Rüdenhausen

Auch die Castell-Bank leidet unter der Zinsflaute

Mit Blick auf die Zahlen war 2018 kein gutes Jahr für die Castell-Bank. Bei der Bilanzvorstellung gab es dennoch entspannte Mienen, ein neues Gesicht und eine frische Idee.
Die Fürstlich Castell'sche Bank stellte auf Schloss Rüdenhausen ihre Bilanz für 2018 vor (von links): die beiden Inhaber, Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen und Ferdinand Fürst zu Castell-Castell, sowie die Vorstandsmitglieder Klaus Vikuk, Pia Weinkamm (neu) und Sebastian Klein (Vorsitzender). Foto: Andreas Brachs

Wenn Inhaber und Vorstände der Castell-Bank auf die Kennzahlen des Jahres 2018 schauen, können sie nur bedingt zufrieden sein: Zwar hat die Bilanzsumme die Milliardengrenze gerade so überschritten, aber Zins- und Provisionsüberschüsse sind gesunken. Unterm Strich hat die Privatbank mit 2,8 Millionen Euro etwas mehr Gewinn erzielt als 2017; davon gehen zwei Millionen Euro an die privaten Inhaber. Das vorvergangene Jahr war aber nur deshalb schlechter, weil man eine Sonderbelastung von rund sechs Millionen Euro aus einem zurückliegenden Betrugsfall verkraften musste. Der Fall ist strafrechtlich und in der Bilanz aufgearbeitet, erklärte Vorstandsvorsitzender Sebastian Klein. Positiv: Die Kernkapitalquote stieg auf 12,5 Prozent.

Mit ihrer Entwicklung ist die Fürstlich Castell'sche Bank, so der offizielle Name, in der Branche nicht allein. Alle Geldhäuser leiden seit Jahren unter dem anhaltenden Niedrigzinsniveau. Für die Bank, die ihre Zentrale in Würzburg hat, kamen 2018 zwei weitere Negativfaktoren hinzu, wie die Bankvorstände am Freitag in ihrer Bilanzvorstellung auf Schloss Rüdenhausen (Lkr. Kitzingen) erläuterten: Aufgrund der guten Ertragslage der Unternehmen verzichten viele von ihnen bei Neuprojekten auf eine Kreditfinanzierung. So bleibt das Kreditgeschäft der Bank allenfalls stabil.

Anleger parken Geld auf Tagesgeldkonten

Auf der anderen Seite parken immer mehr Geldanleger ihr Erspartes in "exorbitant angestiegenen" Summen auf Tagesgeldkonten. Bringt die Castell-Bank ihre Liquidität nicht am Markt unter, muss sie sie für einen Negativzins von minus 0,4 Prozent bei der Bundesbank parken. Allein dieser Strafzins hat dem Geldinstitut 2018 rund 500 000 Euro Verlust beschert. Das habe "richtig geschmerzt", sagte Vorstandsmitglied Klaus Vikuk. 

Zusätzlich verunsichern politische Rahmenbedingungen die Anleger, erschweren Bürokratie und Regulatorik der Bankenaufsicht das tägliche Geschäft, erklärte Vorstandsvorsitzender Klein. Fast noch schlimmer aus Sicht der Bankiers: Eine Besserung ist nicht in Sicht. Kurz-, mittel- und langfristig erwartet Klein keine wesentliche Veränderung bei den Zinsen. Im Gegenteil: Mit der nächsten wohlhabenden Rentnergeneration werde das Geld, das eine rentierliche Anlage sucht, eher noch mehr. Und wenn das Angebot steigt, sinkt der Preis – in diesem Fall der Zinssatz. Dennoch, sagte Klein, sei man gut ins Jahr 2019 gestartet.

Auf die Erlösprobleme hat die Castell-Bank mit Einsparungen auf der Kostenseite reagiert. Nach Filialschließungen im Steigerwald in den Vorjahren werden in diesem Jahr die Standorte in Volkach, Wiesentheid und Scheinfeld aufgegeben. Dort werden bis Ende Juni auch alle Automaten abgebaut.

Neuen "Generationenfonds" aufgelegt

Aber das Geldhaus im Besitz der Familien Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen will nicht nur reagieren: Die Bank hat im Mai einen "Generationenfonds" aufgelegt, der neue Kunden erschließen soll. Die Zielgruppe: Stiftungen und kirchliche Organisationen, die in nachhaltige Unternehmungen anlegen wollen. Dazu hat sich die Castell-Bank mit dem internationalen Partner ISS-oekom zusammengetan. Der überprüft ständig am Kapitalmarkt agierende Länder und Unternehmen auf ihr soziales und ökologisches Verhalten. Für ein Fonds-Engagement werden nur nachhaltige Akteure aufgenommen. 

Damit, so erklärte es das neue Vorstandsmitglied Pia Weinkamm, komme man den Investitionsinteressen der anvisierten Kundengruppe entgegen. Hatte man anfangs nur diese Großanleger im Visier, so hat die Castell-Bank den Nachhaltigkeitsfonds nun auch für Privatanleger geöffnet, denn auch viele von ihnen hätten Interesse an einem sozial und ökologisch einwandfreien Engagement gezeigt. 

Fürstlich Castell'sche Bank
Die Castell-Bank gehört Ferdinand Fürst zu Castell-Castell und Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen zu gleichen Teilen. Die Bank besteht seit 1774 und ist damit das älteste Geldhaus Bayerns. Sie hat mittlerweile noch zwölf Niederlassungen in Franken sowie in München, Ulm, Heilbronn und Mannheim. 
Neu im dreiköpfigen Vorstand ist seit Jahresbeginn die Juristin Pia Weinkamm, die aus Augsburg stammt, in Würzburg studierte und seit 17 Jahren in der Castell-Bank arbeitet. 

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