BELEK/SIDE

Wenn die Ferien digital werden

Urlaub 2.0: Digitale Schatzsuche am Strand, sich mit anderen Gästen online zum Tennis verabreden und Xbox im Mini-Club – Thomas Cook integriert in seinen SunConnect-Resorts das Internet in den Urlaub.
Surfen mal anders: Ob mit Laptop, Tablet oder Smartphone – am Strand des Paloma Grida Village kann man immer online sein. Foto: Benjamin Stahl

Im türkischen Badeort Belek steht eine Handvoll junger Urlauber mit gesenkten Köpfen am Strand. Nein, sie sind nicht traurig: Sie starren auf ihre Smartphones und Tablet-Computer. „Head-down-Generation“ eben – „Generation Kopf nach unten“, immer mit den Augen auf den kleinen Geräten. Auf ihren Bildschirmen hat sich eine Landkarte mit einer Stecknadelmarkierung aufgebaut. „Ganz in der Nähe müsste es sein“, meint eine junge Frau aus der Gruppe und läuft voraus. Nein, hier hat sich auch niemand verlaufen. Was hier abläuft, ist eine Art digitale Schnitzeljagd, die das Paloma Grida Village seinen Gästen anbietet.

Das Hotel ist eines von zehn sogenannten SunConnect-Resorts zwischen Spanien und Zypern des Reiseveranstalters Thomas Cook. Das Konzept dahinter: die Digitalisierung der Ferien. Die digitale Schatzsuche am Strand, bei der sich die Urlauber Koordinaten von einer Internetseite laden, diese in Google Maps eintragen und an den richtigen Orten Buchstaben finden, die sie dann zu einem Lösungswort zusammensetzen müssen, ist dabei nur ein Beispiel.

Das Animationsangebot richtet sich vor allem an junge Familien und Kinder und reicht von Foto-Wettbewerben über den Dreh eines Urlaubsvideos bis hin zu Xbox-Battles – also Videospiel-Wettkämpfen. Alles unter Anleitung der Animateure, die in den Ressorts ConnectScout heißen, versteht sich.

„Kinder wollen nicht mehr auf Xbox und Co verzichten, weil sie damit aufgewachsen sind.“
Michael Schnaderbeck, Animateur

Im Paloma Grida ist der Aschaffenburger Michael Schnaderbeck für die digitale Unterhaltung der Gäste zuständig. Dass gerade Kinder bei so viel elektronischem Angebot während des Urlaubs mehr von Bildschirmen als von der Sonne angestrahlt werden, fürchtet er nicht. „Kinder wollen nicht mehr auf Xbox und Co verzichten, weil sie damit aufgewachsen sind“, sagt er und gewinnt dem auch etwas Positives ab: „Die Kinder lernen sich dabei leicht kennen. Wir animieren sie dann auch zu anderen gemeinsamen Aktivitäten.“ Zu analogen.

Vorbei scheint jedoch die Zeit, als sich der Nachwuchs nur mit Aktivitäten wie Wasserball, Boccia oder Bastelstunden im Mini-Club die Urlaubstage vertrieb.

Seit April arbeitet der 29-jährige Aschaffenburger in Belek, es ist sein erster Job als Animateur. „Wir sind in einem Seminar auf die Arbeit vorbereitet worden“, erzählt er. Dabei ging es nicht nur um die SunConnect-Idee, sondern auch um die Themen Datenschutz und den Umgang mit sozialen Medien. Ein sinnvoller Stundenplan, ist das Konzept doch auf Interaktivität ausgelegt: Es gibt eine Facebook-Gruppe, die erwähnten Urlaubsvideos werden auf YouTube geladen und Gäste können Fotos auf Instagram posten, die – mit dem richtigen Schlagwort versehen – dann auf dem hoteleigenen Onlineportal „MySunConnect“ einlaufen und für jedermann sichtbar sind.

Das Portal hat aber auch eine ganz andere, praktische Funktion für die Urlauber. So kann man sich bequem am Pool liegend mit dem eigenen Smartphone über das Unterhaltungsprogramm, Ausflugsmöglichkeiten oder Wellness-Angebote informieren. Außerdem gibt es ein digitales Schwarzes Brett, auf dem die Urlauber einen Tennispartner finden, erfahren, welche Familie Kinder im gleichen Alter hat, oder einen Hilferuf absetzen können, wenn man bemerkt, dass man das Ladekabel für den Tablet-PC zu Hause vergessen hat.

Wer kein eigenes Gerät hat, ist aber auch nicht von der schönen neuen Welt ausgeschlossen: Zwei große Monitore mit Touch-Funktion machen das Onlineportal für jeden zugänglich. Einer hängt an der Rezeption, der andere an der sogenannten ConnectBar. Dort gibt es auch tatsächlich etwas zu trinken – und Saft für iPhone und Co.: Eine Ladestation macht den Gang ins Zimmer, wenn der Akku leer ist, überflüssig.

Obwohl es bei SunConnect um Urlaub geht, ist „zu Hause“ ein gutes Stichwort. Denn zur Zielgruppe gehören auch Kunden, die während des Urlaubs mit den Daheimgebliebenen in Kontakt sein wollen – über das Internet natürlich.

Vorbei die Zeit, als man ganz klassisch eine Postkarte geschrieben hat oder vielleicht einmal von der Telefonzelle aus zu Hause angerufen hat: „In Umfragen haben 77 Prozent unserer Gäste angegeben, dass sie ihr Smartphone im Urlaub nutzen, 60 Prozent nutzen Facebook und Twitter“, erklärt Alexa Brandau, Marketing-Frau bei Thomas Cook.

Vorbei also auch schon wieder die Zeit, als man im Urlaub auch Urlaub von E-Mails, Facebook-Nachrichten und SMS machte. Dank kostenlosem Highspeed-WLAN – also schnellem kabellosen Internet – in der gesamten Anlage können die Urlauber immer online sein und auch von der Türkei aus WhatsApp-Nachrichten verschicken oder Strandbilder twittern.

Der Trend zum Posten und Chatten im Urlaub macht dabei scheinbar vor keinem Alter Halt. „Neulich habe ich einer 70-Jährigen gezeigt, wie Skype, also Videotelefonie, funktioniert“, erzählt ConnectScout Michael. „Danach war sie kaum noch von ihrem Smartphone wegzukriegen.“ Die „Head-down-Generation“ definiert sich eben nicht über das Alter.

Tipps zum Trip

SunConnect: Das Konzept richtet sich an onlineaffine Familien. Vor allem Jugendliche sollen auf ihre Kosten kommen, die in der ConnectTeen-Lounge einen eigenen Treffpunkt haben. Im Sommer 2014 sind insgesamt zehn SunConnect-Resorts in fünf Ländern (Türkei, Spanien, Kroatien, Tunesien, Zypern) im Angebot.

Preisbeispiel: Sieben Übernachtungen im SunConnect Paloma Grida Village in Belek mit All Inclusive-Verpflegung, inklusive Flug ab Frankfurt und Transfer gibt es ab 762 Euro pro Person. Kinder (zwischen zwei und 13 Jahren) zahlen ab 369 Euro.

Analoge Beschäftigungen: Bei allen Angeboten mit digitalen Medien sollte man die Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Region nicht verpassen. Bei einem Aufenthalt im Paloma Grida Village oder dem Schwesterhotel SunConnect Sea World Resort & Spa in Side lohnt sich etwa ein Ausflug zum beeindruckenden Manavgat-Wasserfall oder zu den antiken Ausgrabungsstätten von Side mit dem berühmten Apollon Tempel und einem Theater, das in der Antike rund 16 000 Menschen Platz bot. Heute finden darin kulturelle Veranstaltungen statt. Text: ben

Schwarzes Brett: ConnectScout Michael erklärt das hoteleigene Onlineportal.

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