BERLIN

Der Greenpeace-Skandal

Aktivisten von Greenpeace: Die Umweltschutzorganisation hat durch „gravierende Fehler“ bei Währungsgeschäften 3,8 Millionen Euro Verlust gemacht.
Foto: Federico Gambarini, dpa | Aktivisten von Greenpeace: Die Umweltschutzorganisation hat durch „gravierende Fehler“ bei Währungsgeschäften 3,8 Millionen Euro Verlust gemacht.

Am 25. November 2013 veröffentlichte Greenpeace eine Mitteilung mit dem Titel „Greenpeace von Stiftung Warentest zum Spenden empfohlen“. Von insgesamt 46 untersuchten Tier-, Natur-, und Umweltschutzorganisation gehöre man zu den sechs, die wirtschaftlich, transparent und gut organisiert arbeiteten. Greenpeace sei so strukturiert, „dass Korruption und Verschwendung vermieden wird“, hieß es. Die Organisation bietet sogar extra eine Broschüre an, wie man Greenpeace im Testament berücksichtigen kann.

Ob das Urteil auch Bestand gehabt hätte, wenn die Tester damals schon von den völlig missratenen Finanzspekulationen in der Amsterdamer Mutterzentrale, bei Greenpeace International, gewusst hätten?

3,8 Millionen Euro gingen verloren bei Termingeschäften, die auf einen sinkenden Euro-Kurs spekulierten – denn der Kurs stieg stark an. Der verantwortliche Mitarbeiter der Finanzabteilung wurde entlassen – aber irgendetwas scheint auch mit dem internen Kontrollsystem nicht zu stimmen, wenn ein Einzelner so einen Schaden verursachen kann.

Die zu dem Vorfall vom deutschen Ableger am Sonntag verschickte Mitteilung trägt den lapidaren Titel: „Defizit bei Greenpeace International“. Zerknirscht sagt der deutsche Kommunikationschef Michael Pauli auf Nachfrage, die Geschichte sei sehr unangenehm. Aber er wehrt sich auch gegen den Eindruck, hier gehe es um wildes Jonglieren mit Spendergeld.

„Am Anfang steht eigentlich ein fürsorglicher Gedanke“, sagt er. Um zum Beispiel Büros in Afrika zu unterstützen, erhalten sie von Greenpeace International Geld. Die Zentrale arbeitet mit Euro, die Landesbüros mit den nationalen Währungen. Also gibt es je nach Wechselkursschwankung Verluste oder Gewinne. So weit, so normal.

Um sich gegen starke Wechselkursschwankungen abzusichern, entschied man sich entgegen der bisherigen Praxis 2013, Währungen zu festen Kursen zu kaufen. Pauli versucht es mit einem einfachen Beispiel zu illustrieren. Ein Tourist will im Sommer in die USA reisen. Er deckt sich im März schon einmal mit reichlich Dollar ein. Dann steigt aber der Euro-Kurs, der Tourist hat die Dollar viel zu teuer eingekauft. Bei Greenpeace passierte ähnliches: Der Kauf ausländischer Währungen für die Nationalbüros war abgeschlossen, bevor der Kurs des Euro laut Greenpeace gegenüber den meisten Währungen stieg.

„Der Eindruck einer wilden Zockerei ist einfach nicht richtig“, betont Pauli. „In Anführungszeichen war es ein ganz normales Bankgeschäft.“ Man finanziere ausschließlich internationale Kampagnen und Kampagnenprojekte, wird betont, nicht aber die Infrastruktur für Büros in anderen Ländern. Ob und wie viel deutsches Spendengeld bei der Aktion verloren gegangen ist? Diese Antwort kann bei der Deutschland-Zentrale in Hamburg am Sonntag zunächst keiner geben.

Das Budget von Greenpeace International beträgt in diesem Jahr 82 Millionen Euro, es dürfte nun genau geschaut werden, wie die Verluste kompensiert werden. Über eine halbe Million Menschen spendeten in Deutschland 2013 für den Schutz der Arktis vor Ölbohrungen und den Kampf gegen Atom- und Kohlekraft. Zuletzt besetzten Aktivisten die Zentrale der Linken, um gegen deren Kohlekurs in der rot-roten Regierung Brandenburgs zu protestieren: 800 Bürger sollen in der Lausitz wegen eines Tagebaus umgesiedelt werden.

Allerdings hat die Organisation wegen des bis 2022 geplanten kompletten Atomausstiegs in Deutschland das Thema mit dem größten Protestpotenzial verloren. Und den Neustart bei der Endlagersuche blockiert man, weil Gorleben im Rennen bleibt. Das stößt auf viel Kritik, weil Greenpeace so auf den Suchprozess nicht einwirken kann.

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