Aub

Sonntagsspazierung im Stätdchen, oder: Auf die schnelle Tour

Spaziergang: Es muss nicht immer die lange Wanderung oder ein großer Städtetrip sein. Man kann einfach auch mal . . . ins stille Aub.
Wer Stadtmauern mag, ist in Aub richtig. Oben groß der Zehntturm von Süden betrachtet.
| Wer Stadtmauern mag, ist in Aub richtig. Oben groß der Zehntturm von Süden betrachtet.

Das Städtchen hat einen Rundweg entlang der alten Stadtmauer, mal an der Außen-, mal an der Innenseite. Knapp ein Viertel der Strecke führt sogar durchs Zentrum von Aub. Das macht aber keinen großen Unterschied, denn der Kernort ist an seiner größten Ausdehnung gerade mal 500 Meter kurz. Als Stadtführung genügt es also beinahe, sich auf dem Marktplatz einmal um die eigene Achse zu drehen, und schon scheint man fertig zu sein. Da ist es sehr gut, wenn jemand die Besucher anstachelt, sich auch einmal in den Ecken umzugucken. Auf zur Entdeckungstour also!

Am Hang über der Gollach im südlichen Landkreis Würzburg erheben sich hübsche alte Häuser. Bei manchen ahnt man sogar, dass sie etwas Besonderes darstellten. Da leisten die 15 Informationstafeln des „Museumsrundgangs Spital + Stadt“ gute Dienste.

Die meisten Gassen liegen werktags und zu Arbeitsstunden in völliger Stille. Eins der beiden Gasthäuser auf dem Hauptplatz hat immerhin mittags schon seinen Betrieb aufgenommen. Eine Katze streift über den Platz, ohne sich vor irgendwelchen Autos beeilen zu müssen. Gähnend wirft sie sich an den Fuß einer sonnigen Fassade.

Wer mehr von Aub erfahren möchte, reißt sich los von dem ruhigen und gastfreundlichen Platz, der eigentlich ein Straßeneinmündungskomplex ist, stößt hinter der Kirche auf die Hauptstraße und dort nach ein paar Schritten hügelabwärts auf eine Fahrbahnverengung, die ein apsisartiger Gebäudevorsprung verursacht. Vorher links abbiegen. Das ist schon das Spital mit seinem gleichnamigen Museum. Hier geht der aufschlussreiche Rundgang los.

Jeder Besucher läuft wie er mag

Das Besondere an diesem Kulturpfad: Er lässt viel Raum für Eigeninitiative und Entdeckerfreude. Man kann ihn ohne ein Faltblatt in der Hand absolvieren. Planung und Spontaneität reichen sich die Hand. Der Parcours zwingt niemanden, in vorgeschriebener Pfeilrichtung zu folgen. Vielmehr bereitet sich jeder Gast das Städtchen selbst auf.

Es geht, so heißt es auf der ersten Tafel, zu „Orten der Stadtherrschaft und der sozialen Fürsorge“. Der Aub-Weg ist also ein Themenspaziergang. Hier und da berührt er zwar Bauwerke, bei denen der Bezug zum Hauptthema nicht unmittelbar einsichtig ist. Aber grundsätzlich leuchtet der Gedanke ein. Außerdem war die Stadtherrschaft in Mittelalter und früher Neuzeit so vielfach aufgeteilt, dass sich eben doch immer irgendein Bezug zu diesem und jenem herstellen lässt.

In anderthalb Stunden alles gesehen

Vor 15 ausgewählten Auber Sehenswürdigkeiten steht also eine Informationstafel. Außer Texten und historischen Fotos enthalten die einen recht genauen kleinen Stadtplan, auf dem stets der gesamte Rundweg eingezeichnet ist. Der gegenwärtige Standort ist rot markiert, die anderen Ziele sind gelb eingefärbt.

Das ist alles. Kein Pfeil verunziert die nächste Häuserecke: 'Hier entlang zur 7. Attraktion!' Die anderen 14 Locations sind nicht einmal genannt. Man muss die nächste Etappe auswendig lernen.

Die Autoren veranschlagen den Stadtrundgang auf eineinhalb Stunden. Länger ist schöner – vor allem dank der vielen eigeninitiativen Abschweifungen. Zudem kommt man leicht unfreiwillig vom Ziel ab. Keine bunten Symbole leiten einen. Bei raumgreifenden Objekten wie beim Schloss, das Fürstbischof Julius Echter als Jagdschloss umbauen ließ, und beim Marktplatz in der Ortsmitte muss man spähen, um die Tafeln zu finden. Das macht aber nichts. Irgendwann fällt es auf, wenn man zwei oder drei Stationen überschlagen hat; zum Zweck der Vollständigkeitskontrolle sind die durchnummeriert. Man erkennt den Fehler also früh und geht bei nächster Gelegenheit einfach zurück. Zwei Minuten dürften in den meisten Fällen genügen.

Gerade weil alles klein ist: Obacht!

In Aubs Kleinheit liegt anfangs eine Gefahr. Jedes nächste Ziel ist unglaublich schnell erreicht, man übersieht es und ist schon dran vorbei. Oder hat sich nach dem Judenfriedhof nicht getraut, die Hauseinfahrt rechts hinaufzustapfen. Die sieht sehr privat aus, ist aber offizielles Wegstück. Zweifel am rechten Weg bekommt an dieser Stelle aber eh nur, wer den Rundweg im Uhrzeigersinn abschreitet. Der ist selbst schuld an seiner Irritation, denn er geht entgegen der Ziffernfolge. Also besser Obacht und: Wandern nach Zahlen!

Gekennzeichnet sind die 15 sozialgeschichtlichen Highlights von Aub durch die Eisenträger der Informationstafeln mit ihrem charakteristischen Knick. Grau und unauffällig passen sie sich ins Stadtbild ein. Aber wer auf ihren Pfaden wandelt, der entwickelt mit der Zeit einen Blick für dieses Stadtmöbel.

Start und Herzstück des Ganzen ist das Spital, d.h. ein Pfründnerheim, das von gestiftetem Landbesitz lebte. Weil das Naturalieneinkommen verwaltet werden musste und das Spital obendrein eine eigene Pfarrei war, bildete das Spital eine ausgedehnte Anlage. So sind ihm allein vier Info-Displays gewidmet, vom alten Hauptgebäude bis zum Garten. Das Pfründnerhaus enthält heute das Fränkische Spitalmuseum, dessen Leiter Georg Pfeuffer den „Museumsrundgang Spital + Stadt“ mit auf die Beine stellte. Die Informationstafeln legen den Schwerpunkt auf das Geschichtliche. Einige Eigenheiten der Historikerzunft fallen auf: Wesentliches wird mit Fachbegriffen kurz benannt, bleibt dem Laien aber unverständlich.

Interessant wäre doch: Welche Pfründner waren berechtigt, ins Spital zu ziehen? Welchen Zweck hatte das offenbar amtliche Greiffenclau-Haus? Inwiefern „diente“ eine Zehntscheune den Bauern, die im Feudalismus doch ihrerseits Dienende waren? Ist es die richtige Wortwahl, die Auber Juden seien 1939 'weggezogen'?

Sind alle wichtigen Auber Stellen besucht, sollte der Gast seinen Blick auf einige eher verborgene Dinge lenken. In der Kirche Mariä Himmelfahrt hängt nicht nur die Kreuzesszene Tilman Riemenschneiders, sondern auch ein gemalter Kreuzweg, dessen Urheber einen erstaunlich lockeren Pinsel schwang. Der arbeitete deutlich weniger naiv als viele seiner Zeitgenossen. Die Kunstverzeichner der Diözese fanden nicht heraus, wer der gute Mann war. Die unstrittigen Rokokogesichter und das alte Malmaterial ließen sie die Entstehung auf 1750 bis 1800 datieren.

Gärten direkt außerhalb

Wird der soziale Aspekt des Rundwegs etwas weiter gegriffen, dann fällt ein sehr rares und idyllisches Konstrukt unter denselben: Die Häuser, die an die nördliche Stadtmauer gebaut wurden, haben nur einen winzigen Hinterhof, dann fließt schon die Gollach dort entlang, gesäumt von einer schmalen, langen Wiese. Letztere ist ein öffentlicher Weg, der am Spitalgarten beginnt. An diese Wiese schließen dann stadtauswärts gesehen wiederum Gartenabteile der Anwohner an. Man darf die Auber also in ihren Gärten besuchen.

Das ist überhaupt ein Grund für Sightseeing von Gollach-City: Fast die ganze alte Stadtmauer ist noch erhalten, doch es wird kein großes Gewese drum gemacht. Hier stoßen Alt und Neu vielmehr im baumateriellen Sinn aufeinander. Das geschieht recht behutsam, Klinker- und Wellblech-Verunzierungen sind selten. Und wo nicht saniert wurde, sondern wo Häuser verfallen – da haben die allermeisten von ihnen immerhin noch ihre Glasfenster, unzerschmissen. Und wer eine Immobilie kauft, wird beim Renovieren großzügig von der Stadt unterstützt.

Tipps zum Trip

Anfahrt: Mit dem Auto südlich von Ochsenfurt von der B13 über Hopferstadt nach Aub. Mit dem Zug nach Ochsenfurt (an der Strecke Würzburg-Uffenheim) und vom Bahnhof Ochsenfurt mit dem Bus 428 in Richtung Bieberehren nach Aub. Radwanderer ersparen sich den steilen Maintal-Aufstieg auf der alten Gaubahntrasse von Ochsenfurt über Tückelhausen, Gaukönigshofen, Sonderhofen, Gelchs- und Baldersheim.

Umgebung: Etwas außerhalb von Aub gibt es auch etwas zu sehen: Kunigundenkapelle, Reichelsburg-Ruine und das Feuerwehrmuseum in Waldmannshofen.

Einkehr: Am Marktplatz liegen zwei Gasthöfe einträchtig nebeneinander. Das Weiße Ross der Familie Lochner greift für seine bodenständige Küche zu Rindfleisch aus eigener Produktion. Sonn- und montags sind Ruhetage, Küchenzeit 17 bis 20 Uhr. Infos: Tel. (09335) 287 www.gasthof-weisses-ross.de Das Goldene Lamm daneben ist eine „tafernwirtschaftsgerechtsame Schenkstatt“ mit über 500-jähriger Tradition, wagt sich aber auch mit Erfolg an moderne vegetarische Küche. Hier ist Donnerstag der Ruhetag, mittwochs und freitags ist mittags zu, die Küche schließt um 20.30 Uhr. Tel. (09335) 428 9999, www.goldenes-lamm.de. In beiden Häusern gibt es auch Gästezimmer.

Im Auber Spitalgarten mit sommerlich-rosiger Blütenpracht.
Foto: joachim fildhaut | Im Auber Spitalgarten mit sommerlich-rosiger Blütenpracht.
Stadtpatronin Maria wacht über dem Markt: in feinster Vergoldung.
| Stadtpatronin Maria wacht über dem Markt: in feinster Vergoldung.
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