BERLIN

Kritik am Einsatz der Kampfhubschrauber

Auf dem Militärflugplatz Köln wird am Samstag ein Flugzeug erwartet, das die Leichen der beiden in Mali bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommenen Bundeswehrpiloten an Bord hat. Während im nordhessischen Fritzlar, wo sich die Heimatkaserne der Soldaten befindet, ein Trauerakt vorbereitet wird, ist die Ursache des Absturzes weiter unklar. Hinweise auf einen Abschuss gibt es nach ersten Erkenntnissen offenbar nicht. Nach Angaben der UN-Mission in Mali deutet vieles auf einen technischen Defekt hin.

Der Absturz des Tiger-Kampfhubschraubers hat die seit langem schwelende Debatte um mögliche Defizite bei Ausbildung und vor allem Ausrüstung der Bundeswehr neu entfacht. So will der Bundeswehrverband zwar nicht zum Helikopterabsturz Stellung nehmen, verweist aber auf frühere Stellungnahmen, nach denen die Bundeswehr „nur bedingt einsatzbereit“ sei. An dieser Einschätzung habe sich nichts geändert, so ein Sprecher der Soldatenvereinigung. Auch für den SPD-Verteidigungspolitiker Karl-Heinz Brunner ist es zu früh, Aussagen zu möglichen Absturzursachen des Tiger-Helikopters in Mali zu treffen. „Doch der tödliche Vorfall zeigt ein weiteres Mal, dass wir unseren gesamten Flugapparat dahingehend überprüfen müssen, ob er den klimatischen Bedingungen in den Einsatzländern entspricht.“

Am Einsatz des Tiger-Kampfhubschraubers im von islamistischen Terroristen und marodierenden Milizen geplagten Mali hatte es im Vorfeld massive Kritik gegeben. Der vom deutsch-französischen Airbus-Konzern gebaute Helikopter ist nur bis zu einer Außentemperatur von 42 Grad zugelassen. Für den Einsatz in Mali wurde dieser Wert wie zuvor für Afghanistan quasi per Sondergenehmigung heraufgesetzt. Doch in der westafrikanischen Wüste können die Temperaturen noch höher klettern – zum Absturzzeitpunkt am vergangenen Mittwoch sollen sie aber bei nur 36 Grad gelegen haben. Zudem soll es beim 2003 bei der Bundeswehr in Dienst gestellten Tiger enorme Wartungsprobleme geben, 2013 stürzte ein Exemplar bei einem Übungsflug nahe Oberammergau ab – die Piloten überlebten.

Brunner sieht dringenden Bedarf, „ohne Scheuklappen zu untersuchen, ob der Tiger für den Mali-Einsatz geeignet ist – und gegebenenfalls über Nachbesserungen oder Ersatzbeschaffungen nachzudenken“. Wenn nötig müsse auch der Verteidigungsausschuss des Bundestages noch einmal zusammentreten. „Wenn es um die Sicherheit der Soldaten im Einsatz geht, darf eine Entscheidung nicht erst nach der Bundestagswahl fallen.

Auch der CSU-Verteidigungspolitiker Reinhard Brandl spricht von „Lücken“ bei der Ausrüstung der Truppe. „Die Trendwende bei der Bundeswehr ist eingeleitet, aber das bestellte Material ist noch nicht in der Truppe angekommen – das führt zu Engpässen.“ Oberste Priorität müsse es sein, dass diese Lücken sich nicht auf die Sicherheit der Soldaten im Auslandseinsatz auswirkten.

Dass die deutschen Kampfhubschrauber nicht ausreichend für den Einsatz in Westafrika getestet seien, hat Reinhard Schlepphorst, Chef der Piloten-Gemeinschaft der Bundeswehr gegenüber der „Bild“-Zeitung gesagt. Zudem klagte Schlepphorst: „Unsere Tiger-Piloten haben nicht genug Erfahrung auf den vor Ort eingesetzten Maschinen, um in Grenzsituationen die Hubschrauber vollumfänglich beherrschen zu können.“ Das Verteidigungsministerium wies dies umgehend zurück.

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