Düsseldorf

Genossenschaften sind keine Anlageobjekte

Immobilienanlage       -  Wohnungsbaugenossenschaften genießen einen guten Ruf. Windige Geschäftemacher nutzen das mitunter aus.
Wohnungsbaugenossenschaften genießen einen guten Ruf. Windige Geschäftemacher nutzen das mitunter aus. Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

Alle für einen, einer für alle - dieses Prinzip eint alle Genossenschaften. Ob im Wohnungsbau, bei der Energieerzeugung oder im Finanzwesen - Genossenschaften setzen auf eine starke und aktive Mitgliedschaft.

Das Ziel: die Nutzenmaximierung für ihre Mitglieder. „Mitglied einer Genossenschaft kann jeder werden, der ein Förderinteresse hat”, erklärt Asmus Schütt vom Genossenschaftsverband - Verband der Regionen. „Dann profitiert er auch von den wirtschaftlichen Erfolgen.”

Das gute Image von Genossenschaften versuchen allerdings auch Geschäftemacher immer wieder für ihre Zwecke zu nutzen. Sie versprechen Verbrauchern eine hohe Rendite, wenn sie Mitglied werden. Doch nicht überall wo Genossenschaft draufsteht, ist auch Genossenschaft drin, hat die Verbraucherzentrale Hamburg beobachtet.

Dubiose Anbieter agieren auf Grauem Kapitalmarkt

Nach Angaben der Verbraucherschützer missbrauchen Unternehmen des Grauen Kapitalmarktes, den guten Namen der Rechtsform. Sie werben häufig mit Gewinnbeteiligung und staatlicher Förderung in Wohnungsgenossenschaften.

„Vorsicht vor solchen Angeboten”, sagt Kerstin Becker-Eiselen, Abteilungsleiterin Geldanlage, Altersvorsorge, Versicherungen. „Es besteht die Gefahr, alle eingezahlten Beträge zu verlieren oder sogar Nachzahlungen leisten zu müssen.”

Wie können sich Verbraucher vor solchen kriminellen Angeboten schützen? „Hier hilft nur das genaue Studium der Satzung der Genossenschaft”, betont Asmus Schütt. Bei seriösen Genossenschaften erhalten Beitrittswillige alle Daten, Fakten und Zahlen zum Geschäftsverlauf. Interessenten sollten nachlesen, wofür die Mitgliedsbeiträge verwendet werden. Die Wirtschaftlichkeit wird regelmäßig geprüft.

Warnsignale rechtzeitig erkennen

Vorsicht ist immer geboten, wenn hohe Renditen versprochen werden. Das ist ein Warnsignal. „Das heißt aber nicht, dass alle Genossenschaften, die hohe Renditen zahlen, unseriös sind”, sagt Schütt. „Im Gegenteil, viele Genossenschaften sind sehr ertragreich. Im Mittelpunkt ihrer Mitgliederwerbung steht aber der genossenschaftliche Förderauftrag, also der Mehrwert, den sie ihren Mitgliedern bieten, und nicht die Kapitalrendite.”

„Skeptisch sollten Verbraucher sein, wenn Genossenschaften offensiv mit Callcenter-Anrufen Mitglieder werben”, so Kerstin Becker-Eiselen. Und sie sollten im Vorfeld prüfen, welche Kosten für eine Mitgliedschaft anfallen, welche Kündigungsfristen gelten und ob eventuell Zusatzkosten zu erwarten sind.

Risiko ist bei seriösen Genossenschaften gering

Sollen auf einen Schlag höhere Summen eingezahlt werden, ist das auch ein Indiz, dass es sich um einen unseriösen Anbieter handeln könnte. „Seriöse Kreditgenossenschaften beschränken ihre Geschäftsanteile meist von vornherein auf 100 bis 500 Euro”, sagt Rechtsanwalt Andreas Fandrich, Mitglied im Ausschuss Bank- und Kapitalmarktrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Auch für eine Mitgliedschaft in Wohnungsgenossenschaften sind die Mitgliedsbeiträge überschaubar.

„Das finanzielle Risiko, in einer seriösen Genossenschaft viel Geld zu verlieren ist gering”, meint der Rechtsanwalt. Zwar kann es theoretisch im Falle einer Insolvenz passieren, dass das Geld der Mitglieder verloren ist, aber das kam in der Praxis bisher so gut wie nie vor. „Genossenschaften sind sicher, vor allem weil kein Gewinn angestrebt wird”, betont er. „Wer Pleite geht, sind die schwarzen Schafe. Bei denen ist das Verlustrisiko sehr hoch.”

© dpa-infocom, dpa:200915-99-572152/4

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