Hamburg

Acht Regeln für Einsteiger an der Börse

Deutsche Börse
An der Börse wartet die Aussicht auf Rendite, aber auch das Risiko von Verlusten: Wer auf Aktienanlagen setzt, sollte schlechte Kursphasen aussitzen können. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn

Das anhaltende Zinstief bereitet Sparern zunehmend Verdruss. Über Tages- und Festgeldkonten ist es momentan fast unmöglich, das Vermögen nennenswert wachsen zu lassen.

Wer höhere Renditen möchte, kommt an der Börse nicht vorbei. Doch mit satteren Gewinnchancen steigt auch das Risiko. Diese acht Regeln sollten Anleger beachten, die sich an den Aktienmarkt wagen.

1. Langfristig denken

In Einzelaktien und Fonds sollte man langfristig anlegen. Denn sie unterliegen stets Kursschwankungen, die mal größer und mal kleiner ausfallen können. „Der Anlagehorizont sollte mindestens zehn Jahre betragen”, sagt Prof. Ingrid Größl, Vorständin des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. So kann man Phasen mit niedrigen Aktienkursen in aller Regel aussitzen.

2. Auf Timing verzichten

„Entscheidend für den Erfolg an der Börse sind nicht der richtige Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt”, erklärt Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Wichtiger sind Zeit und Geduld. Und grundsätzlich sollte man nicht Aktien verkaufen müssen, um damit notwendige Anschaffungen zu finanzieren oder andere Liquiditätsbedarfe auszugleichen, betont Größl. Wer sich für den Ausstieg Zeit nimmt, vermeidet womöglich Kursverluste.

3. Nur kaufen, was man versteht

Es ist vergleichsweise einfach, sich Wissen über das anzueignen, was eine Aktie ist und wovon ihre Wertentwicklung abhängt. Für Anfänger schwieriger zu verstehen sind hingegen Finanzderivate, etwa Futures oder Zertifikate. Größl rät: „Hände weg, wenn man sich nicht Kenntnisse darüber aneignen will.”

Wer Anteile an einem börsengehandelten Indexfonds (ETF) einkauft, sollte zumindest das Grundkonstrukt nachvollziehen können, findet Prof. Martin Weber von der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. „Man sollte das Prinzip verstehen, aber auch Vertrauen haben”, rät der Experte.

4. Sich nach und nach Fachwissen zulegen

Aktieneinsteiger handeln klug, wenn sie sich zunächst solide Grundkenntnisse über Wertpapiere und den Kapitalmarkt aneignen und dann ihr Wissen kontinuierlich erweitern. Dabei helfen Zeitschriften und Fachbücher. Im Internet finden sich viele Tutorials zum Thema.

5. Kritisch gegenüber Gurus und Experten sein

Zwar stellt Martin Weber klar: „Ohne den Rat und die Hilfe von Experten geht es nicht.” Allerdings sollte man sich mit ihren Tipps kritisch auseinandersetzen. Bietet etwa der Mitarbeiter einer Bank im Beratungsgespräch nur hausinterne Produkte an oder lässt diese besonders vorteilhaft erscheinen, ist Misstrauen angesagt.

6. Kosten in Grenzen halten

Kauf und Verkauf von Aktien sind mit Kosten verbunden. Deren Höhe ist unterschiedlich und hängt von den Finanzinstitutionen ab, die diese Transaktionen für Anleger durchführen. Auch die Gebühren für ein Wertpapierdepot variieren zum Teil immens.

Bei Aktienfonds sind die Kosten besonders hoch, wenn ein Fondsmanager den Bestand aktiv betreut. Passiv gemanagte ETF sind in aller Regel günstiger. „Es lohnt sich in jedem Fall zu vergleichen”, betont Größl. Hilfe bieten Online-Vergleichsportale. Die Zeitschrift „Finanztest” hat in jedem Heft große Fonds-Übersichten.

„Das Kostenargument ist übrigens umso wichtiger, je öfter Anleger über das Jahr hinweg Aktien erwerben und je kleiner die jeweils investierten Beträge sind”, erklärt Größl.

7. Nicht auf Kredit kaufen

Spekulationen auf Kredit sollten Anleger unterlassen, meint Weber. Egal, ob beim Kauf von Aktien oder Fondsanteilen: Geld hierfür sollte man „übrig” haben, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Denn die Anlageformen können auch unterhalb des Kaufkurses notieren. Jedoch muss der Kredit regelmäßig bedient beziehungsweise am Ende der Laufzeit aus den Verkaufserlösen getilgt werden. „Das ist im Fall von Verlusten nur schwerlich bis gar nicht möglich”, warnt Hentschel.

Hinzu kommt, dass Anleger den Kreditzins von der Rendite abziehen müssen. „Das ist alles in allem finanziell äußerst unattraktiv”, so Hentschel. In Börsenkrisen haben Banken immer wieder den Kurseinbruch als vorzeitigen Kündigungsgrund genutzt. Ein Verkauf der Wertpapiere reicht in so einem Fall nicht aus, um den Kredit zu tilgen. „Das hat schon manchen Anleger in den Ruin getrieben”, erklärt Größl.

8. Verluste begrenzen

Verluste lassen sich begrenzen. Das geht, indem man zum Beispiel schon beim Einstieg in den Aktienmarkt festlegt, dass eine Aktie oder ein Fondsanteil automatisch verkauft wird, wenn ein bestimmter Kurs unterschritten wird.

„Aber auch die Gier ist ein großer Feind”, warnt Hentschel. Oft neigten Anleger dazu, Gewinne unter der Annahme einer konstanten Kursentwicklung hochzurechnen - und verpassen den richtigen Moment, um auszusteigen. „Auch hier sollte man sich Limits setzen.” Diese könnten durch Marktbeobachtung jederzeit wieder geändert werden.

Martin Weber
Martin Weber ist Professor an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Foto: Martin Weber
Thomas Hentschel
Thomas Hentschel ist Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Foto: Verbraucherzentrale NRW/dpa-tmn

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