LIMBURG/WÜRZBURG

Würzburger Kunstreferent verteidigt Kosten für den Limburger Bischofssitz

Im Innenhof: Bischof Tebartz-van Elst auf einem Archivfoto aus dem Jahr 2012.
Foto: Boris Roessler, dpa | Im Innenhof: Bischof Tebartz-van Elst auf einem Archivfoto aus dem Jahr 2012.

Der Leiter des Kunstreferats des Bistums Würzburg, Jürgen Lenssen, hat das umstrittene Limburger Diözesanzentrum verteidigt. „Die 30 Millionen Euro für diesen Bau sind im Grunde nicht wirklich viel“, sagte der katholische Kunstexperte am Dienstag in Leipzig in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

In der öffentlichen Debatte wird unter anderem die Bausumme scharf kritisiert. Der Domkapitular bezeichnete das neue Zentrum als „künstlerisch-architektonisch gelungen“. Wenn Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst die Baufinanzierung anders kommuniziert hätte, hätte es keinen Eklat um das Zentrum gegeben.

Unter anderem das Bauprojekt hat dazu geführt, dass sich Tebartz-van Elst nach einer Entscheidung von Papst Franziskus außerhalb seines Bistums aufhält. Nach Fertigstellung eines Prüfberichts wird nun eine endgültige Entscheidung des Papstes zu seiner Zukunft erwartet.

Nach Einschätzung Lenssens ist der Skandal „kein Hemmnis“ für andere kirchliche Projekte in Deutschland. „Es würde mit Sicherheit auch öffentlich positiv gesehen, wenn wir in Qualität und Kunst investieren“, betonte der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst. Die stehe auch nicht im Widerspruch zu der von Papst Franziskus geforderten kirchlichen Bescheidenheit.

Lenssen verwies zur Begründung auf Afrika oder Südamerika, wo die Gläubigen trotz Armut bei ihren Kirchen einen sehr hohen Wert auf die künstlerische Ausgestaltung legten. „Denn die Kunst steht im Dienst der Verkündigung“, betonte der Domkapitular. Auch in Gebieten mit christlicher Minderheit seien die Kirchengebäude oftmals sehr hochwertig ausgestattet.

Lenssen rief die Kirche zugleich auf, wieder stärker in den Dialog mit Künstlern zu treten, „ob sie kirchlich sozialisiert sind oder nicht“. Gerade Letztere brächten häufig eine große Offenheit gegenüber der Kirche mit. „Diese Chance sollten wir nutzen.“

Kardinal Gerhard Ludwig Müller und Erzbischof Georg Gänswein haben Bischof Tebartz-van Elst in Schutz genommen. Dem bei Medien und Gläubigen in Misskredit geratenen Bischof sei „in vielen Punkten Unrecht geschehen“, sagte Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses, der ARD. „Und da muss man sich dagegen stellen und sagen: Das hat dieser Mann nicht verdient“, zitierte der Sender auf der Internetseite tagesschau.de am Dienstag Gänswein.

Kardinal Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, sagte dem Sender, Tebartz-van Elst sei „nichts an Verfehlungen nachzuweisen, was das Bischofsamt unmöglich machen würde“. Er fügte hinzu: „Selbst wenn es vorkäme, muss erst einmal über die Faktenlage gesprochen werden. Man kann mit einem Menschen nicht so umgehen, dass er von Reportern gejagt wird, wo überall er sich aufhält.“

Müller warf Kritikern des Limburger Bischofs Eigeninteressen und fehlende Bemühungen um Objektivität vor: „Man wollte Papst Franziskus ja auch instrumentalisieren. Man hat gesagt: 'Der spricht von Armut, und in Limburg machen sie einen Protzbau. Er muss ihn absetzen'“, zitierte die ARD Müller. „Als ob der Papst oder die Bischofskongregation auf eine so primitive Art und Weise vor den eigenen Karren gespannt werden können“, so der Kardinal.

Gänswein bemängelte in dem Zusammenhang auch die Darstellung der Person Tebartz-van Elst in der Öffentlichkeit. Er wolle „keine Presseschelte anstellen“, aber „wenn das, was zu lesen war, Realität wäre, müsste man sagen: 'Er ist ein Unmensch.' Aber da ist die virtuelle Realität von der konkreten Realität doch sehr unterschiedlich“, sagte Gänswein. Foto: Thomas Obermeier

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