BOULDER/WASHINGTON

Kandidat Jeb Bush scheint ratlos

Republican Presidential Candidates Hold Third Debate In Colorado       -  Jeb Bush: Machte in der jüngsten TV-Debatte rund um die republikanische Präsidentschaftskandidatur keine gute Figur.
Foto: J. Sullivan, dpa | Jeb Bush: Machte in der jüngsten TV-Debatte rund um die republikanische Präsidentschaftskandidatur keine gute Figur.

Er hat seine Botschaft wieder nicht untergebracht. Nach der dritten TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten feiern Jeb Bushs Rivalen längst, nur der ehemalige Favorit zieht sich zum Interview in einen dämmrigen Gang hinter der Bühne zurück – er will irgendwie noch zu Wort kommen. Zu wenig Fragen, zu schlechte Fragen, zu wenig Zeit, klagt er ins Mikrofon, aber nein: „Ich bin nicht frustriert. Ich bin zufrieden mit unserer Position.“ Es folgt das verhuschte, unsichere Lächeln, das Bush seit Monaten begleitet – Ausweis der Ratlosigkeit eines Mannes, der von der Favoritenrolle in die Bedeutungslosigkeit zu stürzen droht.

Selbstverständlich können weder Bush noch seine Geldgeber mit dem Wahlkampf zufrieden sein: Sieben Prozent Zustimmung hat der Establishment-Champion – weit weniger als die Spitzenreiter Donald Trump und Ben Carson. Bush liegt hinter seinem früheren Schützling Marco Rubio und ziemlich dicht am Rest der zehn Rivalen, die sich auf der Hauptbühne an der University of Colorado in Boulder drängeln.

Unruhige Großspender

Unterwegs im Land kommt Floridas Ex-Gouverneur an, niemand ist besser organisiert oder hat vergleichbare Mittel eingeworben. Aber die Großspender werden unruhig: Setzen sie auf das richtige Pferd? Rubio, der 44-jährige Senator aus Bushs Heimatstaat, hat eine ähnliche Agenda, tritt aber überzeugender auf. Wer Erfahrung sucht, kann auch John Kasich wählen – der Gouverneur von Ohio hat eine gute Bilanz.

Vor der Debatte hat es im Bush-Clan ein Krisentreffen gegeben, auch Vater und Bruder waren dabei, die Altpräsidenten 41 und 43. Durchhalten, sickerte als Parole nach draußen, aber auch: Angreifen!

Kasich zeigt Bush gleich zu Beginn, wie man das macht: „Wir können nicht jemanden wählen, der keine Ahnung hat, wie man regiert“, schimpft er über die Umfragekönige Trump und Carson. Die Steuer- oder Immigrationspläne der beiden? „Das Zeug ist reine Fantasie!“

Die Moderatoren von CNBC widmen den Abend vor allem wirtschaftlichen Fragen, vielleicht bleiben Trump und Carson deshalb blass. Bushs eigene Attacke geht aber gründlich schief: „Hat der Senat so was wie eine französische Arbeitswoche?“, schulmeistert er, als Rubio nach seiner Präsenz im Kongress gefragt wird. „Drei Tage, an denen man sich blicken lassen muss?“

Stimme der Vernunft

Medien werfen Rubio vor, zugunsten des Wahlkampfs seine Verpflichtungen im Senat zu vernachlässigen. Aber Bush wirkt schrecklich bemüht, er blickt dem neben ihm stehenden Ex-Schützling nicht in die Augen. Rubio erinnert daran, wie oft der frühere Präsidentschaftskandidat John McCain im Senat gefehlt habe, auf den Bush sich gerne beruft. „Ich kann mich nicht erinnern, dass du dich über sein Abstimmungsverhalten jemals beschwert hast“, sagt Rubio. „Der einzige Grund, warum du es jetzt tust, ist, dass wir uns um dieselbe Position bewerben.“ Von Bush ist danach lange nichts mehr zu hören.

Der 62-Jährige kandidiert als Stimme der Vernunft, da wirkt es nicht überzeugend, als Erstes die kompetentesten Mitbewerber zu attackieren. Es hätte bessere Ziele gegeben: Ben Carson, der die Staatsausgaben um 40 Prozent schrumpfen will, aber seine Pläne nicht erklären kann. Carly Fiorina, die ihre Bilanz als Geschäftsführerin von Hewlett-Packard mit einem flauen Scherz übertüncht und verspricht, den Steuerschlüssel von 73 000 Seiten auf drei einzudampfen. Senator Ted Cruz aus Texas will das Finanzamt abschaffen, der ehemalige Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, die vier schlimmsten Krankheiten: Dann sei das Gesundheitssystem saniert.

Auch New Jerseys Gouverneur Chris Christie und der libertäre Rand Paul bieten Angriffspunkte. Aber Bush ist nicht gut in Konfrontation. In einer früheren Debatte ging er gegen Trump so unter wie nun gegen Rubio. Wollen die Republikaner so jemanden gegen Hillary Clinton ins Rennen schicken?

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