Schweinfurt

Digitalisierung: Wie ZF die Autowerkstätten voranbringt

Das Auto wird immer digitaler - und mit ihm die Werkstätten. Es geht oft um Einzelteile, aber nicht nur. Schweinfurt spielt dabei im ZF-Konzern eine wichtige Rolle.
In den Autowerkstätten sind Digitalisierung und Elektromobilität längst angekommen (Symbolbild). Dabei spielt ZF in Schweinfurt eine wichtige Rolle. Foto: Oliver Berg, dpa

Die Digitalisierung ist seit langem in aller Munde. Natürlich auch beim Automobilzulieferer ZF mit seinen weltweit über 100 000 Computerarbeitsplätzen. In der Produktion ist die Digitalisierung bereits weit fortgeschritten.

In der ZF-Division Aftermarket mit Sitz in Schweinfurt ist hingegen der Mensch noch oft die Schnittstelle zwischen einzelnen Prozessen. "Da gibt es noch viel Potenzial", sagt Standortleiter Ulrich Walz.

Was Aftermarket bedeutet

Im Logistikzentrum steht er am Wareneingang zusammen mit Teamleiter Udo Dietz. Die Phase der großen Investitionen in Gebäude und Hochregale sei vorbei, jetzt geht es um den Feinschliff. Im Wareneingang werden inzwischen die Produkte für das Ersatzteilgeschäft digital erfasst, danach geht es automatisch auf den Lagerplatz. So gibt es keine Stillstände während der Pausen mehr.

Unter Aftermarket fällt alles, was mit Reparatur oder Wartung zum Beispiel von Autos zu tun hat. In Mitteleuropa stagniert dieses Geschäft seit einigen Jahren, zumindest was die anfassbaren Produkte betrifft.

Wie die Werkstätten an ZF hängen

Ganz anders sieht es bei der Software aus. Die zunehmende Digitalisierung stellt neue Anforderungen an die Werkstätten. An die der Automobilhersteller, vor allem aber auch an die "Freien", von denen ZF Aftermarket mit seinen Programmen Pro-Tech und Pro-Tech plus allein in Deutschland 5200 beziehungsweise 1000 betreut.

In Deutschland liegt das Durchschnittsalter eines Pkw bei 9,7 Jahren - mit Trend nach oben. Ist ein Auto einmal zehn Jahre alt, dann braucht es verstärkt Ersatzteile. Heute sind das oft keine einfachen Stoßdämpfer mehr, um ein Beispiel zu nennen. Viele werden elektronisch geregelt. Und dafür muss der Dämpfer mit der Software des jeweiligen Automobilherstellers kompatibel sein. Sonst geht gar nichts mehr.

Schulung: Was BMW mit ZF zu tun hat

Zu den Programmen von Pro-Tech und Pro-Tech plus gehört ein umfangreiches Schulungsprogramm. "Stark nachgefragt ist das Hochvolt-Training", sagt Walz. Elektrofahrzeuge sind mit 400 bis 800 Volt Spannung und demnächst noch mehr unterwegs. Da werden schon der Sicherheit wegen durch den Gesetzgeber von Mechanikern und Rettungsdiensten besondere Kenntnisse verlangt. Kombiniert mit einem E-Learning-System wird die Schulungszeit – ein Kostenfaktor – reduziert. Selbst BMW lässt seine Mitarbeiter durch ZF Aftermarket schulen.

Ullrich Walz (rechts) ist Standortleiter von ZF Aftermarket in Schweinfurt. Die fortschreitende Digitalisierung zeigt sich auch in der Logistik, wo Udo Dietz den Wareneingang führt. Foto: Karl-Heinz Körblein

Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Fahrzeugen steigen während des Serienanlaufs die Problemfälle. "Wenn es Schwierigkeiten gibt, sind wir gefragt", sagt Walz. Weil viele Komponenten  und komplette Einheiten für den Elektroantrieb - übrigens nicht nur für Kraftfahrzeuge, sondern auch für Baumaschinen, die Landwirtschaft oder die Schiene - aus Schweinfurt mit dem Sitz der Division E-Mobility kommen, sei die dortige Aftermarket-Einheit besonders gefordert.  Mit knapp 800 Mitarbeitern macht sie 20 Prozent des drei Milliarden-Euro-Umsatzes der Division. (Anmerkung der Redaktion: Hier war ursprünglich von drei Millionen Euro die Rede. Diesen Fehler bitten wir zu entschuldigen.)

Was die Zukunft bringt

Kommt ein Fahrzeug mit einer Störung in die Werkstatt eines Herstellers, dann will dieser von seinem Zulieferer das Problem gelöst haben. Oft gehe es nur um Softwarefehler, weiß Walz. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse schlagen sich dann auch bei der Entwicklung und in der Produktion im Unternehmen nieder.

Was bringt die Zukunft? Die Digitalisierung wird weiter fortschreiten. Der Trend hin zum autonomen Fahren stellt das Unternehmen vor neue Herausforderungen und wird den Schulungsbedarf für die Werkstätten verschärfen.

Zuwächse sieht Walz vor allem in China oder Flächenstaaten wie Brasilien oder Argentinien. Dort gibt es in der Regel Vertragswerkstätten der Automobilhersteller lediglich im Weichbild der ganz großen Millionenstädte. Außerhalb sind die Kunden auf freie Werkstätten angewiesen. Allein in China hat ZF bereits 2000 unter Vertrag, 3000 sollen es in absehbarer Zeit werden.

Das macht Walz sicher, dass ZF Aftermarket trotz des stagnierenden Automobilmarktes in Westeuropa wie in den vergangenen Jahren die Beschäftigtenzahl konstant halten kann.

Der ZF-Konzern
Die ZF Friedrichshafen AG ist einer der größten Automobilzulieferer der Welt: 149 000 Mitarbeiter an 230 Niederlassungen in 40 Ländern, 37 Milliarden Euro Jahresumsatz. Das 1915 gegründete Unternehmen war in der Anfangszeit vor allem in der Luftfahrtindustrie aktiv. Heute ist es in neun sogenannte Divisionen unterteilt, darunter E-Mobilität und Aftermarket jeweils mit Sitz in Schweinfurt. Dort beschäftigt ZF rund 9500 Mitarbeiter und ist somit der größte industrielle Arbeitgeber in Mainfranken. Knapp 94 Prozent der nicht börsennotierten ZF-Aktien gehören einer Stiftung in der Regie der Stadt Friedrichshafen.
Die Division Aftermarket steht mit konzernweit 8500 Mitarbeitern für einen Umsatz von drei Milliarden Euro. Sie ist weltweit an 120 Standorten in 40 Ländern aktiv. Die Division hat mehr als 650 Servicepartner und 6500 Werkstätten unter Vertrag. Jährlich nehmen 12 000 Menschen an Schulungen teil. (aug/kör)

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