Bremen

Diese Anleger-Strategie lohnt auch in Krisen

Anleger-Strategie in Corona-Zeiten       -  Kaufen und liegen lassen - diese Strategie kann bei Aktien auf lange Sicht durchaus erfolgreich sein.
Kaufen und liegen lassen - diese Strategie kann bei Aktien auf lange Sicht durchaus erfolgreich sein. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Zugegeben, sie klingt schräg, die Weisheit des 1999 verstorbenen Börsengurus André Kostolany. Sinngemäß riet er: Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und wer lang genug schläft, wird irgendwann reich aufwachen.

Anleger sollten dies natürlich nicht wörtlich nehmen. Vielmehr wollte Kostolany damit ausdrücken: Geduld zahlt sich am Aktienmarkt langfristig aus.

„Für den langfristigen Vermögensaufbau ist "Buy and hold" die mit Abstand erfolgreichste Strategie, die sich über Jahrzehnte bewährt hat und mit Zahlen und Statistiken belegt werden kann”, sagt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. Also: Am Aktienmarkt nichts überstürzen, besonnen bleiben.

Auch in Krisen nicht überstürzt handeln

„Derzeit besteht die Gefahr, dass durch phantasiereiche Interpretationen eines Geschehens wie der Corona-Krise die statistischen Renditeprognosen an den Rand gedrängt werden”, erklärt Prof. Ingrid Größl, Vorstand des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg.

Es wäre ein Fehler, Aktien, die für lange Zeit im Depot liegen sollen, wegen der Corona-Krise zu verkaufen. „Auch diese Krise wird eines Tages ausgestanden sein, und die Lage an den Börsen wird sich wieder normalisieren”, so Größl. Ein ständiges Auf und Ab an den Aktienmärkten ist letztendlich nichts Ungewöhnliches.

Vor allem für Aktien-Unerfahrene gilt: „Besser mitschwimmen als spekulieren”, rät Mai. Denn Spekulieren ist hochriskant. Besser sei es, wenn Anleger Aktien breit gestreut kaufen. „Für ein breit gestreutes Aktienpaket spricht, dass die täglichen Kursausschläge in einem gewissen Umfang neutralisiert werden”, erklärt Größl.

Zudem verhindert ein breit gestreutes Depot, dass Anleger ihr gesamtes in Aktien investierte Vermögen verlieren, wenn ein Unternehmen Insolvenz anmeldet. Der Vorteil: Anleger müssen sich nicht ständig um ihre Aktien kümmern. Zudem sparen sie Kosten, die mit häufigen Transaktionen an der Börse verbunden sind.

Auf die richtige Mischung achten

Allerdings sind für die Zusammenstellung des Aktienpakets umfassende Kenntnisse über die jeweiligen Unternehmungen und deren voraussichtliche langfristige Entwicklung nötig. Außerdem dürfen Anleger „sich nicht ständig kümmern” nicht mit „sich gar nicht kümmern” verwechseln.

Denn steigt der Kurs einer Einzelaktie gegenüber den anderen Aktien im Depot an, steigt auch der wertmäßige Anteil dieser Aktie im Portefeuille. „Damit verbunden ist ein verändertes Ertrags-Risiko-Profil”, erläutert Größl.

Die Geldanlage breit streuen

Um dies zu vermeiden, sollten Anleger die „Buy and hold”-Strategie mit dem Erwerb eines passiven, an der Börse gehandelten Indexfonds - also einem ETF - verknüpfen. ETFs bilden einen Index nach, zum Beispiel den Deutschen Aktienindex (DAX). Ein aktives Management entfällt dabei. „Das spart Kosten”, erklärt Größl.

Wer ETFs wählt, die nur in Blue Chips investieren, also in Aktien von etablierten Großunternehmen, kann das Risiko einer Unternehmensinsolvenz weitestgehend bannen. Mit einem thesaurierenden Fonds wird die Dividende zudem reinvestiert. „So erzielen Anleger einen Zinses-Zins-Effekt”, sagt Größl.

Ganz wichtig: „Anleger sollten breit über Regionen und Branchen streuen, also ETFs mit vielen Titeln wählen”, rät Mai. Also nicht auf Eurostoxx 50, sondern beispielsweise auf Eurostoxx 600 setzen. Kleinvolumige Fonds sollten Anleger meiden, da ihnen irgendwann die Schließung drohen kann, warnt der Verbraucherschützer.

„Das in Aktien und ETF angelegte Geld muss mindestens 10 bis 15 Jahre unangetastet bleiben”, rät Mai. Anleger sollten also über genügend finanzielle Reserven verfügen, auf die sie im Notfall zurückgreifen können. Ein weiterer Grundsatz: „Bloß keine Aktien oder ETFs auf Pump kaufen”, rät Mai.

Bei der Auswahl kritisch bleiben

Worauf Anleger sonst noch achten sollten? „Verbrauchern werden mitunter Fonds angeboten, die bisher nicht gut abschnitten haben oder zu teuer sind”, sagt Mai. Der Verbraucherschützer empfiehlt Anlegern, bei der Auswahl und Zusammenstellung des Aktienpakets kritisch zu sein. „Ratsam ist der Erwerb von ETFs, die auch von namhaften einschlägigen Tests empfohlen werden”, erklärt Größl.

Generell eignet sich die „Buy and Hold”-Strategie für jede langfristige Geldanlage. „Sie ist vor allem ideal für die Altersvorsorge”, erklärt Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge. Auch er empfiehlt ETFs.

„Wer lange angespart hat, kann den Spieß später umdrehen und sich eine Fondsrente auszahlen lassen, ohne gleich alles zu verkaufen”, sagt Mai. Auch als Rentner können Anleger also noch lange auf „hold” gehen und müssen nicht alles aufs Sparbuch packen.

© dpa-infocom, dpa:200519-99-115363/2

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