BRÜSSEL/STRAßBURG

Was Greta Thunberg vor der EU sagt

Europäisches Parlament - Thunberg       -  Greta Thunberg im EU-Parlament
Greta Thunberg im EU-Parlament Foto: Jean-Francois Badias, ap/dpa

„Ich heiße Greta Thunberg, bin 16 Jahre alt und komme aus Schweden.“ Es ist Dienstagnachmittag im Europäischen Parlament in Straßburg. Zum letzten Mal vor den Wahlen tagt der Umweltausschuss und wohl keiner der Gäste, die die Abgeordneten in dieser Legislaturperiode geladen hatten, sorgte für ein derart volles Haus. Als „inspirierende Aktivistin“ begrüßt die Ausschussvorsitzende Adina-Ioanna Valean von den Liberalen Thunberg und vergisst auch nicht zu erwähnen, dass die junge Frau mit dem Zug gekommen sei und außerdem ihre Schulferien opfere, um vor den Abgeordneten zu sprechen. Aber die 16-Jährige hat für Freundlichkeiten keine Zeit.

Erschreckende Eindringlichkeit

„Ich möchte, dass Sie in Panik geraten“, sagt Thunberg. „Sie sollen sich so fühlen, als ob ihr Haus brennt.“ Ihre Rede ist von erschreckender Eindringlichkeit, sie lässt viele der EU-Politiker verstummen. „Um das Jahr 2030 werden wir eine Kettenreaktion in Gang gesetzt haben, die nicht mehr zu stoppen ist“, meint Thunberg, die in Straßburg alle nur „Greta“ nennen. Sie fordert „Veränderungen“, für die auch Erfindungen notwendig seien, die wir noch gar nicht gemacht haben: „Wie können wir die Schadstoffe aus unserer Atmosphäre herausfiltern?“ Niemand wisse das, aber alle hofften darauf. Sie zitiert wissenschaftliche Studien von Klima-Experten über ausgelaugte Böden, „toxische Luftverschmutzung, die Übersäuerung der Weltmeere, während wir unseren Lebensstil fortsetzen, als wäre nichts geschehen“.

Mit Blick auf die Europa-Wahlen appelliert sie: „Ich kann mit meinen 16 Jahren noch nicht wählen, also müssen Sie für mich und alle Jugendlichen auf der Welt sprechen.“

Wer nicht zuhören will . . .

Unter dem tosenden Applaus des Ausschusses geht sie ihre Gegner frontal an: „Ich habe gehört, dass einige Parteien gar nicht wollten, dass ich hier stehe und zu Ihnen sprechen.“ Aber die Politiker könnten die nächste Generation nicht zum Schweigen bringen, nur weil „wir alle“ sagen, was passiert – „und vor allem, dass viel zu wenig passiert“. „Es ist okay, dass Sie mir nicht zuhören wollen“, ruft sie einigen Parlamentariern zu, die erkennbar nicht mehr ihren Ausführungen folgen. „Aber Sie können nicht Millionen von Kindern überhören.“ Als die Schwedin ihre Rede beendet, gibt es lang anhaltenden stehenden Applaus.

Zuvor hatte sie schon Parlamentspräsident Antonio Tajani ins Gewissen geredet, „um politische Entscheidungen zu beeinflussen“. Und was will sie bei ihrem geplanten Besuch beim Papst sagen? „Das weiß ich noch nicht“, antwortet sie, „es wird wohl um Klimaschutz gehen.“

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