Berlin/Bremen

Wie weit komme ich mit 100 Euro im Monat?

Sparen mit wenig Geld
Es müssen nicht immer große Beträge auf einen Schlag sein: Wer jahrelang regelmäßig 100 Euro spart, kann später beachtliche Summen zur Verfügung haben. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Man kann nie früh genug mit Sparen anfangen. Diesen Satz hat wohl jeder schon zu hören bekommen - und er hat einen wahren Kern. Denn Zeit und Ausdauer sind bei der Anlage wichtige Faktoren, um am Ende möglichst viel Geld anzuhäufen.

Das gilt auch, wenn man im Monat nur einen eher kleinen Betrag zurücklegen kann, beispielsweise 100 Euro. „Auch damit lässt sich, gerade wenn man auf Dauer spart, eine Menge erreichen”, sagt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. Gerade bei der Altersvorsorge spare man über Jahrzehnte, so der Finanzexperte. „Je früher Verbraucher damit anfangen, umso besser.”

Denn dann kommt der Zinseszinseffekt länger zum Tragen. Gemeinsam mit dem angelegten Kapital werden die jährlichen Zinserträge verzinst. Ein Beispiel: Wer über 30 Jahre hinweg 100 Euro im Monat zurücklegt, hat bei einer jährlichen Rendite von 3 Prozent ein Endkapital von gut 58.000 Euro. Er hat insgesamt 36.000 Euro eingezahlt und gut 22.000 Euro Zinsen eingefahren. Zahlt man den monatlichen Betrag fünf Jahre länger zu dieser Verzinsung ein, liegt das Endkapital schon bei gut 73.700 Euro.

Anleger sollten Inflation nicht unterschätzen

Die Rendite der Anlage ist ein weiterer wichtiger Faktor für Verbraucher. Sie sollte die Inflationsrate ausgleichen - und im Idealfall sogar deutlich über ihr liegen. Diese Sicht vertritt Saidi Sulilatu vom Verbraucherportal „Finanztip.de”. In einem Online-Video rund um Inflation und den Zinseszinseffekt sagt er: „Die schleichende Inflation ist deshalb so gefährlich, weil wir sie in unserem Alltag nicht berücksichtigen und in der Regel auch nicht bei unserem Anlageverhalten.”

Doch bei Modellrechnungen sollte man die Inflationsrate einkalkulieren, wie Sulilatu an einem Beispiel erläutert. Er nimmt dafür eine durchschnittliche Inflation von 2 Prozent pro Jahr an. Wer 200 Euro pro Monat bei 5 Prozent jährlichem Zins über einen Zeitraum von 35 Jahren anlege, habe bei 84.000 Euro eingezahltem Vermögen ein Endkapital von 222.000 Euro. Ziehe man 2 Prozent jährliche Inflation ab, blieben real 147.000 Euro - ein Verlust von 73.000 Euro.

An der Börse lockt die Rendite

Aber wo gibt es heute 5 Prozent Rendite? Die kann es an der Börse geben, etwa bei Aktien und börsengehandelten Indexfonds (ETF). Nach Sulilatus Einschätzung ist das in heutigen Niedrigzinszeiten fast die einzige Möglichkeit, um eine Rendite zu erzielen, die deutlich über der Inflationsrate liegt.

Doch die Anlage sollte nicht zuerst mit Blick auf attraktive Renditen ausgewählt werden, rät Prof. Ingrid Größl. „Man muss sich am Anfang fragen, wofür man sparen will”, sagt die Forschungsdirektorin für Volkswirtschaftslehre beim Institut für Finanzdienstleistungen in Hamburg.

Wer etwa einen Sicherheitspuffer anspart, muss jederzeit vorbereitet sein, Zahlungen zu leisten. Das bedeutet, dass bestimmte Anlageformen nicht in Frage kommen - Aktien zum Beispiel. „Deren Kurs kann sich jeden Tag ändern. So kann es passieren, dass man zur Unzeit verkaufen muss, wenn man plötzlich Geld benötigt.” Statt schöner Rendite steht hier schlimmstenfalls Verlust. In dem Fall landen die monatlichen Sparbeträge deshalb besser auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto.

Wer kann, sollte den Betrag aufstocken

Für langfristige Geldanlagen rät Mai zu breit gestreuten ETFs. „Gerade als Sparplan sind sie eine der günstigsten Varianten und können das Risiko durch breite Streuung minimieren.” Und wer nicht sicher weiß, ob er doch mal an einen Teil des Angesparten heranmuss, legt einen Teil des monatlichen Sparbetrages auf ein Tagesgeldkonto.

Immer gilt aber: Ein ganz wesentlicher Faktor neben Zeitraum, Gebühren oder Verzinsung sind natürlich die Anlagebeträge. 100 Euro im Monat sind ein Anfang. Wächst der finanzielle Spielraum, empfiehlt es sich, den Betrag aufzustocken. Ein letztes Beispiel verdeutlicht den Effekt: Wer bei einer jährlichen Rendite von 5 Prozent 30 Jahre lang jeden Monat 100 Euro anlegt, hat am Ende knapp 81.900 Euro angehäuft. Bei 200 Euro wäre es das Doppelte: gut 163.800 Euro.

Rückblick

  1. So funktionieren Geldgeschäfte ohne Smartphone
  2. Mieter dürfen Fahrrad durch das Treppenhaus tragen
  3. Dürfen Vermieter das Abstellen von Rädern untersagen?
  4. Woran Unverheiratete vor Geburt ihres Kindes denken müssen
  5. Lohnt eine BU-Versicherung für Kinder?
  6. Wachdienst-Kosten nicht ohne weiteres auf Mieter umlegbar
  7. Immer mehr Menschen besitzen eine Schreckschusspistole
  8. Recht bekommen auch mit wenig Geld
  9. Schatzmeister hüten im Verein das Geld
  10. Warum im Netz immer mehr Marktplätze entstehen
  11. Einkommensschwache beantragen Wohngeld
  12. Keine Steuervorteile durch Erststudium
  13. Was Sie zum Kleinen Waffenschein wissen sollten
  14. Privatinsolvenz befreit von Schulden
  15. Automatisch zum besten Stromtarif
  16. Mietwohnungen brauchen einen Briefkasten
  17. Inflation dürfte sich abgeschwächt haben
  18. Sammler zahlen für seltene Münzen
  19. Was bleibt 2020 im Portemonnaie?
  20. Was ändert sich für Verbraucher 2020?
  21. Spartipps für die Hochzeit
  22. Internationale Trauungen in Deutschland
  23. Macht Kündigen leichter
  24. Mülltrennung ist Aufgabe der Mieter
  25. Was bringt die Musterfeststellungsklage?
  26. Warum eine Steuererklärung Azubis mehr Geld bringt
  27. Haustierbesitzer müssen für Schäden meist selbst aufkommen
  28. Keine Mieterhöhung bei sittenwidriger Abrechnung
  29. Mit fünf Tipps vor Jahresende Steuern sparen
  30. Wie viel Silvesterparty ist drin?
  31. Händler verzichten auf Silvesterböller
  32. Die drei Fragezeichen und die Gesundheitsmilliarden
  33. Was sich 2020 für Steuerzahler ändert
  34. Mythen ums Schenken im Realitäts-Check
  35. Was die Bonpflicht für Händler und Verbraucher bedeutet
  36. Diskriminierung bei der Wohnungssuche stark verbreitet
  37. So werden Kunden im Geschäft heimlich gezählt
  38. Betriebskostenabrechnung muss bis Silvester vorliegen
  39. Haustiere dürfen Nachbarn nicht zu sehr stören
  40. Regeln rund ums Feuerwerk
  41. Millionenschwerer Betrug beim Online-Autokauf
  42. So kommt die Weihnachtspost sicher an
  43. Was bringt 2020 Anlegern?
  44. Die Luft für Lebensversicherungen wird wieder dünner
  45. Mieter darf weihnachtlich dekorieren
  46. Wird Nachhaltigkeit beim Einkaufen wichtiger?
  47. Kunden zahlen mit dem Smartphone verschlüsselt
  48. So schützen Verbraucher ihren Ausweis
  49. Welchen Sinn erfüllt noch der Adventskalender?
  50. Black-Friday-Rummel zieht sich in die Länge

Schlagworte

  • Finanzen
  • Finanzexperten
  • Finanzinvestoren und Anleger
  • Geld
  • Inflation
  • Rendite
  • Verbraucherzentralen
  • Vermögensanlage und Vermögensbildung
  • Wertpapierbörsen
  • Zinserträge
  • Zinsrechnung
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!