Würzburg

Enormes Potenzial: Geodaten sind gefragt

Geodaten gelten als wertvoller Rohstoff der deutschen Volkswirtschaft. Das Potenzial ist groß. In Würzburg läuft ein Datenprojekt, das brisante Ergebnisse liefert.
Den Einsatz von Dünger können Bauern mit Hilfe von Geodaten steuern. Solche Daten sind auch für andere Wirtschaftsbereiche interessant geworden.
Den Einsatz von Dünger können Bauern mit Hilfe von Geodaten steuern. Solche Daten sind auch für andere Wirtschaftsbereiche interessant geworden. Foto: Patrick Pleul, dpa

43 Milliarden Euro - so groß ist pro Jahr der volkswirtschaftliche Mehrwert von offen zugänglichen Daten. Wie es in einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung von 2016 weiter heißt, sind jährlich 20.000 neue Arbeitsplätze in dieser Hinsicht drin. So oder so: Geodaten sind für viele Unternehmen ein wertvoller Rohstoff - auch in Mainfranken.

Die Green Spin GmbH in Würzburg ist ein Beispiel dafür. Das vor fünf Jahren gegründete Unternehmen bereitet Geodaten so auf, dass sie in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Mit den Daten könne "jedes landwirtschaftliche Feld auf dem Planeten" überwacht werden. Damit sind Bauern laut Green Spin zum Beispiel in der Lage, den Einsatz von Dünger pro Acker genau zu planen und Ernteerwartungen digital abzurufen.

Zum Beispiel Green Spin: Genaue Daten für den Acker

Für diesen Zweck nutzen Geschäftsführer Sebastian Fritsch und seine sieben Mitarbeiter unter anderem kostenlose Daten, die von Satelliten kommen. Das preisgekrönte Start-up kann gut davon leben: Der Jahresumsatz liegt laut Fritsch bei knapp 200.000 Euro - "Tendenz deutlich steigend". Generell täten sich bei Geodaten "komplett neue Märkte auf", ist sich Fritsch sicher.

Viele Möglichkeiten der Geodaten kennt Otto Normalverbraucher längst: Google Maps, Online-Verfolgung von bestellten Waren, Navigationshilfen oder Wetterkarten. Gerade beim Wetter haben Geodaten eine globale Bedeutung: Wie und wo sich der Klimawandel auswirken wird, kann mit diesem Instrument vorhergesagt werden. Geodaten spielen zum Beispiel auch in der Städteplanung, im Rettungswesen, im Landschaftsbau oder in der Forschung eine Rolle.

Treffen in Würzburg zeigte, was der Klimawandel in Unterfranken anrichtet

Das wurde am Dienstag in Würzburg beim "Innovationsforum Mainfranken" deutlich. Thema dieses Expertentreffens der Region Mainfranken GmbH, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt und der Würzburger Universität waren "Geodaten als Treibstoff für die Wirtschaft". Dass sie gerade in der Kombination Agrar und Klimawandel zum Tragen kommen, machte Uni-Professor Heiko Paeth deutlich. Der Geograf arbeitet mit Informatikern der Hochschule um Professor Andreas Hotho seit eineinhalb Jahren an dem interaktiven Webportal BigData@Geo, das die Folgen des Klimawandels in Unterfranken sozusagen auf den Quadratmeter genau zeigen soll.

Der Klimawandel wird den Weinbau in Unterfranken - hier die Ernte in Thüngersheim bei Würzburg - gravierend ändern. Das wissen Forscher der Uni Würzburg anhand von Geodaten.
Der Klimawandel wird den Weinbau in Unterfranken - hier die Ernte in Thüngersheim bei Würzburg - gravierend ändern. Das wissen Forscher der Uni Würzburg anhand von Geodaten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Obwohl das unter anderem für Landwirte gedachte Webportal noch in der Testphase ist, weiß Paeth anhand der Geodaten schon jetzt: Bis Ende des Jahrhunderts wird Weinbau in ganz Unterfranken möglich sein, also auch in bislang nahezu rebenlosen Gegenden wie der Rhön oder dem Nordspessart. Mehr noch: Weil es in der Region immer wärmer werden wird, weichen fast überall die klassischen Rebsorten wie Müller-Thurgau oder Silvaner solch mediterranen wie Cabernet oder Merlot.

Es wird 25 Mal mehr Hitzetage geben

Wenn das so weit ist, dann laufen die Menschen in Unterfranken deutlich länger als bisher in kurzen Hosen herum. Denn Paeth zufolge wird es gegen Ende des Jahrhunderts 25 Mal mehr Hitzetage geben als bisher. Was das nicht nur für die Winzer, sondern auch für die Land- und Forstwirte der Region bedeutet, soll das mit Geodaten gespeiste und von der EU mit 1,9 Millionen Euro geförderte Webportal BigData@Geo darlegen.

Schon jetzt weiß Paeth anhand der Geodaten auch: Weil zu wenig Regen fällt, habe sich seit 2015 in Unterfranken kein neues Grundwasser gebildet. Die Region ist also regelrecht am Austrocknen und nach den Worten des Geografie-Professors in Bayern ein Hotspot des Klimawandels.

Wie Unternehmen profitieren können

Während Paeth und Co. an der Würzburger Uni ihr Augenmerk darauf gerichtet haben, gibt es mittlerweile auf dem Geodaten-Markt Anbieter mit ganz anderen Ausrichtungen. Das Marktforschungsinstitut GfK in Nürnberg ist ein solcher. Es macht mit Geomarketing im Jahr 11 Millionen Euro Umsatz.

Wie GfK-Teamleiter Hendrik Wagenseil beim "Innovationsforum Mainfranken" in Würzburg weiter sagte, seien unter den Kunden zum Beispiel Unternehmen, die neue Filialen errichten wollen. In welchem Stadtviertel es welche Kaufkraft oder welche demografischen Fakten gibt und wo sich somit Niederlassungen lohnen, das lasse sich mit Hilfe von Geodaten herausfinden.

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