Frankfurt/Main (dpa)

Der Trend zu nachhaltigen Investments

Geld machen mit Aktien von Firmen, die an Waffen, Kohle oder Tabak verdienen? Für viele Anleger kommt das nicht in Frage. Selbst große Investoren geben sich zunehmend „grün”.
Kohlekraftwerk und Windkraftanlage
Anleger investieren lieber in Windkraft als in Kohlekraftwerke. Der Trend zu nachhaltigen Geldanlagen setzt sich fort. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Für Tagesgeld gibt es kaum Zinsen, Bundesanleihen werfen nur wenig Rendite ab, zugleich steigen die Aktienkurse immer höher. Manche Anleger überlegen daher, ihr Geld an der Börse zu investieren.

Doch die Börse hat in Deutschland bei Vielen einen schlechten Ruf - die Geschäftspraktiken der Konzerne sind ihnen suspekt. Und Rendite um jeden Preis lehnen viele Menschen ab - etwa Geschäfte mit Waffen, Tabak, Gentechnik oder klimaschädlicher Kohle.

An den Finanzmärkten gewinnt der Trend zu „bewusster” Geldanlage an Fahrt. Galt sie einst als Nische für Börsen-Gutmenschen, erfasst der grüne Zeitgeist auch die von harten Zahlen dominierte Finanzwelt. Auch, weil große Namen vorangehen: So ist die Allianz schon vor längerem aus Geschäften mit Firmen ausgestiegen, die einen großen Teil ihres Umsatzes mit Kohle erzielen. Die französische BNP Paribas gibt kein Geld mehr für Projekte zum Abbau von Öl und Gas in Schiefergestein und Ölsanden, die Deutsche Bank finanziert keine Kohlekraftwerke mehr, und für den weltgrößten Staatsfonds aus Norwegen sind Rüstungs- und Tabakunternehmen tabu.

Der Dieselskandal hat zu einem Umdenken geführt

Auch politisch steigt der Druck. Auf der Bonner Weltklimakonferenz vereinbarten mehrere Staaten eine Allianz für den Kohleausstieg. Die Mechanismen der Börse tun ihr übrigens: Aktien von Autobauern oder Kohlefirmen werden mit einem Abschlag gehandelt, da ihnen Anleger den Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität nicht zutrauen und eine schärfere CO2-Regulierung fürchten. „Nachhaltige Investments sind bei Großanlegern in der Breite angekommen”, sagt Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, einem der Vorreiter bei dem Thema.

Bei nachhaltigen Investments stehen aber nicht nur karitative Motive im Vordergrund. Der Dieselskandal bei VW, der die Aktie des Autobauers einbrechen ließ, habe zu einem Umdenken geführt, sagt Speich. „Er hat gezeigt, dass sich gute Unternehmensführung und sauberes Wirtschaften auszahlen.” Immer mehr Großanleger wollten mit nachhaltigen Anlagen Klagerisiken ausschließen, etwa gegen Atom- und Tabakfirmen. Viele filterten ihre Portfolios mit Nachhaltigkeitskriterien, um mögliche Gefahren zu identifizieren. Und manche Investoren polieren mit grünem Anstrich schlicht ihr Image.

Auch Privatanleger können immer leichter „sauber” investieren. Das Angebot nachhaltiger Fonds hierzulande ist laut der Analysefirma Scope auf mehr als 430 gestiegen. Allein seit 2015 seien 90 neue, meist Aktienfonds dazugekommen. Bei der Auswahl ihrer Investments achten die Fondsmanager häufig auf Kriterien wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung, auf Englisch abgekürzt ESG.

Markt für Privatanleger ist noch ausbaufähig

Die meisten nachhaltigen Fonds schließen Firmen aus, die mit Waffen Geschäfte machen, gefolgt von Suchtmitteln wie Tabak und Alkohol sowie Kernkraft. Auch Konzerne, die Arbeits- und Menschenrechte verletzen, Gentechnik einsetzen oder mit Pornografie verdienen, landen auf der roten Liste. Andere Fonds investieren in die Besten einer Branche in Sachen Soziales oder Umwelt.

Der Markt für Privatanleger ist aber noch klein. In Publikumsfonds wird in Deutschland gut eine Billion Euro verwaltet, doch nur 18 Milliarden Euro entfallen auf solche, die der deutsche Fondsverband BVI als nachhaltig einstuft - ein Anteil von unter 2 Prozent. Doch beim Neugeschäft zeigt der Trend nach oben.

„ESG-Anlagen gewinnen an Dynamik”, sagt Michael Lewis, der die Forschung zu nachhaltigen Anlagen bei der Fondstochter der Deutschen Bank leitet.

Entgegen mancher Vorurteile bedeutet nachhaltiges Investieren aber nicht gleich Renditeverzicht. Zwischen herkömmlichen und sauberen Aktienfonds ließen sich über drei Jahre Laufzeit kaum Leistungsunterschiede messen, ergab eine Studie von Scope. Nachhaltige Fonds erzielten gar eine leicht höhere Rendite. „Eine Entscheidung zwischen gutem Gewissen und Rendite gibt es also nicht.”

Nicht blind dem Etikett „nachhaltig” vertrauen

Zu einem ähnlichen Urteil kam die Universität Kassel 2014. Sie nahm 35 Analysen über die Leistung von nachhaltigen Fonds verglichen mit herkömmlichen unter die Lupe. Davon konnten 15 Studien keinen Unterschied in der Wertentwicklung feststellen, 6 konstatierten eine schlechtere Leistung nachhaltiger Fonds, aber 14 eine bessere.

Verbraucher sollten allerdings nicht blind Fonds mit dem Etikett „nachhaltig” vertrauen. „Es gibt keinen verlässlichen gesetzlichen Mindeststandard für ethisch-ökologische Fonds”, warnt die Verbraucherzentrale Bremen. Anleger kämen nicht drum herum, sich Fonds genau anzuschauen.

Rückblick

  1. Zwölf Monate Abrechnungsfrist auch bei Geschäftsräumen
  2. Nachhaltigkeit hat viele Facetten
  3. Billiges Heizöl löst Kaufrausch bei Verbrauchern aus
  4. Sandkasten im Garten darf andere Mieter nicht zu sehr stören
  5. Welche Einschränkungen wären wegen Corona noch denkbar?
  6. Der Pandemie kann man nicht entkommen
  7. Warum Bank-Analytics praktisch sind
  8. Warum die Altpapier-Entsorgung bald teurer werden könnte
  9. Welche Nebenkosten-Fristen gelten für wen?
  10. Wie Anleger mit Kollaps-Prognosen umgehen sollten
  11. Woran Sie unseriöse Schlüsseldienste erkennen
  12. Was man zum Thema Betreuung wissen sollte
  13. Nachlassgericht zweifelt festgestellte Vaterschaft nicht an
  14. Braucht man Notvorräte in Corona-Zeiten?
  15. So lässt sich Ordnung ins Depot bringen
  16. Bienenhaltung auf Balkon braucht Zustimmung des Vermieters
  17. Wie Kunst versichert werden kann
  18. Mieter darf Hund nicht unerlaubt frei laufen lassen
  19. Wann Mieter Kleinreparaturen übernehmen müssen
  20. Mieter müssen nicht automatisch für Wachdienst zahlen
  21. Gutes Geld für alte Schätze
  22. Lohnt sich Festgeld als Kombiprodukt?
  23. Auf diese Fehler müssen Mieter achten
  24. Schönheitsreparaturen auch in möblierten Wohnungen
  25. Für Untervermietung muss es berechtigtes Interessen geben
  26. Frugalisten halten stets die Ausgaben im Auge
  27. Ist die Risikolebensversicherung sinnvoll oder überflüssig?
  28. Umwandlung in Eigentumswohnung: Mieter haben Vorkaufsrecht
  29. An Karneval müssen Nachbarn toleranter sein
  30. Die Luxusuhr als Renditeobjekt
  31. Wie sich Zeugen für den Prozesstermin vorbereiten können
  32. Von ungeliebten Lebensversicherungen trennen
  33. Kleinstreparaturen können auf Mieter übertragen werden
  34. Berliner Testament: Den Partner richtig absichern
  35. Verbraucher bei Bonpflicht gespalten
  36. Keine Angst vor der Börse: „Man muss das Risiko erkennen”
  37. Kosten für Handwerker und Co. sparen Steuern
  38. Kosten für Handwerker und Co. sparen Steuern
  39. So funktionieren Geldgeschäfte ohne Smartphone
  40. Mieter dürfen Fahrrad durch das Treppenhaus tragen
  41. Dürfen Vermieter das Abstellen von Rädern untersagen?
  42. Woran Unverheiratete vor Geburt ihres Kindes denken müssen
  43. Lohnt eine BU-Versicherung für Kinder?
  44. Wachdienst-Kosten nicht ohne weiteres auf Mieter umlegbar
  45. Immer mehr Menschen besitzen eine Schreckschusspistole
  46. Recht bekommen auch mit wenig Geld
  47. Schatzmeister hüten im Verein das Geld
  48. Warum im Netz immer mehr Marktplätze entstehen
  49. Einkommensschwache beantragen Wohngeld
  50. Keine Steuervorteile durch Erststudium

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Aktien
  • Aktienfonds
  • Deutsche Bank
  • Finanzen
  • Fondsmanager
  • Investmentfonds
  • Michael Lewis
  • Privatanleger
  • Rendite
  • Union Asset Management Holding AG
  • Universität Kassel
  • Unternehmensführung
  • VW
  • Verbraucherzentralen
  • Waffen
  • Wertpapierbörsen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!