Berlin (dpa/tmn)

Vorsorge-Ausgaben: Welche Kosten das Finanzamt anerkennt

Wie jedes Jahr steht bis Ende Mai die Einkommensteuererklärung an. Wer seine Vorsorgeaufwendungen geltend macht, mindert seine Steuerschuld - und spart so Geld.
Ausgaben für die Vorsorge - Anlage AV       -  Auch Ausgaben für die Altersvorsorge mindern die Steuerlast. Dafür müssen Steuerzahler die Anlage AV ausfüllen. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Auch Ausgaben für die Altersvorsorge mindern die Steuerlast. Dafür müssen Steuerzahler die Anlage AV ausfüllen. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Es ist wieder so weit: Die Steuererklärung für das zurückliegende Jahr muss ausgefüllt werden. Dabei gilt: „Es lohnt sich in jedem Fall, Aufwendungen für die Vorsorge detailliert anzugeben”, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Wer etwa einen Riester-Vertrag abgeschlossen hat, muss die Anlage AV der Steuererklärung ausfüllen. Alle weiteren Vorsorgeaufwendungen werden in der Anlage Vorsorgeaufwand eingetragen. Für 2016 berücksichtigt der Fiskus stärker als bisher die gezahlten Beiträge zur Altersvorsorge. Im Gegenzug erhöht sich allerdings der steuerpflichtige Anteil der späteren Rente. Für Alleinstehende liegt der Höchstbetrag, den sie in ihrer Steuererklärung für 2016 für die Altersvorsorge geltend machen können, bei 22 767 Euro, für Ehepaare beziehungsweise eingetragene Lebenspartner bei 45 534 Euro. Bei Arbeitnehmern wird der Arbeitgeberbeitrag auf den Höchstbetrag mit angerechnet. Von diesen Höchstbeträgen können Steuerpflichtige für 2016 maximal 82 Prozent ihrer Aufwendungen absetzen.

Konkret heißt das für die Steuererklärung: Alleinstehende können für ihre Beiträge zur Altersvorsorge Sonderausgaben bis zu 18 669 Euro und Ehepaare beziehungsweise eingetragene Lebenspartner bis zu 37 338 Euro steuerlich geltend machen. „Einzutragen sind die Gesamtbeträge, die Kürzung auf 82 Prozent nimmt das Finanzamt automatisch vor”, erklärt Uwe Rauhöft vom BVL Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine.

„Bei Arbeitnehmern, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, wird allerdings der steuerfreie Arbeitgeberanteil von den Vorsorgeaufwendungen abgezogen”, so Klocke. Bei Beamten wird laut Rauhöft der Höchstbetrag sogar um einen fiktiven Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil gekürzt. Zu den Vorsorgeaufwendungen zählen neben den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung auch die zu berufsständischen Versorgungswerken sowie die Rürup-Renten. Darauf weist Franz Plankermann hin, erster Vorsitzender des Steuerberaterverbands Düsseldorf.

„In die Anlage Vorsorgeaufwand werden die Aufwendungen, die der Arbeitnehmer tatsächlich hatte, in die Zeilen vier bis zehn eingetragen”, erklärt Rauhöft. Voll von der Steuer abgesetzt werden können nach seinen Angaben auch die Beiträge zur sogenannten Basiskrankenversicherung. Sie entspricht der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. „Beiträge für eine darüber hinausgehende Versorgung wie etwa Chefarztbehandlung oder Einbettzimmer im Krankenhaus gehören nicht dazu”, ergänzt Klocke.

Weil gesetzlich Krankenversicherte einen Anspruch auf Krankengeld haben, wird ihr abzugsfähiger Beitrag um vier Prozent vermindert. Auch Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung können steuerlich voll geltend gemacht werden. Private und gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge werden in dem Formular Anlage Vorsorgeaufwand in den Zeilen 12 bis 45 eingetragen.

Alle Beiträge, die über die gesetzliche Pflegeversicherung und die Basiskrankenversicherung hinausgehen, fallen unter „sonstige Vorsorgeaufwendungen”. Das ist zum Beispiel die Zahn-Zusatzversicherung oder die Chefarztbehandlung. Unter „sonstige Vorsorgeaufwendungen” fallen aber auch die Arbeitslosen-, die Haftpflicht- und die Unfallversicherung sowie die klassische Lebensversicherung mit Abschluss vor 2005.

Die Beiträge für „sonstige Vorsorgeaufwendungen” sind aber nur begrenzt absetzbar. Der Höchstbetrag liegt bei 1900 Euro für Angestellte und Beamte sowie bei 2800 Euro für Selbstständige. Eingetragen werden die Beiträge in den Zeilen 46 bis 52 im Formular „Anlage Vorsorgeaufwand”. „Wer seine Steuererklärung selbst erstellt, sollte die Berechnung und die Höchstbeiträge für Vorsorgeaufwendungen beachten”, sagt Rauhöft. Dabei kann eine Software helfen.

Literatur:

Hans W. Fröhlich: „Steuererklärung 2016/2017 - Arbeitnehmer und Beamte”, Stiftung Warentest 2016, 269 Seiten, 14,90 Euro, ISBN-13: 978-3-86851-392-9

Rückblick

  1. Mieter und Vermieter sollen sich das Renovieren teilen
  2. Wie Kinder den Umgang mit Geld lernen
  3. Welche Rechte haben Erben?
  4. Was Anleger aus dem Fall Wirecard lernen können
  5. So kommen Eltern zum Elterngeld
  6. Wie Verbraucher das passende Konto finden
  7. Teils lange Verjährungsfrist bei Schaden nach Renovierung
  8. Wie Verbraucher vom Juli an sparen können
  9. Zur Baufinanzierung per Videokonferenz
  10. Mieter müssen bei längerer Abwesenheit für Wohnung sorgen
  11. Mieter darf entscheiden, ob Fotos der Wohnung gemacht werden
  12. Gartenpflege kann Aufgabe der Mieter sein
  13. Was Mieter beim Auszug beachten müssen
  14. Welche Betriebskosten Vermieter umlegen dürfen
  15. Keine Pflicht zum Abschließen der Haustür
  16. Starkes Hundegebell kann Kündigung rechtfertigen
  17. Depressive Erkrankung entschuldigt keinen Verzug bei Miete
  18. Untervermietung nur mit Erlaubnis des Vermieters
  19. Darf der Vermieter die Bepflanzung bestimmen?
  20. Neue Wohnung nicht nur per Video besichtigen
  21. Planschbecken sind unter Einhaltung von Regeln meist erlaubt
  22. Mietrecht kennt kein Gewohnheitsrecht
  23. Sichtschutz nur mit Zustimmung des Vermieters
  24. Eigenbedarfskündigung auch für Ferienwohnung möglich
  25. Wann Hüpfen und Springen in der Wohnung erlaubt sind
  26. Wie Anleger von Trends profitieren können
  27. Wann lohnt eine Rechtsschutzversicherung?
  28. Welche Policen Ehrenamtler benötigen
  29. Warum das Haushaltsbuch auch heute noch hilft
  30. Wie werden sich die Märkte nach Corona erholen?
  31. Konflikte ohne Richter beilegen
  32. Warum Singles ein Testament brauchen
  33. Riestern mit spitzem Bleistift
  34. Was taugen Lebensversicherungen als Altersvorsorge?
  35. Wann sich der Altersentlastungsbetrag auszahlt
  36. Versicherungen: Welche Policen Senioren wirklich brauchen
  37. Diese Anleger-Strategie lohnt auch in Krisen
  38. So kommen Robo-Advisor durch die Krise
  39. Wann sich eine Zahnzusatzversicherung lohnt
  40. Bei Baudarlehen nicht nur auf Zinshöhe achten
  41. Wie Sonderzahlungen Renten-Abzüge ausgleichen
  42. Video-Überwachung im Haus meist nicht zulässig
  43. Mieter können bei Vogellärm keine Baumfällung verlangen
  44. Großer Andrang bei Goldhändlern in Corona-Zeiten
  45. Die Lockerungen aus Verbrauchersicht
  46. Rauchmelderwechsel kann in Corona-Krise warten
  47. Gute Geldanlage beginnt im Kopf
  48. Mieter kann Anspruch auf Schadenersatz haben
  49. Patientenverfügung klar formulieren
  50. Schützt eine Stop-loss-Order vor Verlusten?

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Bund der Steuerzahler
  • Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
  • Einkommensteuererklärungen
  • Finanzen
  • Finanzämter
  • Lohnsteuerhilfevereine
  • Steuererklärungen
  • Steuerschulden
  • Stiftung Warentest
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!