Ludwigshafen

Im Pfandleihhaus trifft sich die ganze Gesellschaft

Pfandleihhaus       -  Bernd Barz, Filialleiter des »City Leihhaus«, überprüft im Pfandleihhaus mit einer Lupe eine Uhr der Marke »Rolex«.
Bernd Barz, Filialleiter des »City Leihhaus«, überprüft im Pfandleihhaus mit einer Lupe eine Uhr der Marke »Rolex«. Foto: Uwe Anspach/dpa

Viele halten ihn für einen geheimnisumwitterten Beruf in juristischer Grauzone - über solche Mythen kann Bernd Barz aber nur lächeln. „Geheimnisvoll ist da gar nichts. Das ist normales Pfandkreditgewerbe, und das ist vom Gesetzgeber auch so gewollt”, sagt der 55-Jährige.

Barz leitet das Pfandleihhaus an der gesperrten Hochstraße Süd in Ludwigshafen. Wer Bares braucht, aber keinen Bankkredit aufnehmen will, kann Wertvolles ins Pfandleihhaus bringen. Rund 250 davon gibt es in Deutschland.

Banker mit Zusatzqualifikation

„Wir sehen uns als Banker mit Zusatzqualifikation auf sozialer Ebene”, sagt Barz. Der Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Pfandkreditgewerbes , Wolfgang Schedl, fügt hinzu: „Seit Anfang des Jahres belebt sich das Geschäft.” Es gebe mehr Kunden. Dabei verweist Schedl auch auf den gestiegenen Goldpreis.

Ein Blick ins Lager zeigt, dass der gebürtige Kuseler Barz trotzdem keinen gewöhnlichen Beruf hat. Von Uhren über Goldschmuck bis zu Telefonen und Spielkonsolen, alles gut gesichert und penibel archiviert - mit Datum, Namen und geliehener Summe. „Das Mobiltelefon hat die Armbanduhr mittlerweile als Statussymbol abgelöst”, erzählt Barz. Bei den Handys sei er recht sicher, dass sie wieder eingelöst würden. „Manche habe da ihr ganzes Leben drin.” Auch Spielekonsolen für Computer hätten stark zugenommen. „Eine Playstation ist heute eine harte Währung”, sagt der Filialleiter.

„Wir nehmen nicht alles an”, sagt Barz' Kollegin Doris Schmidt.

Tiere, Waffen, Pelze oder Teppiche würden abgewiesen. „Täglich kommen zwischen 20 und 40 Menschen, um das Monatsende herum mehr, wenn das Geld knapp wird. Da hatten wir auch schon mal mehr als 100 Leute am Tag”, berichtet die Goldschmiedemeisterin. Und wer kommt? „Das ist ein breites Spektrum”, sagt Schmidt. Der Handwerker, der schnell eine Rechnung bezahlen müsse oder ärmere Menschen, die Geld für den Alltag brauchten. Auch viele Menschen mit Migrationshintergrund sind darunter. „In manchen Kulturen ist das Pfandleihgewerbe völlig normal”, sagt Schmidt.

Das Image unseriöser Hinterhofgeschäfte sei die Branche los, meint sie. „Das liegt auch daran, dass immer mehr Menschen unsere Leistungen in Anspruch nehmen.” Pfandleihe sei ein Gewerbe, das auf Diskretion, Transparenz und Vertrauen beruhe.

Vier Monate im Leihhaus

Vier Monate lang kann das Pfand im Leihhaus bleiben, so bestimmt es das Gesetz - in Absprache auch länger. „Wir können aber nicht sagen: Die Zeit ist ausgelaufen, das gehört jetzt uns”, sagt Barz. „Solange es beliehen ist, ist es nicht unser Besitz.” Wird der Gegenstand nicht abgeholt, wandert er in eine Auktion. Vom Erlös steht dem Eigentümer ein Teil zu. Der unbürokratische Kredit hat seinen Preis. Monatlich fällt ein Prozent Zinsen an, hinzu kommen Gebühren. Der Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes teilte für 2015 mit, damals seien im Jahr rund eine Million Gegenstände verpfändet worden. Neuere Zahlen oder Länderzahlen gibt es noch nicht.

Grundsätzlich können Kunden alles beleihen lassen, was beweglich ist. Hoch im Kurs stehen auch Designerhandtaschen und Markenporzellan. Für Elektrogeräte wie Mobiltelefone, Computer oder Fernseher gibt es nicht immer viel Geld. Grund ist der schnelle Wertverfall. Ein Großteil der Menschen bringt Schmuck. Wie viel Geld es etwa für eine Goldkette gibt, richtet sich üblicherweise nach dem tagesaktuellen Edelmetallpreis. Für andere Gegenstände gilt: Der Betrag hängt unter anderem vom Wiederverkaufswert ab - diesen schätzt das Pfandleihhaus. Mittlerweile bieten Pfandleiher ihre Dienste auch im Internet an.

Mit Geschäftsführer Ulrich Kohlmetz leitet Barz außer in Ludwigshafen auch ein Pfandleihhaus in Landau. Was reizt ihn daran? „Ich liebe die Flexibilität und Vielseitigkeit”, erzählt der gelernte Diamantgutachter. Mehr noch als den Gegenstand taxiert Barz durch die große kugelsichere Scheibe auch den Überbringer. „Man prüft: Ist das jemand, der den Gegenstand auch wieder abholt? Zum Glück haben wir viel Stammkundschaft, die ist zuverlässig.” Auseinandersetzungen gebe es selten. „Wir hatten einmal ein Pärchen, das sich vor dem Fenster gestritten hat. Aber sonst läuft es eigentlich ruhig ab.”

Keine Bonitätsprüfung

Anders als bei der Bank gibt es beim Pfandleiher keine Bonitätsprüfung. Kunden müssen neben dem Wertgegenstand nur ihren Ausweis vorzeigen - schon gibt es Geld. Das durchschnittliche Darlehen liegt dem Zentralverband zufolge bei rund 300 Euro. Und wie ist es mit Betrugsversuchen - etwa durch eine gefälschte Markenuhr oder unechten Goldschmuck? „Das passiert zum Glück selten”, sagt Barz. „Und ich kann garantieren: mit nur geringen Erfolgsaussichten.”

Rückblick

  1. Mieter haben keinen Anspruch auf Klimaanlage
  2. Geschlossene Fonds setzen Erfahrung voraus
  3. So wird die Versicherungssumme ermittelt
  4. Ein Jahr solidarisches Grundeinkommen in Berlin
  5. Mietverträge enthalten oft unzulässige Klauseln
  6. Wo Verbraucher den Rotstift ansetzen können
  7. Dürfen Händler auf Kartenzahlung bestehen?
  8. Wohnungstausch nur mit Zustimmung des Vermieters
  9. Berufsunfähigkeit: Alternative Versicherungen bergen Risiken
  10. Sparer dürfen nicht auf Sicherheit vertrauen
  11. Wenn das Handy die Ladenkasse ersetzt
  12. Aufzug muss rund um die Uhr betriebsbereit sein
  13. Für Wohnen auf Zeit gelten klare Regeln
  14. Was Pfandleiher von Banken unterscheidet
  15. Offene Immobilienfonds: Unsichere Aussichten durch Corona
  16. Wer Anspruch auf Kinderzuschlag hat
  17. Krankenkasse darf nicht nur fürs Fitnessarmband zahlen
  18. Was Mieter für den Hausmeister zahlen müssen
  19. Für Wohnungseigentümer gibt es bei Balkonbepflanzung Grenzen
  20. Was Mieter bei Ungeziefer im Haus machen sollten
  21. Mieter und Vermieter sollen sich das Renovieren teilen
  22. Wie Kinder den Umgang mit Geld lernen
  23. Welche Rechte haben Erben?
  24. Was Anleger aus dem Fall Wirecard lernen können
  25. So kommen Eltern zum Elterngeld
  26. Wie Verbraucher das passende Konto finden
  27. Teils lange Verjährungsfrist bei Schaden nach Renovierung
  28. Wie Verbraucher vom Juli an sparen können
  29. Zur Baufinanzierung per Videokonferenz
  30. Mieter müssen bei längerer Abwesenheit für Wohnung sorgen
  31. Mieter darf entscheiden, ob Fotos der Wohnung gemacht werden
  32. Gartenpflege kann Aufgabe der Mieter sein
  33. Was Mieter beim Auszug beachten müssen
  34. Welche Betriebskosten Vermieter umlegen dürfen
  35. Keine Pflicht zum Abschließen der Haustür
  36. Starkes Hundegebell kann Kündigung rechtfertigen
  37. Depressive Erkrankung entschuldigt keinen Verzug bei Miete
  38. Untervermietung nur mit Erlaubnis des Vermieters
  39. Darf der Vermieter die Bepflanzung bestimmen?
  40. Neue Wohnung nicht nur per Video besichtigen
  41. Planschbecken sind unter Einhaltung von Regeln meist erlaubt
  42. Mietrecht kennt kein Gewohnheitsrecht
  43. Sichtschutz nur mit Zustimmung des Vermieters
  44. Eigenbedarfskündigung auch für Ferienwohnung möglich
  45. Wann Hüpfen und Springen in der Wohnung erlaubt sind
  46. Wie Anleger von Trends profitieren können
  47. Wann lohnt eine Rechtsschutzversicherung?
  48. Welche Policen Ehrenamtler benötigen
  49. Warum das Haushaltsbuch auch heute noch hilft
  50. Wie werden sich die Märkte nach Corona erholen?

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Armbanduhren
  • Bankenmanager
  • Bars
  • Bonitätsprüfungen
  • Computer
  • Elektrische Geräte und Maschinen
  • Fernsehgeräte
  • Finanzen
  • Handwerker
  • Kunden
  • Spielkonsolen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!