BRÜSSEL

Euro-Club unter neuer Leitung

Neuer Eurogruppenchef: Jeroen Dijsselbloem DPA
Neuer Eurogruppenchef: Jeroen Dijsselbloem DPA Foto: Foto:

„Mister Europa“ geht, „der rote Ingenieur“ kommt. Der Amtswechsel an der Spitze der Euro-Gruppe ist vollzogen. Am Montagabend wählten die 17 Finanzminister der Währungsunion den 46-jährigen Niederländer Jeroen Dijsselbloem zu ihrem neuen Vorsitzenden – und verabschiedeten damit nach acht Jahren den Luxemburger Jean-Claude Juncker (58) aus diesem Amt. Die Abstimmung ist nur der Vollzug einer Notwendigkeit. Und nicht einmal der Personalvorschlag kommt wirklich überraschend.

Lange galt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als gesetzt – bis sich Frankreichs neuer Staatspräsident François Hollande querlegte. Als Anwalt der Südländer in der Euro-Zone mochte er den für seinen eisernen Sparkurs berüchtigten deutschen Kassenwart nicht unterstützen. Der revanchierte sich auf seine Weise, indem er forderte, dass der neue Chef des elitären Währungsclubs nur aus einem Land mit AAA-Bestnote kommen dürfe. Damit war sein französischer Amtskollege Pierre Moscovici ebenfalls aus dem Rennen. Denn nur noch drei Staaten mit Gemeinschaftswährung können die höchste Wertung der Bonitätsprüfer vorweisen: Deutschland, Luxemburg und die Niederlande. Damit lief alles auf den erst vor drei Monaten ernannten Finanzminister aus Den Haag zu, der mit Finanzpolitik eigentlich gar nichts am Hut hatte. Und der nicht wenigen als Fortsetzung einer Politik der schwachen Führungsfiguren gilt, damit die starken Mitgliedstaaten sich leicht tun, ihren Kurs durchzusetzen.

Jeroen Dijsselbloem (sprich: Jeruun Deisselblum) wurde in Eindhoven geboren. Er studierte Agrarökonomie in Wageningen. Im irischen Cork schloss er seine Universitätsausbildung ab. Seither spricht er fließend Englisch. Mit 19 Jahren trat er der sozialdemokratischen Arbeiterpartei PvdA bei, engagierte sich vor allem für die Landwirtschaft. „Die roten Ingenieure“ wurde die Gruppe genannt, der er sich zusammen mit seinem Freund Diederick Samsom anschloss. Beide lenken heute die Geschicke der Sozialdemokraten in unserem Nachbarland. Zehn Jahre widmete sich Dijsselbloem vor allem Bildungs- und Jugendhilfefragen. Nach der letzten Wahl 2012 holte ihn Parteichef Samsom, der als Vizekanzler einer großen Koalition in das Kabinett von Ministerpräsident Mark Rutte eintrat, seinen Jugendfreund als Finanzminister. „Es geht in den Niederlanden wie in Europa darum, das Vertrauen in den Euro wiederherzustellen“, nennt er sein Programm. Das klingt nicht gerade überraschend. Starke Sprüche sind seine Sache nicht. Anders als sein Vorgänger an der Spitze der Eurogruppe gilt Dijsselbloem nicht als ein Mann, der sich gerne in Interviews über die Philosophie Europas ergeht. Sachfragen sind sein Handwerk. Er gilt als „nüchtern und kompetent“, erzählen niederländische Parteifreunde aus dem Europäischen Parlament über ihn. „Der geht zum Lachen in den Keller“, heißt es aber auch.

Tierarzt wäre der neue Euro-Gruppen-Chef gerne geworden. Noch heute lebt er auf einem Hof, nennt mehrere Schweine sein Eigen. Und fährt liebend gerne einen Ford Mustang. Ob der Jazz-Liebhaber für seine Hobbys und seine Familie demnächst noch viel Zeit haben wird, ist offen. Die Niederlande stehen vor großen Problemen. In Brüssel sind es kaum weniger. „Jeden Tag musst du dich vier Stunden um die Euro-Zone kümmern“, hat Jean-Claude Juncker einmal über seinen Job gesagt. Er wird Dijsselbloem auf die Finger sehen. Denn als Finanzminister des Großherzogtums Luxemburg gehört er weiter dem Kreis an, dem er so viele Jahre lang vorstand.

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