Osten

Unterwegs auf der Deutschen Fährstraße

Prahmfähre zwischen Gräpel und Ostendorf       -  Handarbeit: Die Prahmfähre zwischen Gräpel und Ostendorf bewegt der Fährmann mit Muskelkraft.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn | Handarbeit: Die Prahmfähre zwischen Gräpel und Ostendorf bewegt der Fährmann mit Muskelkraft.

Nur noch acht Schwebefähren gibt es auf der ganzen Welt. Und nur eine von ihnen liegt in Deutschland: Osten-Hemmor im Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen.

Eine Schwebefähre fliegt natürlich nicht magisch durch die Luft. Sie hängt an Stahlstreben unter einer Brücke. In der Gemeinde Osten zuckelt die grüne Gondel unter einem fast 40 Meter hohen Gerüst aus Stahl. Das Surren des Elektromotors begleitet die Überfahrt. Maximal 7,5 Tonnen oder 100 Personen auf einmal können auf diese Weise über den Fluss Oste transportiert werden.

Die Schwebefähre Osten-Hemmoor ist ein Höhepunkt der Deutschen Fährstraße. Die touristische Ausflugsroute führt von Bremervörde hinauf zur Kieler Förde. Genau genommen sind es gleich mehrere Routen: eine für Radfahrer (232 Kilometer), eine für Wassersport-Touristen (185 Kilometer) und eine für Auto, Wohnmobil- und Motorradfahrer (260 Kilometer).

Maritime Museen an Oste, Elbe, Nord-Ostsee-Kanal und Kieler Förde gehören zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke.

Wie eine umgedrehte Straßenbahn

Fährmann Wolfgang Knieling ist Mitglied der Fördergesellschaft zur Erhaltung der Schwebefähre Osten-Hemmoor. Der Pensionär beschreibt die Schwebefähre als „eine umgedrehte Straßenbahn, die an den Schienen hängt und elektrisch betrieben wird.”

„Bis 1909 fuhr hier eine Prahmfähre”, erzählt Knieling. Eine solche Fähre findet man knapp 20 Kilometer entfernt bei Brobergen. Gebaut als handgezogene Seilfähre, ist sie knapp 18 Meter lang und 5,45 Meter breit. Zehn Tonnen und 30 Personen sind zugelassen. Prahm bezeichnet dabei den Typ - eine flache Fähre, meist mit schlankem Rumpf. Motorisiert ist die Ostefähre Brobergen seit 1926, das Seil wird nicht mehr vom Fährmann, sondern von einer Winde gezogen.

Eine der letzten, handbetriebenen Prahmfähren verbindet noch immer Gräpel und Ostendorf. Über die an dieser Stelle 25 Meter breite Unteroste zieht der Fährmann mittels Muskelkraft. Wer die Fährglocke schlägt oder „Fährmann, hol över” ruft, bekommt Bizepsbeistand.

Die ehemalige zweite Schwebefähre der Deutschen Fährstraße ist außer Betrieb. Lange fuhr sie unter der Rendsburger Eisenbahn-Hochbrücke. Doch 2016 kam es zum Zusammenstoß mit einem Fährschiff. Die Fähre wurde abgehängt. Der Neubau soll im Sommer 2021 fertig sein.

Die älteste Schwebefähre hängt in Spanien

Die Idee zur Deutschen Fährstraße stammt von Jochen Bölsche. Zur Gründung des Weltverbands der Schwebefähren reiste der Autor 2003 an den spanischen Königshof. „Die Mutter aller Schwebefähren steht nämlich im spanischen Bilbao”, erklärt Bölsche. Die Puente de Vizcaya wurde bereits 1893 eröffnet. Sie ist noch immer in Betrieb.

Zurück in Deutschland ging es um die Frage, wie die deutschen Schwebefähren besser vermarktet werden könnten. „Meine Idee war eine Straße, die beide Fähren verbindet”, erinnert Bölsche. Schnell sei die Überlegung ausgeweitet worden, die Route Bremervörde-Kiel stand. Unterwegs wurden alle Highlights gesammelt, die thematisch passten.

Hochzeit auf „Else”

So bietet die Deutsche Fährstraße nahezu alle jemals von Menschen erdachten Möglichkeiten, Gewässer zu queren: Schleusen, Furten, Sperrwerke, Fähren, Brücken, Tunnel. Von Wischhafen in Niedersachsen fährt die Elbfähre nach Glückstadt in Schleswig-Holstein. Hier heißt es nun endgültig Abschied nehmen von der Oste, hallo Elbe.

Entlang des Nord-Ostsee-Kanals geht es quer durch Schleswig-Holstein nach Kiel. Unterwegs wartet noch die „Else” auf ihren Einsatz: Die Seilfähre über die Stör von Bahrenfleth nach Beidenfleth hat eine lange Geschichte: Seit über 400 Jahren gibt es dort Überfahrten.

Wer will, kann sich auf „Else” sogar trauen lassen. Da bietet sich natürlich eine Hochzeitsreise über die Deutsche Fährstraße an.

© dpa-infocom, dpa:210519-99-662935/4

Oste-Radweg       -  Immer am Fluss entlang: Radfahrer auf dem Oste-Radweg bei Bremervörde.
Foto: Thorsten Brönner/Tourismus Marketing Niedersachsen GmbH/dpa-tmn | Immer am Fluss entlang: Radfahrer auf dem Oste-Radweg bei Bremervörde.
Zwischen Bremervörde und Elbmündung       -  Zwischen Bremervörde und Elbemündung ist die Oste auf 75 Kilometern Kanurevier.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn | Zwischen Bremervörde und Elbemündung ist die Oste auf 75 Kilometern Kanurevier.
Schwebefähre Osten-Hemmoor       -  Die Schwebefähre Osten-Hemmoor ist die letzte ihrer Art in Deutschland.
Foto: Larissa Loges/dpa-tmn | Die Schwebefähre Osten-Hemmoor ist die letzte ihrer Art in Deutschland.
Wolfgang Knieling       -  Wolfgang Knieling ist Schwebefährenführer.
Foto: Larissa Loges/dpa-tmn | Wolfgang Knieling ist Schwebefährenführer.
Schleuse bei Bremervörde       -  Beschauliche Oste: In etwas Entfernung sieht man die Schleuse bei Bremervörde.
Foto: Björn Wengler Fotografie/Touristikverband Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V./dpa-tmn | Beschauliche Oste: In etwas Entfernung sieht man die Schleuse bei Bremervörde.
Fährhaus in Osten       -  Weithin sichtbar überragt das Gerüst der Schwebefähre das Fährhaus in Osten.
Foto: Larissa Loges/dpa-tmn | Weithin sichtbar überragt das Gerüst der Schwebefähre das Fährhaus in Osten.
Schwebefähre Osten-Hemmoor       -  Schweben über das Wasser: Eigentümlich erscheint die Schwebefähre Osten-Hemmoor.
Foto: Larissa Loges/dpa-tmn | Schweben über das Wasser: Eigentümlich erscheint die Schwebefähre Osten-Hemmoor.
Prahmfähre       -  Bei Brobergen bringt eine Prahmfähre Autos und Radfahrer über die Oste.
Foto: Christian Röwekamp/dpa-tmn | Bei Brobergen bringt eine Prahmfähre Autos und Radfahrer über die Oste.
Elbfähre       -  Voll beladen sind die Elbfähren Glückstadt-Wischhafen auf der Elbe unterwegs.
Foto: Daniel Reinhardt/dpa/dpa-tmn | Voll beladen sind die Elbfähren Glückstadt-Wischhafen auf der Elbe unterwegs.
Molenfeuer in Glückstadt       -  Das Molenfeuer in Glückstadt hilft Booten bei der Navigation.
Foto: TA.SH/dpa-tmn | Das Molenfeuer in Glückstadt hilft Booten bei der Navigation.
Deutsche Fährstraße       -  Die Deutsche Fährstraße ist durch Routenschilder ausgewiesen.
Foto: Larissa Loges/dpa-tmn | Die Deutsche Fährstraße ist durch Routenschilder ausgewiesen.
Schwebefähre Oste-Hemmoor       -  Acht Minuten für 80 Meter über die Oste benötigt die Schwebefähre Oste-Hemmoor.
Foto: Larissa Loges/dpa-tmn | Acht Minuten für 80 Meter über die Oste benötigt die Schwebefähre Oste-Hemmoor.
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