BERLIN

Rechte weiter auf dem Vormarsch

Ulrich Wickert
Foto: dpa | Ulrich Wickert

Zehn Jahre gibt es nun schon den Verein „Gesicht Zeigen!“, der sich gegen Rechtsextremismus und für ein weltoffenes Deutschland engagiert. Gegründet wurde das Bündnis vom ehemaligen Regierungssprecher Gerhard Schröders, Uwe-Karsten Heye und dem damaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden, Paul Spiegel. Und zwar nach einer Serie von rechtsextremen Gewalttaten und einer großen Gegendemonstration mit 200 000 Teilnehmern am Brandenburger Tor. Gestern in Berlin zogen Heye und der ehemalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert als prominenter Unterstützer Bilanz. Fazit: Der Rechtsextremismus ist weiter auf dem Vormarsch.

Was hat sich seit der Gründung des Vereins verändert?

Der Glatzkopf mit Springerstiefeln ist passé, der heutige Rechtsextremist gibt sich nach Einschätzung des Vereins „modern, revolutionär und erlebnisorientiert“. Nur Eingeweihte erkennen noch die eindeutigen Dresscodes und Abzeichen. An der menschenverachtenden Ideologie habe sich jedoch nichts verändert.

Wie gewaltbereit ist die rechte Szene?

„Jedes Jahr verzeichnen wir eine Rekordzahl krimineller Straftaten mit rechtsextremen Hintergrund“, warnte Heye. Seit der Wende 1989 wurden 149 Menschen von Neonazis getötet. Laut dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, sind zudem im vergangenen Jahr rund 20 000 Menschen Opfer von rechten Straftaten geworden, doppelt so viele wie noch 2001.

Welchen Einfluss hat die NPD in der rechten Szene?

Laut Heye gilt sie in der Szene als „revolutionäre Protestpartei“. Dieses Image und ihre intensive Jugendarbeit komme an: „Jugendliche sind die wichtigste Zielgruppe.“ Und während vielerorts die Zuschüsse für Jugendprojekte gekürzt würden, engagiere sich die NPD genau in diesen Bereichen. So würden mit lokalen Neonazigruppen Kneipen, Zeltlager, Konzerte oder Ausflüge organisiert. Bundespolitisch habe die NPD zwar keinen Einfluss, doch Heye mahnte: Die Partei sei in den letzten Jahren bei acht Kommunalwahlen erfolgreich gewesen und verfüge bereits über 300 Kommunalmandate.

Gibt es einen Unterschied zwischen Ost und West?

Rechtsextremismus sei „kein ostdeutsches Problem, das ist ein gesamtdeutsches Problem“, betonte Heye. Der Umstand, dass in ländlichen Regionen im Osten die Menschen aus ökonomischen Gründen abwanderten, mache es dort den Rechtsextremen allerdings leichter.

Was kann der demokratische Bürger gegen Rechts tun?

„Mut ist erste Bürgerpflicht“, betonte Wickert. Jeder Bürger könne sich vor Ort in Projekten engagieren. Heye forderte einen Krisengipfel angesichts der gestiegenen Gewalttaten. Außerdem müssten Aussteigerprogramme stärker gefördert werden. „Aus keinem Kinderwagen schaut uns ein Neonazi an“, appellierte Heye überdies an die Eltern, ihre Verantwortung stärker wahrzunehmen.

Themen & Autoren
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!