Würzburg/Oberthulba

Corona: Zimmereien sollen Asbest-Schutzanzüge spenden

Mediziner, Rettungskräfte und Pfleger suchen derzeit händeringend nach Schutzkleidung aller Art. Nun sind die bayerischen Zimmerer auf eine ungewöhnliche Idee gekommen.
Absolutes Muss: Wenn Handwerker zum Beispiel beim Sanieren von Häusern mit Asbest-Material hantieren, tragen sie solche Schutzkleidung. Die könnte jetzt für Rettungskräfte zum Schutz gegen das Coronavirus interessant werden.
Absolutes Muss: Wenn Handwerker zum Beispiel beim Sanieren von Häusern mit Asbest-Material hantieren, tragen sie solche Schutzkleidung. Die könnte jetzt für Rettungskräfte zum Schutz gegen das Coronavirus interessant werden. Foto: Petra Berger/IG BAU

Gesichtsmasken zum Schutz vor dem Coronavirus sind derzeit das Top-Thema. Landauf, landab legen sich Freiwillige und zum Teil artfremde Firmen ins Zeug, um solche Masken vor allem für Personal in Medizin und Pflege herzustellen. Nun haben die bayerischen Zimmerer mit einer außergewöhnlichen Idee auf sich aufmerksam gemacht.

Der Landesinnungsverband hat seine 1200 Mitgliedsbetriebe aufgerufen, Asbest-Schutzanzüge und -masken unter anderem an Krankenhäuser oder ans Bayerische Rote Kreuz (BRK) zu spenden. In Mainfranken hat diese Idee bislang noch nicht überall Wellen geschlagen.

So erfuhr Michael Eyrich-Halbig erst über den Hinweis dieser Redaktion von der Aktion. Der Obermeister der Zimmer-Innung Bad Neustadt/Bad Kissingen findet sie aber gut. Er werde jetzt auf jeden Fall seine 20 Mitgliedsbetriebe per Mail auf den Spendenaufruf aufmerksam machen.

Inwieweit sie auf Anklang stößt, kann der Zimmermeister aus Oberthulba (Lkr. Bad Kissingen) allerdings nicht einschätzen. Im Durchschnitt habe nur jeder fünfte Zimmereibetrieb solche Asbest-Schutzanzüge. Vielleicht täten es zur Not auch Mineralwolle-Schutzanzüge, die die Handwerker zum Beispiel im Umgang mit Dämmmaterial tragen.

Ausgelöst worden war die Spendenaktion nach Angaben des Landesinnungsverbandes vor gut einer Woche von einem Zimmermeister im niederbayerischen Pilsting. Er hatte noch verpackte Asbest-Schutzanzüge in seinem Lager entdeckt und spontan einem Krankenhaus in Straubing übergeben. "Die können wir sehr gut gebrauchen", soll eine Klinikangestellte laut Innungsverband geantwortet haben.

Was Rettungskräfte von der Idee halten

In der Tat sind zum Beispiel die Rettungskräfte zurzeit sehr dankbar für Schutzkleidung und Masken, obwohl "wir nicht alles nehmen dürfen", so der Hinweis von Sprecher Stefan Krüger vom BRK-Kreisverband Würzburg. "Wir haben von allem noch etwas", aber bei Schutzkleidung aller Art an Nachschub zu kommen, sei schwierig.

Auch Krüger hatte bis Donnerstag von der Hilfsaktion der bayerischen Zimmerer "noch nichts gehört". Ob Asbest-Schutzanzüge generell brauchbar sind für die Rettungskräfte, müsse vorab geprüft werden. Auf jeden Fall einsetzbar seien solche, die der Norm EN 13054 (Typ 3 bis 6) entsprächen. Das sei am Typenschild des Anzugs abzulesen.

Diese Norm regelt, wie dicht Asbest-Schutzanzüge sind. Handwerker müssen sie benutzen, wenn sie zum Beispiel an Dächern oder Fassaden Platten entfernen, die aus krebserregendem Asbest bestehen.

Verband: Unbedingt erst mit der Klinik sprechen

Der Landesinnungsverband rät spendenwilligen Zimmerern, sich vorab mit dem jeweiligen Rettungsdienst oder der jeweiligen Klinik abzusprechen, welche Asbest-Schutzanzüge und -masken gebraucht werden. "Wir suchen nach diesen Artikeln und sind über Unterstützung dankbar", will der Innungsverband vom BRK als Reaktion auf den Spendenaktion erfahren haben.

Das sieht Unterfrankens BRK-Bezirksgeschäftsführer Harald Erhard ähnlich: "Grundsätzlich ist das Bemühen um Unterstützung zu begrüßen." Ob konkret Asbest-Schutzmaterial aus den Lagern der Zimmereien zu gebrauchen sind, müsse von Fall zu Fall geprüft werden. Was  zumindest Masken angeht, "nehmen wir alles", ergänzt BRK-Sprecher Krüger.

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