NIKOSIA

Zypern hofft auf Geld aus Russland

Zyperns Finanzbedarf ist offenbar weitaus größer als bisher angenommen. Die Inselrepublik hatte Ende Juni als fünftes Land der Eurozone Hilfsgelder aus dem Euro-Rettungsfonds beantragt. Zusätzlich zu den EU-Geldern will sich Staatspräsident Dimitris Christofias aber um eine weitere Finanzspritze Russlands bemühen, das Zypern bereits Ende 2011 mit einem Kredit unter die Arme gegriffen hatte. Kritiker warnen: Ein weiteres Darlehen könnte die Mittelmeerinsel in größere Abhängigkeit von Moskau bringen.

Zypern braucht die Hilfen vor allem für die Rekapitalisierung der Banken, die sich in den vergangenen Jahren stark im benachbarten Griechenland engagierten und nun in den Strudel der dortigen Schuldenkrise geraten sind. Weil sie griechische Staatsanleihen im Nennwert von 4,7 Milliarden Euro in den Büchern hatten, mussten die drei großen zyprischen Banken beim griechischen Schuldenschnitt im März rund 3,5 Milliarden Euro abschreiben. Ende Juni rettete der zyprische Staat die in Griechenland besonders stark exponierte Laiki Bank bereits mit 1,79 Milliarden Euro. Der Betrag entspricht immerhin zehn Prozent des zyprischen Bruttoinlandsprodukts. Die Bank of Cyprus meldet einen Kapitalbedarf von weiteren 500 Millionen Euro an.

Bankenrettung

Während es anfangs geheißen hatte, Zypern brauche für die Bankenrettung 2,3 Milliarden Euro, gehen die genannten Summen inzwischen in eine ganz andere Größenordnung. Die Ratingagentur Fitch bezifferte kürzlich den Kapitalbedarf der Banken auf sechs Milliarden Euro. Offiziell hat die Regierung in Nikosia bisher nicht gesagt, wie viel Geld sie von den Euro-Partnern benötigt. Das versuchen jetzt die Experten der Troika auszuloten, die seit Anfang der Woche in Nikosia sind. In Brüssel wurde der Finanzbedarf Zyperns bisher inoffiziell auf zehn Milliarden Euro beziffert, einschließlich der Gelder, die der Staat in den nächsten Jahren für die Refinanzierung der eigenen Schulden benötigt.

Schlechte Bonität

Jetzt berichtete die Zeitung „Phileleftheros“, dass allein die Bankenrettung zehn Milliarden verschlingen werde, weil die Kreditausfälle der Institute weitaus höher seien als bisher veranschlagt. Hinzu kommt der Finanzbedarf der Regierung. Zypern hat bereits seit Mai 2011 wegen schlechter Bonität keinen Zugang mehr zu den Finanzmärkten, muss aber bis Ende 2014 rund vier Milliarden Euro für die Tilgung fälliger Staatsanleihen aufbringen.

Nur widerstrebend stellte Präsident Dimitris Christofias den Hilfsantrag in Brüssel, denn er fürchtet die Sparauflagen, die damit verbunden sind. Vor allem den starken Gewerkschaften und den Staatsbediensteten möchte Christofias keine Einschnitte zumuten. Sie sind die treueste Klientel der „Aufbaupartei des werktätigen Volkes“ (Akel), als deren Chef Christofias 2008 zum Präsidenten gewählt wurde. Christofias übernahm damals ein gesundes Land, wirtschaftete die Insel aber in Rekordzeit ab. Um die Spar- und Reformauflagen der EU zu umgehen, sucht der in Moskau geschulte Altkommunist die Hilfe Russlands: Zusätzlich zu den EU-Geldern verhandele Zypern über einen Kredit aus Russland, bestätigte Christofias am Mittwoch. Die russischen Konditionen seien „günstiger“, erklärte der Staatschef: „Russland fordert nichts von uns und offeriert niedrigere Zinsen.“

Zypern
Südlich der Türkei liegt die Insel Zypern im Mittelmeer. Foto: NASA Modis

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