„Wir schaffen bis zu acht Prozent“

Optimistisch: Der Würzburger Kandidat Torsten Heinrich und Bernd Lucke (rechts), Parteisprecher der AfD, sind zuversichtlich, den Einzug in den Bundestag zu schaffen. Foto: Obermeier

Die Alternative für Deutschland AfD ist sich sicher, dass sie den Einzug in den Bundestag schafft. Daran ließen die Vertreter der Anti-Euro-Partei bei ihrer Wahlkampfveranstaltung in Würzburg keinen Zweifel. Kurz vor der Bundestagswahl holten sie am Montag ihren Shootingstar, den charismatischen Hamburger Ökonomen Professor Bernd Lucke, vors Mikrofon, um Stimmen zu sammeln. Dabei präsentierte sich die Partei als aufmüpfiger Underdog, der sich zu Unrecht unbeachtet fühlt.

Müsste man die Stimmung der Newcomer-Partei kurz vor der Wahl mit einem Wort beschreiben, wäre es wohl „optimistisch“. Lange bevor Bernd Lucke eintrifft, diskutieren an den Stehtischen im Saalgarten Luisenbau überwiegend Männer mittleren Alters. Natürlich geht es um Wahlprognosen. Um jene, die die bekannten Meinungsforschungsinstitute veröffentlichen und an die innerhalb der AfD keiner so richtig glauben mag. Denn diese Prognosen sehen die neue Partei deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde, ein Wort, das man im Laufe des Nachmittags noch oft hören wird.

Doch dann gibt es noch jene anderen Prognosen, die die AfD-Anhänger optimistisch stimmen. Sie stammen vom sogenannten „Wahl-Radar“. Dabei handelt es sich um einen Informationsdienst einer Düsseldorfer Agentur, die sowohl die klassischen Umfrage-basierten Prognosen der bekannten Meinungsforschungsinstitute als auch die auf der Auswertung von Social Media und Wahlbörsen basierenden Prognosen einbezieht. Dem Wahl-Radar zufolge kommt die Alternative für Deutschland auf rund sieben Prozent. Das ist das eine.

Das andere sind die Mitgliederzahlen, die in den vergangenen Wochen in die Höhe schießen. „In Bayern haben wir aktuell 2400 Mitglieder und eingetragene Förderer. In den letzten zwei Wochen haben wir bayernweit 153 neue Mitglieder bekommen“, sagt Franz Eibl, Pressesprecher des Landesverbands stolz. In ganz Deutschland seien es derzeit rund 20 000 Mitglieder und Förderer. Auch in den sozialen Medien komme die Anti-Euro-Partei sehr gut an: Laut Eibl kämen auf Facebook täglich 1000 neue Sympathisanten dazu.

„Die Stimmung ändert sich“, sagt der Würzburger Kandidat Torsten Heinrich. Gerade in der letzten Zeit habe er auf der Straße immer wieder gehört: „Einen Flyer brauche ich nicht, ich hab' euch eh schon gewählt.“ Heinrich ist sich sicher: „Wir schaffen sechs bis acht Prozent. Am Einzug in den Bundestag habe ich keinen Zweifel.“

Das gilt auch für Bernd Lucke. Unter Applaus verkündet der Ökonom: „Ich habe den Eindruck, wir sind sehr im Aufwind.“ Wieder ist von der Fünf-Prozent-Hürde die Rede. Und davon, dass die AfD nur mit jenen Parteien koalieren würde, die sich von der aktuellen Euro-Politik abwenden. Dann nimmt Lucke, der es vorzüglich versteht, die Befindlichkeiten des Wählers anzusprechen, Fahrt auf. „Wir haben eine Krise der parlamentarischen Demokratie!“, so seine Behauptung. Der Grund: Die Regierung habe die Rettungspakete für Griechenland beschlossen und die Opposition habe versagt, weil sie keine Gegenentwürfe ins Spiel gebracht, sondern den Milliardenhilfen zugestimmt habe. Laut Lucke sind die „alten Parteien“ verkrustet, erstarrt und sogar gefährlich – sie haben kein Ohr mehr für die Sorgen der Bürger. Eine Lösung für das Dilemma liefert der Ökonom sodann gleich mit: „Hier ist die Alternative!“ Das Publikum, rund 450 Sympathisanten, klatscht.

Lucke möchte, wie er sagt, Mut zur Wahrheit beweisen. Ganz im Gegensatz zur Bundesregierung. Denn Kanzlerin Angela Merkel verhalte sich wie ein Chamäleon. Jüngstes Beispiel: die Syrien-Krise. Lucke bemängelt, dass die Kanzlerin hinsichtlich eines möglichen Eingreifens nicht klar Stellung bezieht. Und dann macht der 51-Jährige das, was er besonders gut kann: Er bringt Thesen, erläutert sie verständlich und zitiert Gesetze. Das Publikum ist gebannt, im Saal könnte man eine Stecknadel fallen hören. Es ist in diesem Moment weniger eine Wahlkampfveranstaltung, als die Vorlesung eines Professors. Seine Argumentation zu Syrien: Die AfD ist gesetzestreu. Im Grundgesetz ist verankert, dass Streitkräfte nur zur eigenen Verteidigung aufgestellt werden. Zudem gibt es Bündnispflichten im Rahmen der NATO. Da Syrien aber nicht Teil des NATO-Gebietes ist, sei ein Eingreifen nicht mit dem Gesetz vereinbar. Klare Ansage.

Natürlich geht der Ökonom schnell über zur Euro-Politik. Nachdem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble jüngst neue Griechenland-Hilfen ins Spiel brachte, ist das Thema wieder brandaktuell. Der Parteisprecher fordert einen Stopp weiterer Rettungspakete und einen Schuldenschnitt für Griechenland. Schließlich werde die Überschuldungsproblematik auch durch ein drittes Rettungspaket nicht gelöst. Stattdessen würden Gelder verpulvert, die woanders dringend gebraucht würden. Etwa bei den Rentnern. Die Nachkriegsgeneration mit einer minimalen Rente abzuspeisen, sei „schäbig“. „Die Regierung hat das rechte Maß verloren“, sagt Lucke. Wieder Applaus. Und wieder Optimismus im Gesicht des Ökonomen.

Schlagworte

  • Alternative für Deutschland
  • Bankenrettungspakete
  • Bernd Lucke
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel
  • Deutscher Bundestag
  • Facebook
  • Meinungsforschungsinstitute
  • Nato
  • Wahlen zum Deutschen Bundestag
  • Wirtschaftswissenschaftler
  • Wolfgang Schäuble
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
6 6
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!