BERLIN

Zusammengewachsen, aber nicht eins

Rund vier Millionen Muslime leben in Deutschland.
Rund vier Millionen Muslime leben in Deutschland. Foto: FOTO dpa

Der zart gesponnene Gesprächsfaden konnte aber letztlich die Gegensätze zwischen liberalen muslimischen Persönlichkeiten und streng-muslimischen konservativen Verbänden nicht überbrücken. So ging die letzte Sitzung der Islamkonferenz in dieser Legislaturperiode am Donnerstag ohne einen alles überwölbenden Konsens zu Ende.

Das Abschlussresümee ist gespickt mit Fußnoten: „Zu den Unterzeichnern gehören (...) Der Islamrat trägt die Schlussfolgerungen nicht mit.“ Eine Fassung des Resümees beginnt mit den Worten „Wir Muslime (...)“, die andere, ansonsten wortgleiche Version, mit „Wir Aleviten(...)“.

Die Fußnoten versinnbildlichen, was auch als Erfolg der Islamkonferenz gewertet werden könnte: Die Muslime in Deutschland bilden keinen monolithischen Block und verschweigen das auch nicht. Auch in der Öffentlichkeit ist angekommen, dass es nicht „den Islam“ gibt, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel am Ende sagte. Das dürfte manches Klischee erschüttern. Schon deshalb ist Wolfgang Schäuble zufrieden.

Der Bundesinnenminister hat den dreijährigen Dialog zwischen Staat und Muslimen angestoßen – für einen CDU-Politiker keine Selbstverständlichkeit. Selbst die Grünen mussten zugestehen, dass es eine gute Idee war. „Wir sind ein Stück weit zusammengewachsen“, bilanziert Schäuble. An anderer Stelle bemerkte er einmal: „Wir lachen immer zusammen.“

Gewachsene Sensibilität

Es scheint, dass auf staatlicher Seite Sensibilität und Wissen mit Blick auf den Islam zugenommen haben. Nicht noch einmal dürfte es Schäuble passieren, dass kein muslimischer Vertreter zu einem Staatsakt eingeladen wird – so wie es bei der Feier zu 60 Jahren Bundesrepublik der Fall war.

Für die Muslime in der Konferenz war die Islamkonferenz ebenfalls eine neue Erfahrung. Die islamkritische Rechtsanwältin Seyran Ates habe in der letzten Sitzung bemerkt, dass sie einen innerislamischen Dialog noch nie in dieser Weise erlebt habe, berichtet Schäuble. Auch der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler, ist überzeugt, dass „alle gestärkt aus der Islamkonferenz“ hervorgingen. Es wurde aber auch kein muslimischer Verband in seinem Selbstverständnis erschüttert.

So verwundert es nicht, dass der Islamrat, zu dem auch die vom Verfassungsschutz beobachtete Vereinigung Milli Görüs gehört, die Schlussfolgerungen im Resümee nicht mitträgt. Darin ist von Toleranz und Respekt vor Andersgläubigen sowie der Muslime untereinander ebenso die Rede wie von der Gleichberechtigung von Mann und Frau.

„Wir Muslime sind ein Teil Deutschlands“, heißt es in der Erklärung – aber kein mit den Kirchen gleichberechtigter Teil. Womit die Islamkonferenz ein Hauptziel nicht erreicht hat. Drei Jahre seien für die Lösung der Frage, wie der Islam hier als Religionsgemeinschaft anerkannt werden kann, zu wenig, sagt Schäuble. Daher will er weitermachen. Das wollen die Muslime auch. Wer für die muslimische Seite künftig teilnehmen darf – darüber besteht noch keine Einigkeit.

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