Würzburg

Fachkräfte gesucht: Erfahrung ist der größte Schatz

Ältere Kollegen werden zunehmend wertgeschätzt. Das ist angesichts der demografischen Entwicklung auch bitter nötig: Vielen Firmen fehlen schon jetzt Fachkräfte.
Ältere Arbeitnehmer werden zunehmend geschätzt. Denn schon jetzt fehlen viele Fachkräfte.  Foto: Romina Birzer

Schon 2018 fehlten der mainfränkischen Wirtschaft über alle Branchen hinweg rund 20 000 Fachkräfte. Bis zum Jahr 2030 steigt der Engpass auf 45 000 Personen an. Das ist das Ergebnis des IHK-Fachkräfte-Reports 2018. "Wir müssen schauen, dass das Potential älterer Arbeitnehmernicht verloren geht", sagt Lukas Kagerbauer, Bereichsleiter Berufsausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt. Von einem Fachkräftemangel spricht man, wenn es für Unternehmen nicht möglich ist, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden. Dies kann dazu führen, dass Betriebe oder ganze Wirtschaftszweige weniger wachsen als es mit entsprechendem Fachpersonal möglich gewesen wäre. 

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Gesundheitszirkel und Inhouse-Massagen

Einige Firmen haben das Problem bereits erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen. Beim Logistik- und Speditionsunternehmen Teamlog in Aschaffenburg sind Arbeitskräfte zwischen 55 und 65 Jahren willkommen. "Ältere Arbeitnehmer ab Mitte 50 haben oft die Familienphase hinter sich und so mehr Muse, sich im Beruf zu verwirklichen", sagt Irina Oberding, zuständig für Personal und Entwicklung bei Teamlog. "Wir setzen ganz stark auf Weiterbildung und wir nehmen daher auch ältere Quereinsteiger." Die Gesundheit der Mitarbeiter sei dem Unternehmen wichtig. Teamlog biete einen Gesundheitszirkel und Zuschüsse zu Massagen, die im Unternehmen angeboten werden.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei eine höhere und längere Erwerbsbeteiligung Älterer dringend nötig. "Nur so werden wir den Fachkräftebedarf decken können. Frühverrentungsanreize wie die ‚Rente mit 63‘ müssen daher abgeschafft werden“, fordert Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Bereits heute ist rund ein Viertel der Erwerbstätigen In Deutschland älter als 55 Jahre. Das Durchschnittsalter der mainfränkischen Arbeitnehmer beträgt derzeit 43,9 Jahre und wird bis zum Jahr 2030 auf 48,8 Jahre steigen. "Am höchsten ist das Alter in Schutz-, Sicherheit- und Überwachungsberufen", sagt Isabel Schauz, zuständig für die Fachkräftesicherung bei der IHK. 

Lebenslanges Lernen ist wichtig

Allerdings müssen die Älteren auch bereit sein, sich weiterzubilden. "Ohne lebenslanges Lernen geht heute nichts mehr", sagt Kagerbauer. Die Firmen können einiges tun, um junge Fachkräfte zu bekommen und gleichzeitig ältere Mitarbeiter zu halten. "Nichts zu tun, wäre fahrlässig", so der IHK-Bereichsleiter. "Die Betriebe sollten ihre Mitarbeiter lebensphasenorientiert fördern", erklärt Schauz. Die Bedürfnisse von Älteren sind andere, als die von Jüngeren, gerade wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Es sei wichtig, auf zielgruppenspezifische Angebote zu achten, sonst würden die Angebote gar nicht angenommen.

Ältere Beschäftigte haben nach Erkenntnissen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin folgende Stärken: Sorgfalt, Erfahrung, Motivation, Loyalität, Verantwortung und eine gute Risiko-Einschätzung. "Erfahrung bekommt man nur über die Zeit, man kann sie nicht in einem Crashkurs erreichen", sagt Kagerbauer.

Was tun Firmen für ältere Arbeitnehmer? Isabel Schauz, Referentin Fachkräftesicherung, und Bereichsleiter Berufsausbildung Lukas Kagerbauer von der IHK Würzburg, geben Auskunft. Foto: Thomas Obermeier

Viele Mitarbeiter über 60 Jahre beschäftigt die Firma Wiedenmann-Seile in Marktsteft (Lkr. Kitzingen). "Wir bieten flexible Arbeitszeiten und kümmern uns auch um eine optimale Arbeitsplatzgestaltung", sagt Beate Etzelmüller, Familienbeauftragte bei Wiedenmann-Seile. "Wir gehen auf die einzelnen Mitarbeiter ein, denn wir haben ja auch eine Fürsorgepflicht gegenüber der Belegschaft." Einmal im Jahr findet dort zum Beispiel ein Gesundheitstag statt, bei dem sich alles um Rückenschule, richtiges Heben, Stressbewältigung und gesunde Ernährung dreht.

"Man versucht, die Belegschaft gesünder im Betrieb zu halten. Die Ressource wird gebraucht", bestätigt auch Isabel Schauz von der IHK einen allgemeinen Trend. Gesundheitsmanagement bieten bereits die meisten Betriebe an, genau wie altersgerechte Arbeitsmittel wie Hebehilfen oder Computerlesebrillen. Viele setzten zudem auf altersgemischte Teams. "Der richtige Mix aus jung und alt funktioniert am besten", bestätigt auch Beate Etzelmüller.

Tipps, was Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter tun können
  • Gesundheits-Checkups: Viele Betriebe bieten kostenlose Gesundheits-Checkups an, wie zum Beispiel Belastungs-EKG, Augenscreening, Rückentest, Hautscreening, Blutwert-Check und vieles mehr.                                                                                                                           
  • Pausengymnastik: Rückenschule, Yoga, Stretching oder Gymnastik auf dem Bürostuhl - jeweils eine halbe Stunde Übungen am Tag halten die Mitarbeiter fit. Der Arbeitgeber könnte auch eine wöchentliche Laufgruppe initiieren oder zur Treppennutzung anregen.
  • Aktionstage rund um die Gesundheit: Das Motto könnte zum Beispiel sein: "Fit in den Frühling", wobei Walking mit der Belegschaft angeboten, ein Safttag eingeführt oder einfach mal ein Obstkorb ins Büro gestellt wird. Einige Betriebe stellen ihren Mitarbeitern auch täglich eine Flasche Wasser auf den Schreibtisch, damit sie genug trinken.
  • Führungskräfte sensibilisieren: Führungskräfte sollte einen Blick auf die Gesundheit der Mitarbeiter haben. Sie sollten dabei sensibel sein für Stress und psychische Erkrankungen.
  • Bewegungsanalysen der Arbeitsabläufe: Egal ob Mitarbeiter am Schreibtisch tätig sind oder in einem Produktionsbetrieb – ergonomische Arbeitsplätze tragen zur Erhaltung der Gesundheit bei. Eine Bewegungsanalyse der Arbeitsabläufe kann helfen, den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass die Arbeit körperschonend verrichtet werden kann.                                                   (Quelle: IHK, Isabel Schauz)

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