BERLIN

Die 79. Grüne Woche lockt mit Lebensmitteln aus aller Welt

Weinfreunde: Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (links), Weinkönigin Marion Wunderlich und Weinbaupräsident Artur Stei...

Datteln aus Saudi-Arabien, Schinken aus Italien, Austern aus Frankreich und mittendrin: Wein aus Franken. Auf der Agrarmesse Grüne Woche, die seit Freitag ihre Pforten für Besucher geöffnet hat, gibt es Leckereien aus der ganzen Welt. Da darf auch der fränkische Rebensaft nicht fehlen, so die Einschätzung von Georg Bätz von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG).

In den vergangenen zehn Jahren habe der Frankenwein einen beachtlichen Wandel vollzogen – weg vom angestaubten Image hin zu einem Getränk, das auch immer mehr junge Menschen anspricht. „Die Nachfrage nach Frankenwein wird immer größer“, so Bätz. Ähnliche Erfahrungen sammelt Winzer Manfred Baumann vom Forellenhof in Oberschwarzach (Lkr. Kitzingen). „Früher hat jeder gegen jeden gekämpft. Heute haben sich viele Winzer zusammengeschlossen und produzieren konstant eine hohe Qualität.“ Und noch einen Vorteil sieht er für den Standort Unterfranken: „Winzer können in dem Anbaugebiet Weine anbauen, die aufgrund des Klimas in anderen Regionen gar nicht erst wachsen.“

Am Rande des traditionellen Eröffnungsrundgangs über die Messe am Freitag outeten sich Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und sein bayerischer Amtskollege Landesagrarminister Helmut Brunner (CSU) als Freunde des unterfränkischen Getränks. „Ich trinke ihn sehr gerne, aber meist erst nach 18 Uhr“, sagte Friedrich. Auf der Grünen Woche machte er nun aber eine Ausnahme, um mit der Fränkischen Weinkönigin Marion Wunderlich anzustoßen. Doch es geht auf der Agrarmesse nicht nur ums Schlemmen und Genießen. Auch kritische, nachdenkliche Töne werden angestimmt. Zwar sei die Messe eine hervorragende Gelegenheit, Produkte von guter Qualität vorzustellen, angesichts der Fülle und Vielfalt an Lebensmitteln, dürfe nicht vergessen werden, dass in vielen Teilen der Welt Menschen an Hunger leiden, so Friedrich.

Debatten über die Zukunft der Nahrungsmittelindustrie gehören daher ebenso zum Programm wie Veranstaltungen zum Verbraucherschutz oder zur Welternährung. Sie ist in Berlin ein zentrales Thema bei einem Treffen von Agrarministern und Regierungsvertretern aus mehr als 70 Ländern an diesem Samstag parallel zur Messe.

Auch die angespannte Lage zwischen Tier- und Umweltschützern und dem Bauernverband gerät auf der Messe in den Fokus. Noch bevor Landwirtschaftsminister Friedrich und Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Messe offiziell eröffnen konnten, kam es zu Protesten. Zwei Menschen stürmten den Pressetermin und demonstrierten lauf gegen Massentierhaltung.

Zwischen dem Bauernverband sowie Umwelt- und Tierschützern wird dabei der Ton schärfer. Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, warnte vor einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft. „Wir müssen weg von nicht artgerechter Massentierhaltung und unkontrollierter Gentechnik“, sagte Hofreiter. An diesem Samstag erwarten Umwelt-, Tierschutz- und Kleinbauernverbände sowie kirchliche Einrichtungen am Rande der Messe 20 000 Demonstranten gegen Großställe, massenhaften Antibiotika-Einsatz und den geplanten Freihandel. Brunner warnte die Bauern davor, den Dialog mit ihren Kritikern abzubrechen. „Es ist wichtig, dass man auch Meinungen ernst nimmt, die in eine andere Richtung gehen.“ Bauernpräsident Joachim Rukwied hatte bereits am Donnerstag angekündigt, die Branche sei nicht mehr bereit, über „Kampfthemen“ mit Menschen zu diskutieren, die eine andere Landwirtschaft wollen. Er warf einem Teil der Kritiker vor, bewusst Ängste zu schüren.

Immerhin: Friedrich ließ auf der Messe erste eigene Positionen erkennen: Die Wertschätzung für die Landwirte will er erhöhen und den Markt über mehr Bioprodukte entscheiden lassen. Bei der Gentechnik registriert er große Skepsis bei Verbrauchern und Bauern. Inwieweit diese Ziele den Konflikt besänftigen, wird sich erst noch zeigen. mit material von dpa

Schlemmermeile und politisches Forum: Die Grüne Woche lockt seit Freitag wieder Hunderttausende Besucher – und auch die ... Foto: dpa/schmitt
Genießer: Bundeslandwirtschaftsminister Friedrich beim Rundgang.

Rückblick

  1. Passionsfrucht: Selbst die Kerne kann man essen
  2. Liebstöckel: Gewürz macht Hunger auf mehr
  3. Gesundes Gemüse: In Romanesco steckt viel drin
  4. Was drin steckt: Papayas sind reich an Vitamin C
  5. Gute Sättigung: Kräuterseitlinge sind vielseitig
  6. Heilwirkung: Kurkuma hemmt Entzündungen
  7. Süß und erfrischend: Melonen als Wasserlieferant
  8. Kesselchips: Snack aus ungeschälten Kartoffeln
  9. Würzig und kalorienarm: Staudensellerie hat Saison
  10. Ananas reifen nicht nach: Kalorienarm, aber kein Fettkiller
  11. Schlanker Wasserspender: Gurken sind gut für die Nieren
  12. Heimisches Superfood: Johannisbeeren mit Vitamin C
  13. Schlagkräftiger Stinker: Knoblauch ist stark gegen Keime
  14. Richtig fett: Lachs tut dem Herzen gut
  15. Schlanke Frucht: Auberginen enthalten kaum Kalorien
  16. Kleine Kraftpakete: Eier kann der Körper komplett verwerten
  17. Brunner: „Jeder Betrieb hat Zukunft“
  18. Macht seinem Namen Ehre: Zuckermais ist energiereich
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  23. Zuckerschoten sind die feinste Variante der Erbse
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  25. Haselnüsse knapp und teuer
  26. Unruhe bei Beschäftigten von Burger King
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  37. Die 79. Grüne Woche lockt mit Lebensmitteln aus aller Welt
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  41. Interview mit "Beef!"-Chefredakteur:
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  43. Foodwatch sucht „dreisteste Werbemasche“ für Kinderlebensmittel
  44. Bis zu 50 000 Tonnen Fleisch stammen möglichweise von Pferden
  45. Chronologie: Der Pferdefleisch-Skandal in Europa
  46. 124 deutsche Betriebe von Pferdefleisch-Skandal betroffen
  47. Tierfutter: Entwarnung, aber Bedenken bei Innereien
  48. Pferdefleischskandal weitet sich aus
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  50. In Franken vergammeln tonnenweise Äpfel

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