Ochsenfurt/Würzburg

Digitalisierung: Übersetzern und Dolmetschern ist nicht bang

Künstliche Intelligenz wird mitunter als Sargnagel für den Beruf der Übersetzer angesehen. Doch die haben keine Angst, wie ein Treffen in Würzburg zeigen soll.
Dolmetscher wie hier bei der EU-Kommission in Brüssel sind sprachgewandt. Doch: Welche Zukunft hat ihr Beruf mit Blick auf Künstliche Intelligenz?
Dolmetscher wie hier bei der EU-Kommission in Brüssel sind sprachgewandt. Doch: Welche Zukunft hat ihr Beruf mit Blick auf Künstliche Intelligenz? Foto: Maryam Schumacher, dpa

Künstliche Intelligenz vernichtet Jobs, sagen Skeptiker gerne. Berufe wie die des Dolmetschers oder Übersetzers werden in diesem Zusammenhang gerne als Erstes totgeredet, gibt es doch mittlerweile digitale Helfer, die immer intelligenter im Umgang mit Fremdsprachen werden. Auch in Unterfranken beschäftigt sich die Branche mit diesem Thema - aber durchaus mit Zuversicht.

Der Übersetzer aus Fleisch und Blut "wird nach wie vor gebraucht", ist Martin Kuchenmeister aus Ochsenfurt (Lkr. Würzburg) überzeugt. Das Vorstandsmitglied im bayerischen Landesverband der Dolmetscher und Übersetzer will sogar eine steigende Nachfrage nach diesen Experten registriert haben. Allerdings vorrangig in Nischen wie der Justiz oder Medizin, wo in erster Linie komplizierte Fachtexte zu übersetzen seien. Da vertrauten die Auftraggeber auch in Zukunft nicht auf Künstliche Intelligenz, ist Kuchenmeister überzeugt. Vor diesem Hintergrund rät er Seinesgleichen, sich stark zu spezialisieren.

Martin Kuchenmeister aus Ochsenfurt ist Mitglied im bayerischen Landesvorstand des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer.
Martin Kuchenmeister aus Ochsenfurt ist Mitglied im bayerischen Landesvorstand des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer. Foto: Silvia Kaufmann

Nach den Worten des Ochsenfurters hat der Landesverband in Unterfranken 75 Mitglieder. Die Tendenz sei leicht steigend, was für die Stabilität des Berufs der Übersetzer und Dolmetscher spreche. Für sie sei eine Äußerung von Lars Klingbeil nach wie vor "topaktuell": Der SPD-Generalsekretär hatte vor einigen Monaten in einem Interview gesagt, dass Künstliche Intelligenz Berufe wie die der Übersetzer und Dolmetscher verdrängen werde.

Um was es den Dolmetschern in Würzburg geht

Dieses Thema wird an diesem Samstag ein Treffen des Landesverbandes in Würzburg prägen. In der Dolmetscherschule am Paradeplatz wollen Experten die Zukunft der Branche in einer digitalen Welt skizzieren.

Kuchenmeister ist vor dieser Zukunft nicht bang, weil auch weltweit der Bedarf an Übersetzern und Dolmetschern gestiegen sei. Dies führt er auf die Globalisierung zurück und "weil die Welt immer enger zusammenrückt".

Das Treffen in Würzburg ist laut Kuchenmeister in den "Anglophonen Tag" eingebunden, weshalb auch Teilnehmer aus Großbritannien erwartet werden. Den Tag gibt es seit 1984. Er ist als jährlicher Erfahrungsaustausch für Übersetzer und Dolmetscher gedacht, die Englisch und Deutsch als Arbeitssprachen haben.

Übersetzer arbeiten mit geschriebenen Texten, Dolmetscher übersetzen Gesprochenes - mitunter simultan. In beiden Fällen kommen laut Kuchenmeister schon heute digitale Helfer zum Einsatz wie zum Beispiel die weit verbreitete Software von DeepL. Das Kölner Unternehmen setzt Künstliche Intelligenz ein.

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