BERLIN

Was Familien wollen

Das Alleinverdiener-Modell ist out, aber das Ehegattensplitting keineswegs. Anspruch auf einen Kita-Platz ja, möglichst schnelle Rückkehr in den Beruf nach einer Geburt aber eher nicht. So lauten verkürzt Ergebnisse einer Forsa-Umfrage über Wünsche, Forderungen und Probleme von Eltern, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Dass Eltern konservativer als ihr Ruf seien, wollte Marie-Luise Lewicki, die die repräsentative Studie als Chefredakteurin von „Eltern“ und „Eltern Family“ in Auftrag gab, nicht gelten lassen. Väter und Mütter seien eben realistisch und wüssten, in welche Mühle sie sich begeben, wenn sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen. Außerdem setzten sie auf Sicherheit, und das bedeute auch, flexibel zu sein, wenn sich Konstellationen änderten. Für die Umfrage hatte Forsa 1000 Mütter und Väter von minderjährigen Kindern befragt.

Keine Vision des Staates

Tenor ihrer Forderungen an die Politik: Der Staat müsse die Bedingungen dafür schaffen, dass wieder mehr Kinder geboren werden. Rund 61 Prozent der Befragten erteilten der Bundesregierung einen Rüffel dafür, dass es derzeit keine familienpolitische Vision gebe. Dazu müsse gehören, dass die Regierung sich um Wohlergehen und Förderung der Kinder (32 Prozent) und für die Wahlfreiheit für Familien (28 Prozent) kümmern solle. Erst auf Platz fünf steht die materielle Absicherung (15 Prozent).

Ein anderes Bild ergibt sich bei den Antworten auf die geleistete Familienförderung: Da finden es 91 Prozent gut, dass nicht berufstätige Ehepartner kostenlos in der Krankenversicherung mitversichert werden. Und vor allem das Ehegattensplitting, das von den Oppositionsparteien als Auslaufmodell gesehen wird, erfährt eine hohe Zustimmung: 81 Prozent befürworteten diese steuerliche Entlastung. Dabei scheint die Parteizugehörigkeit keine große Rolle zu spielen. Umgekehrt wollen nur 16 Prozent das Ehegattensplitting opfern, wenn bei familienpolitischen Leitungen gespart werden muss.

Sparen bei Wohlhabenden

Jeder Zweite befürwortet dagegen die Streichung des Betreuungsgelds. Dieses sollen ab August Eltern erhalten, die ihre unter dreijährigen Kinder nicht in einer staatlich geförderten Einrichtung betreuen lassen. Noch mehr Befragte wollen, dass bei wohlhabenden Familien gespart wird. 69 Prozent sprechen sich für die Kürzung des Elterngeldes für Familien aus, die mehr als 100 000 Euro brutto jährlich verdienen, 53 Prozent sehen in der Abschaffung des Kindergeldes für eben diese Gruppe Sparpotenzial. Eindeutig überholt scheint das Alleinverdiener-Modell zu sein. Dies wird in 14 Prozent der befragten Haushalte gelebt, gewünscht wird es von gerade mal sechs Prozent.

Während sich übrigens jeder Zweite vorstellen kann, seinen Kita-Platz einzuklagen – ab dem 1. August gilt der Rechtsanspruch auf einen Platz auch für unter Dreijährige – will der Großteil der Befragten nicht, dass die Mütter nach der Geburt schnell in das Erwerbsleben zurückkehren: 42 Prozent (40 Prozent Frauen, 43 Prozent Männer) halten einen Zeitpunkt für gut, bei dem das Kind mindestens drei Jahre alt ist. 24 Prozent befürworten einen Einstieg nach einem Jahr, 17 Prozent nach zwei Jahren und sieben Prozent nach bis zu einem halben Jahr.

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