BERLIN/WÜRZBURG

Zu viel Essen landet im Müll

Knapp elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll. Nach einer Studie der Uni Stuttgart werden mehr als 60 Prozent davon in Privathaushalten weggeworfen. Statistisch gesehen wirft jeder Deutsche im Jahr 81,6 Kilo Lebensmittel weg und gibt 235 Euro für Obst, Gemüse und andere Nahrungsmittel aus, die er nicht isst. Auf die Bundesrepublik hochgerechnet kostet die Verschwendung 21 Milliarden Euro im Jahr.

„Wir leben in einer Überfluss- und in einer Wegwerfgesellschaft“, kritisierte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), deren Ressort die Studie in Auftrag gegeben hat, vor Journalisten in Berlin. Alleine 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel werden danach jedes Jahr in den privaten Haushalten in den Restmüll oder die Biotonne geworfen, durch den Ausguss oder die Toilette gespült, als Kompost entsorgt oder an Haustiere verfüttert. Bei Großverbrauchern wie Hotels, Gaststätten, Kliniken oder Schulen fallen jedes Jahr 1,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an, in der Lebensmittelindustrie sind es ebenfalls knapp zwei Millionen Tonnen, im Handel 550 000 Tonnen.

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So verschwenden wir Lebensmittel

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Mit einer Kampagne unter dem Motto „Zu gut für die Tonne“ will das Verbraucherministerium für einen bewussteren Umgang mit Nahrungsmitteln werben.

Nach Ansicht der Grünen-Politikerin Bärbel Höhn reichen solche Maßnahmen nicht aus, um das Problem in den Griff zu bekommen. „Die notwendige Reduzierung unseres übermäßigen Fleischkonsums bleibt außen vor, ebenso die Rolle der Landwirtschaft“, betonte die frühere nordrhein-westfälische Agrar- und Umweltministerin.

Die Hauptursachen für die grassierende Verschwendung sind nach den Recherchen der Stuttgarter Wissenschaftler der Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, ein schlechter Überblick über die eigenen Vorräte, unsachgemäße Lagerung und eine mangelnde Wertschätzung von Lebensmitteln, die in Deutschland vergleichsweise billig sind. In der Industrie, im Handel und bei Großabnehmern wie Schul- und Krankenhauskantinen landen Lebensmittel unter anderem wegen Fehlern bei der Verarbeitung, der Philosophie der vollen Regale bis zum Ladenschluss, Schäden beim Transport oder fehlender Hygiene auf dem Müll. Am häufigsten weggeworfen werden Gemüse (28 Prozent), Obst (18 Prozent), Backwaren (15 Prozent) und Speisereste (12 Prozent).

Der Lebensmittelhandel betonte regelmäßig, man sei schon aus wirtschaftlichen Gründen bemüht, die Menge der aussortierten Lebensmittel so gering wie möglich zu halten. Bei den „Tafeln“, deren Mitarbeiter diese Lebensmittel akquirieren und an Bedürftige verteilen, merkt man das. „Einige Märkte haben ihre Bestellungen zurückgeschraubt und nehmen in Kauf, dass Produkte nicht mehr in den Regalen sind“, sagt Hubert Toepfer von der Tafel Bad Brückenau (Lkr. Bad Kissingen).

Auch Isolde Welbers, die Vorsitzende der Würzburger Tafel, stellte zuletzt einen Rückgang der vom Handel bereitgestellten Ware fest. Da man nicht mehr verteilen könne, als man bekomme, seien ihre Mitarbeiter manchmal „in der Zwickmühle“. Welbers hofft, dass die mögliche Änderung beim Mindesthaltbarkeitsdatum die Situation nicht verschärft.

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