und Jugendlichen. Gemeinsam sollen alle Beteiligen eine Gegenstrategie zur Propaganda extremistischer Islamisten entwickeln. Dafür sucht das Präventionsteam den Kontakt zu Schulen, Jugendzentren, Moscheen und Sportvereinen.

Polizei-Infos unter Tel. 040/42 86 77 040

An Menschenrechte erinnert

Die katholischen Bischöfe warnen davor, im Anti-Terror-Kampf die Menschenrechte auszuhebeln oder einzuschränken. In einem am Montag veröffentlichten Bischofswort heißt es, Sicherheitsmaßnahmen wie sogenannte Nacktscanner, Videoüberwachung und Rasterfahndung müssten sorgsam abgewogen und präzise kontrollierbar sein. „Es kann keine legitime Abwehr terroristischer Bedrohungen ohne die Wahrung der Menschenwürde und der Menschenrechte geben“, sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der das Papier in Berlin vorstellte.

Eine klare Absage erteilte die Bischofskonferenz jeder Art von Folter. Ausdrücklich kritisierte Schick dabei die US-Verhörmethoden für Terroristen und die Erzbischof Ludwig Schick „unmenschliche Behandlung“ von Häftlingen etwa im Gefangenenlager Guantánamo. „Auch im Kampf gegen mutmaßliche Terroristen, denen buchstäblich jedes Mittel zur Erreichung ihrer Ziele recht sein mag, darf sich der Staat nicht auf einen Wettlauf der Barbarei einlassen.“ Text/Foto: dpa

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!