Berlin/Karlsruhe

Keine Steuervorteile durch Erststudium

Studenten
Studenten sitzen in der Universität Heidelberg bei der Begrüßung der Erstsemster-Studenten in einem Hörsaal. Foto: Uwe Anspach/dpa

Fachbücher, Kopierkosten, Semesterbeiträge und das WG-Zimmer - ein Studium kann für junge Menschen ganz schön teuer werden. Unter bestimmten Umständen können sie sich einen Teil der Ausgaben über die Steuererklärung zurückholen.

Doch das gilt nur in besonderen Fällen und lange nicht für alle. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom Freitag ist diese Unterscheidung rechtens. Für die meisten Studenten und viele Auszubildende wird es sich weiterhin nicht lohnen, eine Steuererklärung zu machen.

Worum geht es?

Kosten für ein Erststudium oder eine erstmalige Berufsausbildung können in der Steuererklärung in der Regel nicht als Werbungskosten abgesetzt werden, Kosten für eine zweite Ausbildung aber schon. Der Bundesfinanzhof, das höchste deutsche Steuergericht, sah darin einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz. Deshalb legte er im Jahr 2014 sechs Fälle dem Bundesverfassungsgericht vor. Die Argumentation: Studienkosten seien auch im Erststudium eine Investition in die eigene Karriere und müssten deshalb als Werbungskosten gelten. Schließlich dienten sie letztlich „der Erzielung einkommensteuerpflichtiger Einkünfte”, schafften also Steuerzahler.

Wie entschied das Verfassungsgericht?

Das Karlsruher Gericht sah keinen Grund für eine Änderung. Die erste Ausbildung oder das Erststudium unmittelbar nach dem Schulabschluss vermittelten nicht nur Berufswissen, sondern prägten die jungen Menschen in ihrer Persönlichkeit, entschieden die Richter. Studenten könnten Begabungen und Fähigkeiten entwickeln, die „nicht zwangsläufig für einen künftigen konkreten Beruf notwendig sind”. Außerdem gebe es viele Studiengänge, die gar nicht gezielt auf einen Beruf vorbereiteten - und viele Berufe, für die es nicht auf ein bestimmtes Studium ankomme. Die Ausbildung diene also zu viel mehr als nur dazu, einen Beruf zu ergreifen und (steuerpflichtiges) Geld zu verdienen.

Welche Regelung gilt nun weiterhin?

Laut Einkommenssteuergesetz kann man Aufwendungen für eine Berufsausbildung oder ein Studium dann als Werbungskosten geltend machen, wenn man bereits eine andere Ausbildung oder ein anderes Studium erfolgreich abgeschlossen hat. Das funktioniert auch, wenn man während des Studiums noch gar keine Steuern zahlt - der Bonus wird eingelöst, wenn das erste Mal Steuern anfallen. Einen Höchstbetrag gibt es nicht. Umstritten ist noch, ob ein Masterstudium nach abgeschlossenem Bachelorstudium als Zweitausbildung gilt.

Kann man im Erststudium dann gar nichts geltend machen?

Doch, aber das bringt nur wenigen Vorteile. Die Kosten für das erste Studium oder die erste Ausbildung können als Sonderausgaben abgesetzt werden. Das geht aber nur bis zu einer Höhe von 6000 Euro und nur, wenn man bereits Steuern zahlt - etwa wegen eines lukrativen Nebenjobs. Anders sieht es aus im Referendariat, in einer Lehre oder einem dualen Studium. Wenn die Erstausbildung „im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet” - meist, wenn man währendessen ein Gehalt bekommt - gelten die Auslagen doch als Werbungskosten.

Um welche Art Ausbildungskosten geht es?

Die Liste ist lang - von Ausgaben für eine Bewerbung um den Ausbildungsplatz bis hin zu Druckkosten für die Abschlussarbeit. Dazu kommen Semesterbeiträge, Prüfungsgebühren, die Zinsen für einen Studienkredit, mitunter Miete für das WG-Zimmer - wenn man am Studienort mit Zweitwohnsitz gemeldet ist. Auch sämtliche Quittungen für Fahrtkosten zur Uni, Fachbücher, Laptops und Druckerpapier könnten eingereicht werden.

Rückblick

  1. Schönheitsreparaturen auch in möblierten Wohnungen
  2. Für Untervermietung muss es berechtigtes Interessen geben
  3. Frugalisten halten stets die Ausgaben im Auge
  4. Ist die Risikolebensversicherung sinnvoll oder überflüssig?
  5. Umwandlung in Eigentumswohnung: Mieter haben Vorkaufsrecht
  6. An Karneval müssen Nachbarn toleranter sein
  7. Die Luxusuhr als Renditeobjekt
  8. Wie sich Zeugen für den Prozesstermin vorbereiten können
  9. Von ungeliebten Lebensversicherungen trennen
  10. Kleinstreparaturen können auf Mieter übertragen werden
  11. Berliner Testament: Den Partner richtig absichern
  12. Verbraucher bei Bonpflicht gespalten
  13. Keine Angst vor der Börse: „Man muss das Risiko erkennen”
  14. Kosten für Handwerker und Co. sparen Steuern
  15. Kosten für Handwerker und Co. sparen Steuern
  16. So funktionieren Geldgeschäfte ohne Smartphone
  17. Mieter dürfen Fahrrad durch das Treppenhaus tragen
  18. Dürfen Vermieter das Abstellen von Rädern untersagen?
  19. Woran Unverheiratete vor Geburt ihres Kindes denken müssen
  20. Lohnt eine BU-Versicherung für Kinder?
  21. Wachdienst-Kosten nicht ohne weiteres auf Mieter umlegbar
  22. Immer mehr Menschen besitzen eine Schreckschusspistole
  23. Recht bekommen auch mit wenig Geld
  24. Schatzmeister hüten im Verein das Geld
  25. Warum im Netz immer mehr Marktplätze entstehen
  26. Einkommensschwache beantragen Wohngeld
  27. Keine Steuervorteile durch Erststudium
  28. Was Sie zum Kleinen Waffenschein wissen sollten
  29. Privatinsolvenz befreit von Schulden
  30. Automatisch zum besten Stromtarif
  31. Mietwohnungen brauchen einen Briefkasten
  32. Inflation dürfte sich abgeschwächt haben
  33. Sammler zahlen für seltene Münzen
  34. Was bleibt 2020 im Portemonnaie?
  35. Was ändert sich für Verbraucher 2020?
  36. Spartipps für die Hochzeit
  37. Internationale Trauungen in Deutschland
  38. Macht Kündigen leichter
  39. Mülltrennung ist Aufgabe der Mieter
  40. Was bringt die Musterfeststellungsklage?
  41. Warum eine Steuererklärung Azubis mehr Geld bringt
  42. Haustierbesitzer müssen für Schäden meist selbst aufkommen
  43. Keine Mieterhöhung bei sittenwidriger Abrechnung
  44. Mit fünf Tipps vor Jahresende Steuern sparen
  45. Wie viel Silvesterparty ist drin?
  46. Händler verzichten auf Silvesterböller
  47. Die drei Fragezeichen und die Gesundheitsmilliarden
  48. Was sich 2020 für Steuerzahler ändert
  49. Mythen ums Schenken im Realitäts-Check
  50. Was die Bonpflicht für Händler und Verbraucher bedeutet

Schlagworte

  • Beruf und Karriere
  • Bundesfinanzhof
  • Bundesverfassungsgericht
  • Finanzen
  • Grundgesetz
  • Steuererklärungen
  • Steuern und staatliche Abgaben
  • Steuerpflicht
  • Steuervorteile
  • Studentinnen und Studenten
  • Urteile des Bundesverfassungsgerichts
  • Verfassungsgerichte
  • Werbungskosten
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!