Schweinfurt/Friedrichshafen

Corona und andere Herausforderungen: ZF sieht sich gerüstet

Auch ZF kämpft heftig mit den Corona-Folgen. Der Konzern mit einem Standort in Schweinfurt legte jetzt die Bilanz für 2019 vor. Offen blieb eine wichtige Personalie.
Das neue Entwicklungszentrum von ZF in Schweinfurt läuft offenbar auf Hochtouren - trotz der Corona-Krise. Foto: Josef Lamber

Der Autozulieferer ZF sieht sich trotz der Coronakrise und der handelspolitischen Unwägbarkeiten weiterhin in der Spur. Das Unternehmen mit Sitz in Friedrichshafen am Bodensee und einem großen Standort in Schweinfurt legte am Donnerstag die Geschäftszahlen für 2019 vor. Mit einer Prognose für 2020 hielten sich die ZF-Verantwortlichen allerdings zurück.

Neben der aktuellen Lage ging es auch um eine für Schweinfurt relevante Personalie. Einem Bericht des "Südkurier" zufolge wird Jörg Grotendorst das Unternehmen verlassen. Er ist Chef der zukunftsträchtigen ZF-Sparte Elektromobilität, die ihren Sitz in Schweinfurt hat und unter der Bezeichnung Division E-Mobility läuft.

Verlässt offenbar ZF in Schweinfurt: Jörg Grotendorst, Chef der Konzernsparte Elektromobilität. Foto: Dominik Gigler/ZF

Grotendorst wechsle nach Zerwürfnissen mit Konzernchef Wolf-Henning Scheider zu einem anderen Autozulieferer, heißt es in dem Bericht. Auf die hochrangige Personalie angesprochen, gab es am Donnerstag weder von der ZF-Chefetage bei der Bilanzpressekonferenz noch aus der Niederlassung in Schweinfurt eine Bestätigung. Man äußere sich nicht zu Personalangelegenheiten, war die übereinstimmende Antwort.

Wie das neue Entwicklungszentrum in Schweinfurt läuft

So bleibt auch unklar, welche Wirkung Grotendorsts Weggang auf die Sparte Elektromobilität haben könnte, auf die ZF seit Monaten verstärkt setzt. Immerhin kam von Scheider auf Anfrage dieser Redaktion die Aussage, dass das Mitte 2019 eröffnete Entwicklungszentrum für E-Mobilität in Schweinfurt trotz der Corona-Krise und der deutschlandweiten Kurzarbeit bei ZF "ungebremst weiterfährt". Von der Belegschaft im Zentrum seien derzeit "die meisten an Bord".

ZF ist mit gut 9000 Mitarbeitern in Schweinfurt der größte Industrie-Arbeitgeber in Mainfranken und gehört mehrheitlich einer Stiftung der Stadt Friedrichshafen. Weltweit beschäftigte die Aktiengesellschaft im vergangenen Jahr 148 000 Menschen.

Sieht ZF trotz schwieriger Zeiten in der Spur: Wolf-Henning Scheider, Vorstandsvorsitzender Foto: Jürgen Haug-Peichl

Der Konzernumsatz lag laut Geschäftsbericht bei 36,5 Milliarden Euro und damit auf ähnlichem Niveau wie 2018. Das um Währungseffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern sank von 2,1 auf 1,5 Milliarden Euro. Allein für Forschung und Entwicklung (FE) vor allem im Bereich Autonomes Fahren/E-Mobilität gab ZF im vergangenen Jahr 2,7 Milliarden Euro aus (2018: 2,5 Milliarden). 19 400 Menschen arbeiten konzernweit in der FE-Sparte, 2300 mehr als im Jahr davor. Alles in allem habe sich ZF in 2019 "besser entwickelt als der Gesamtmarkt", sagte Scheider.

Warum es keinen Ausblick auf 2020 gibt

Erst der Brexit, die globalen Handelskonflikte und ein Rückgang des Auto-Absatzes von laut Scheider weltweit sechs Prozent, dann Corona: Wegen all dieser Mammut-Herausforderungen machte der Konzernchef am Donnerstag einen für Bilanzpressekonferenzen ungewöhnlichen Schritt: "Wir werden heute keine Prognose abgeben", wie die ZF-Geschäfte bis Jahresende laufen werden. Es sei aber mit einem "starken Umsatzrückgang in 2020" zu rechnen.

Scheider zeigte sich zuversichtlich, dass sein Unternehmen trotzdem entscheidend beim Mobilitätswandel weg vom Verbrennungsmotor mitwirken werde. Wenn die Corona-Krise zu Ende ist, werde es nicht entscheidend sein, wie die Werke wieder hochgefahren werden können. Vielmehr komme es darauf an, ob die Menschen noch genügend Geld haben, um sich ein Auto zu kaufen.

Mit Blick auf die Pandemie gehe es derzeit bei ZF darum, "die Gehälter zu stabilisieren und den Mitarbeitern Sicherheit zu geben", sagte Scheider. Er gehe davon aus, dass in Deutschland die ZF-Maschinen nach der Krise zügig wieder anlaufen werden. Die 40 Werke des Konzerns in China seien bereits seit zwei Wochen wieder in Betrieb und zu 90 Prozent ausgelastet.

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