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Suu Kyi: „Seid mutig, aber habt Geduld“

Umjubelt: Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi
Foto: dpa | Umjubelt: Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi

Wer ist die kleine, zierliche Frau, die die Menschen um sich herum in ihren Bann zieht, die sich über 20 Jahre nicht von Panzern und allmächtigen Generälen einschüchtern ließ? Die über 16 Jahre in Haft oder striktem Hausarrest verbrachte?

Es ist die Tochter eines Nationalhelden, Trägerin eines berühmten burmesischen Namens: Aung San. Ihr Vater war der General, der Burma am Ende des Zweiten Weltkriegs in die Freiheit führte, weg von der Kolonialherrschaft der Briten. Ihren Vater hatte Suu Kyi kaum gekannt. Er wurde 1947, zwei Jahre nach ihrer Geburt, zusammen mit acht seiner engsten politischen Mitstreiter ermordet. Aber sein Name war wie Magie für das Volk. Dieser Verehrung schloss sich Suu Kyi an und stellte den Namen ihres großen Vaters vor ihren eigenen.

Aufstieg zur Hoffnungsträgerin

Aung San Suu Kyi verbrachte viele Jahre in Indien, New York, Nepal und Bhutan. Mit ihrem Mann, dem Tibetologen Michael Aris, und ihren zwei Söhnen lebte sie seit 1974 in der Heimat ihres Mannes in England. 1988 kehrte sie nach Burma zurück, um ihre sterbenskranke Mutter zu pflegen. Da erlebte sie auf den Straßen ihrer Heimatstadt schwere Unruhen, Proteste von überwiegend jungen Menschen. Das Militär begann auf die Menge zu schießen. Die Gewalt eskalierte im August desselben Jahres.

Es war, als hätten die Menschen sie als Hoffnungsträgerin auserkoren. Sie stellte sich an die Spitze der Bewegung und mahnte zum gewaltlosen Widerstand: „Seid mutig, aber habt Geduld. Wir, das Volk, werden nur dann siegen, wenn wir auf Gewalt nicht mit Gegengewalt antworten.“ Es waren Worte, die ihr 1991 den Friedensnobelpreis einbrachten.

Sie gründete die Partei „Nationale Liga für Demokratie“ (NLP), die 1990 bei den Wahlen überraschende 80 Prozent aller Stimmen bekam. Die herrschende Militärjunta verweigerte die Machtübergabe und das Wahlergebnis wurde annulliert. Es folgten viele Repressalien gegenüber der mutigen Frau und ihren treuen Weggefährten und Anhängern. Bis 2010 verbrachte die heute 66-Jährige mit Unterbrechungen insgesamt 15 Jahre in Haft oder unter Hausarrest.

Die Welt hielt den Atem an, als im letzten Jahr unter der neuen Regierung die Oppositionspartei von Aung San Suu Kyi legalisiert und eine Nachwahl gestattet wurde. Diese ist für den 1. April angesetzt.

Die Parlamentswahlen vom November 2010 hatte die NLD wegen der restriktiven Wahlgesetze noch boykottiert. Suu Kyi kam erst kurz danach wieder auf freien Fuß. „Für mich ist sie eine Heldin und eine Quelle der Inspiration für alle, die sich in Birma und weltweit für Menschenrechte einsetzen“, würdigte US-Präsident Barack Obama die gerade Freigelassene.

Stärker als die Staatsmaschinerie

Die derzeitige, vor allem aus Ex-Militärs bestehende Regierung, übernahm die Macht. Über Präsident Thein Sein sagt Suu Kyi, sie halte ihn für einen ehrlichen Mann. Thein Sein war es auch, der eine Gesetzesänderung billigte, die es Suu Kyi und ihrer Partei ermöglichte, an den Nachwahlen teilzunehmen. Es gibt gar Berichte, wonach Suu Kyi ein Regierungsamt angeboten wurde. Doch trotz der bisherigen politischen Öffnung bleibt die Friedensnobelpreisträgerin vorsichtig: Die bisherigen Reformen seien noch nicht unumkehrbar.

Wie auch immer die Wahlen ausgehen werden: Die Worte der kleinen Frau mit dem großen Mut und dem zähen Durchhaltevermögen waren stärker als die Staatsmaschinerie. „Angst ist nicht der natürliche Zustand eines zivilisierten Menschen.“ Freiheit und Menschenrechte sind es. Mit Material von epd

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