Werneck

Corona zwingt Traditionsbrauerei in Werneck in die Knie

Noch vor einigen Tagen hat die Wernecker Brauerei versucht zu kämpfen. Doch Kurzarbeit und Soforthilfe werden nicht reichen. Jetzt ziehen die Betreiber die Reißleine.
Jörg Lang, Chef der Wernecker Brauerei, auf einem Bild aus besseren Tagen: Das war 2016. Am Dienstag hat die Brauerei angekündigt, ihren Betrieb zum 30. September zu schließen. Foto: Silvia Eidel

Es ist ein emotionaler Abschied von 400 Jahren Tradition und Familiengeschichte: In einem symbolischen Brief an ihre Wernecker Brauerei verabschiedet sich Familie Lang vom Unternehmen. Zum 30. September wird es schließen. Die Corona-Krise fordert ihr wohl erstes Opfer in der regionalen Wirtschaft.

Noch vor einer Woche hatte man in Werneck alles versucht, um die Zukunft trotz wegbrechender Einnahmen, abgesagter Veranstaltungen und düsterer Aussichten zu sichern. Jetzt zieht die Familie, die das Unternehmen inzwischen in der fünften und sechsten Generation führt, die Reißleine.

Hans Jörg Lang, alleiniger Inhaber der Wernecker Bierbrauerei, seine Frau Sabine sowie die Kinder Christine und Andreas (alle im Betrieb tätig) werden zum 30. September 2020 die Brauerei schließen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. "Nachdem es die letzten drei Jahre wieder aufwärts ging und 2020 mit vielen Veranstaltungen sehr gut ausgesehen hatte, hat der Coronavirus einen Strich durch die Rechnung gemacht." Die Familie sei "unendlich müde und wird den neuen, riesigen Kampf nicht mehr aufnehmen".

Am Montag hat die Familie ihren 15 Mitarbeitern und einigen 450-Euro-Kräften die Nachricht überbracht. Dabei flossen "viele Tränen", sagt Christine Lang, "auf beiden Seiten". Der Schritt tue allen weh, auch, weil "einige Mitarbeiter zum Teil jahrzehntelang mitgekämpft" hätten.

Die Mitarbeiter in gute Stellen zu vermitteln, ist Familie Lang jetzt besonders wichtig. Bis 30. September werden sie weiterbezahlt, wird auch Bier verkauft und bis zu einem gewissen Punkt noch mit den Restbeständen an Rohstoffen gebraut. Dann ist Schluss, nach über 400 Jahren.

"Die staatliche Unterstützung hilft kein Stück."
Christine Lang zum Thema Soforthilfe und Kredite

Es ist ein Schnitt an einem Punkt, an dem man noch selbstbestimmt entscheiden könne, so Christine Lang im Gespräch mit dieser Redaktion. Noch drohe keine Insolvenz, drücken keine Kredite. Noch.

Doch mit der Corona-Krise sind der Brauerei schon jetzt zwei Standbeine fast komplett weggefallen: die Belieferung von Veranstaltungen, die abgesagt wurden oder noch werden, und die Gastronomie. Was jetzt noch bleibt, ist der Handel.

Dass viele Gastronomen, die schon vorher zu kämpfen hatten, die Krise nicht überleben werden, sei klar, sagt Lang. Die Folgen für Zulieferer wie die Wernecker Brauerei ebenso. Wie lange die Krise dauern wird, was ihr zum Opfer fällt - all das sei nicht absehbar, das Risiko zu groß. Denn keiner wisse, wie lange die Durststrecke andauern wird. Noch könne man "selbstbestimmt und mit erhobenem Haupt" einen Schlussstrich ziehen.

Den Betrieb aufrecht zu erhalten, hieße, sich zu verschulden. Die staatliche Unterstützung in der jetzigen Form sei ein "Tropfen auf den heißen Stein, hilft kein Stück", so Lang. Die beantragte Soforthilfe, eine einmalige Zahlung, die quasi nur ausgezahlt würde, wenn alle anderen Mittel erschöpft seien, wären gerade mal 15 000 Euro – ein Drittel der Lohnkosten, die in einem Monat auflaufen, so Lang.

Und Kredite müssten schließlich auch wieder zurückgezahlt werden. In den vergangenen Jahren habe der Betrieb "unheimlich gekämpft, um dort zu stehen, wo wir vor der Krise waren". Ein Kampf, der oft bis oder über die Grenzen der Belastbarkeit gegangen sei. Deshalb jetzt der klare Schnitt, auch wenn er schmerzt. Das ist Christine Lang deutlich anzumerken.

Wie es für die Unternehmer selbst weitergeht

Über 400 Jahre hinweg hat die Brauerei das Leben der Unternehmerfamilie bestimmt. Bis heute arbeiten alle im Betrieb mit. Wie es für sie weitergehen wird? Zunächst habe man mit dem Betrieb bis Ende September gut zu tun, dann steht die Betriebsabwicklung an. Jörg und Sabine Lang werden anschließend in Ruhestand gehen. Und dann, sagt Christine Lang, stellvertretend für sich und ihren Bruder, "machen wir uns Gedanken über uns".

Auf was die Wernecker Brauerei jetzt hofft, ist die Solidarität der Kunden, dass Menschen die Produkte kaufen, betont Christine Lang. Denn erst am 1. Oktober 2020 wird es kein Wernecker Bier mehr geben.

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