Bordschomi

Georgiens Bordschomi und die Wässerchen der Aristokraten

Blick auf Bordschomi       -  Ein kurzer, aber steiler Aufstieg führt zu den Kreuzen über Bordschomi, wo man einen schönen Blick auf die Stadt hat.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Ein kurzer, aber steiler Aufstieg führt zu den Kreuzen über Bordschomi, wo man einen schönen Blick auf die Stadt hat.

Der Bademeister von Bordschomi tritt immer wieder mit strengem Blick ans Becken und deutet auf das hinterste der drei Becken: Dort könnten die Kinder planschen und toben.

Hier aber, im kleinsten und wärmsten Pool, soll man still und würdevoll einweichen - wie einst die russischen Aristokraten, die Tausende Kilometer im Zug anreisten, um in Bordschomi zu baden.

Ende des 19. Jahrhunderts war das Städtchen im Kleinen Kaukasus, das heute zu Georgien gehört, ein mondäner Kurort. Die Adeligen der Romanow-Dynastie ließen sich hier einen Palast bauen, reiche Russen und Perser zogen mit prächtigen Villen nach. Die Kurgäste flanierten durch gepflegte Parks und speisten in Grand Hotels.

Auf der Suche nach alter Größe

Alles lange vorbei, denkt man heute, wenn man wie die meisten Touristen im Minibus ankommt. Auf den ersten Blick hat Bordschomi nichts mehr mit einem Kurort gemein.

Spaziert man aber über die weiße Hängebrücke zum renovierten Bahnhof mit seinem Säulenportal und den Arkaden und von dort weiter entlang des Bordschomula-Bachs, so fällt es langsam leichter, sich in alte Glanzzeiten zurück zu träumen. Kleine Brücken spannen sich über das rauschende Gebirgswasser, Pavillons hängen über die Ufermauer. Und am Ende einer langen Reihe von Restaurants und Souvenirläden leuchtet türkis das Zuckerbäcker-Schlösschen eines Schnauzbarts mit Geschmack.

Mirza Reza Khan, der Botschafter des Schahs, ließ das Hotel 1892 in einem hübschen Stilmix bauen. Vor wenigen Jahren wurde das komplett renovierte Haus wieder eröffnet. Im Foyer sitzt man nun wieder auf Empire-Sofas unter Kronleuchtern, und an der verschnörkelten Tapete hängt ein Porträt des Erbauers mit Schärpe, Fez und Uniform.

Wer denkt, nun gehe es weiter mit Prunk und Pomp, wird allerdings enttäuscht. In ähnlicher Pracht glänzt bisher kein anderes altes Gebäude. Doch der Kurpark, der hinter einem schmiedeeisernen Tor beginnt, hat seinen eigenen Charme. Familien aus Europa, Russland, Iran und Israel spazieren unter Bäumen zwischen bunten Karussellen und Schießbuden. Kioske verkaufen Granatapfelsaft, türkischen Kaffee und Softeis. Und im Stahlpavillon mit der Glaskuppel zapfen sich Gäste kanisterweise das warme, salzige Mineralwasser.

Die Entdeckung des heilenden Wassers

Wie gut dieses Wasser bei Magenschmerzen, Nervenleiden, Bronchitis und Nierenproblemen tut, bemerkten die Menschen offenbar schon vor 2000 Jahren. 1852 entdeckten Archäologen im Wald Steinwannen aus dem ersten Jahrhundert. Erst als die Bewohner das Tal in den ständigen Kriegen zwischen Russen und Osmanen verließen, wurden die Heilquellen vergessen. Bis sie von Soldaten wieder entdeckt wurden.

Als die Truppen des Zaren durch die Schlucht marschierten, fiel ihnen das heiße Wasser auf, das aus der Erde sprudelte. Ihr magenkranker Oberst trank davon und fühlte sich prompt besser. Der Ruf des Wassers drang bis zum Vizekönig, der seine kranke Tochter Yekaterina nach Bordschomi schickte - und die Quelle nach ihr benannte.

Nach der Revolution übernahm der rote Adel. Bordschomis Mineralwasser gewann internationale Preise, in Moskau oder St. Petersburg kaufte man es in der Apotheke. Doch nachdem Georgien 1991 unabhängig wurde und ein Bürgerkrieg ausbrach, ging es auch mit Bordschomi bergab.

Wanderfreuden im Kaukasus

Nun ist Bordschomi wieder en vogue - auch dank deutscher Hilfe. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ermöglichte zusammen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau und dem WWF, dass hier 2001 der erste Nationalpark des Landes eingeweiht wurde. Insgesamt 250 Kilometer Wanderwege wurden markiert und Hütten mit Stockbetten gebaut - eine Rarität im Kaukasus.

Noch sind die meisten georgischen Gäste Schulkinder. Oft gehen sie nur den Lehrpfad hinter dem Nationalparkzentrum. Die restlichen Besucher, überwiegend Deutsche, wandern vor allem die Tagestouren. Auf die einsamen Mehrtagestouren wagen sich nur wenige Besucher.

Als schönste Route gilt die Kombination aus den Pfaden Nummer 1 und 2, sagt Mumladze - ein Rundweg von gut 80 Kilometern Länge, für den man fünf Tage braucht. Vom 2643 Meter hohen Sametskhvario sieht man an klaren Tagen die schneebedeckten Gipfel des Großen Kaukasus.

© dpa-infocom, dpa:200930-99-770878/4

Alter Kurpark       -  Im alten Kurpark ahnt man etwas von der Pracht vergangener Zeiten.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Im alten Kurpark ahnt man etwas von der Pracht vergangener Zeiten.
Hangebrucke       -  Über den Mtkwari spannt sich eine weiße Hängebrücke, am Ufer lässt es sich schön spazieren.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Über den Mtkwari spannt sich eine weiße Hängebrücke, am Ufer lässt es sich schön spazieren.
Pavillons       -  Pavillons hängen über das Ufer des Bachs Bordschomula.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Pavillons hängen über das Ufer des Bachs Bordschomula.
Seilbahn       -  Eine alte Seilbahn fährt hinauf zum Hochplateau über der Stadt.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Eine alte Seilbahn fährt hinauf zum Hochplateau über der Stadt.
Hotel Firuza       -  Das Hotel Firuza (heute Golden Tulip) wurde vor zwei Jahren renoviert und neu eröffnet.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Das Hotel Firuza (heute Golden Tulip) wurde vor zwei Jahren renoviert und neu eröffnet.
Bahnhof in Bordschomi       -  Am neoklassizistischen Bahnhof stiegen einst Weltstars wie der Komponist Pjotr Tschaikowski und der Dichter Maxim Gorki aus den Waggons.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Am neoklassizistischen Bahnhof stiegen einst Weltstars wie der Komponist Pjotr Tschaikowski und der Dichter Maxim Gorki aus den Waggons.
Glaspavillon       -  An der Quelle unter dem Glaspavillon zapfen sich Besucher das warme Mineralwasser.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | An der Quelle unter dem Glaspavillon zapfen sich Besucher das warme Mineralwasser.
Farblich markierter Wanderweg       -  Jeder Wanderweg ist mit einer eigenen Farbe markiert.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Jeder Wanderweg ist mit einer eigenen Farbe markiert.
Bartflechten       -  Bartflechten hangen in Dolden von den Asten der Baume.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Bartflechten hangen in Dolden von den Asten der Baume.
Grundmauern der Zemoti-Festung       -  Auf einem Felsen sieht man noch die Grundmauern der Zemoti-Festung.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Auf einem Felsen sieht man noch die Grundmauern der Zemoti-Festung.
Berge voller Bäume       -  Auf den Bergen des Nationalparks wachsen Birken und Buchen, Kiefern und Kastanien.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Auf den Bergen des Nationalparks wachsen Birken und Buchen, Kiefern und Kastanien.
Gaga Mumladze       -  Gaga Mumladze berat im Nationalpark-Zentrum Wanderer.
Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn | Gaga Mumladze berat im Nationalpark-Zentrum Wanderer.
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