MÜNCHEN/BERLIN

Frost macht der Wirtschaft zu schaffen

Die Arbeit ruht: Viele Baustellen gehen wegen des anhaltenden Frostes nicht voran. Foto: dpa

Der Kaltstart ins Frühjahr hat der deutschen Wirtschaft zugesetzt. Bei frostigen Temperaturen sind die Geschäfte witterungsabhängiger Branchen in den vergangenen Wochen nur schleppend in Gang gekommen. Im Jahresverlauf dürften die Wirtschaftszweige das schwierige erste Quartal aber wieder ausgleichen können, erwarten Konjunkturforscher. „Das kennt man ja: Wenn man irgendwo im Stau stand, dann drückt man danach eben etwas mehr aufs Gas, dann geht es wieder voran“, sagt Simon Junker vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Vor allem bei den Bauunternehmen lagen viele Projekte in den ersten Monaten dieses Jahres buchstäblich auf Eis. Gut drei Viertel der Firmen klagten bei einer Befragung im März über Probleme durch den Dauerwinter. Betroffen seien vor allem der Straßen- und der Leitungsbau, sagt Heiko Stiepelmann vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Das dürfte auch zu spürbaren Produktions- und Umsatzausfällen führen. „Die Branche ist vom Winter hart getroffen.“ Die Stimmung für das Gesamtjahr bleibe aber dennoch positiv. Man sei auch auf härtere Winter eingerichtet, und vor allem größere Firmen könnten solche Phasen durchfinanzieren, sagt Stiepelmann. Wenn der Frühling dann endlich Einzug halte, müssten die Projekte möglichst schnell nachgeholt werden.

Auch die Landwirtschaft muss sich nun mühsam aus der Winterstarre befreien. Bisher konnten die Bauern ihre Felder wegen Schnee und Eis vielerorts nicht vorbereiten, das hat sie bei den Frühkartoffeln und der Aussaat des Sommergetreides um Wochen in Verzug gebracht. Die Schäden für die Bauern seien bisher noch nicht absehbar, sagt der Sprecher des Deutschen Bauernverbandes, Michael Lohse. Aber selbst wenn es voraussichtlich ab kommender Woche wärmer wird, können die Landwirte noch nicht gleich an die Arbeit gehen, denn der Boden muss erst tauen und trocknen, um ihn mit den Schleppern befahren zu können.

Auch Deutschlands größter Agrarhandelskonzern BayWa aus München spürt die Probleme der Bauern. Vor allem das Düngergeschäft, aber auch der Absatz von Baustoffen verzögerte sich in den ersten Monaten, wie eine Unternehmenssprecherin berichtet. „Die Erfahrung ist aber auch: Wenn es nur kürzere Perioden gibt, um Dünger einzusetzen, dann wird auch schon mal das ein oder andere mehr eingesetzt.“ Man rechne daher lediglich mit einer Verschiebung und nicht mit regelrechten Umsatzausfällen.

Frostig fiel der Saisonstart auch in Textilwirtschaft und Bekleidungseinzelhandel aus. „Bei solchen Temperaturen kauft man sich keine Frühjahrs- und Sommermode“, sagt der Geschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland, Kai Falk. Weil die Branche stark von spontanen Käufen bei Shoppingtouren der Kunden lebt, sind Umsatzverluste in diesem Bereich nur schwer vollständig auszugleichen. Besser dürfte es für die Baumärkte aussehen, die wegen des Dauer-Winters bisher auf Balkon- und Terrassenmöbeln, Gartenbepflanzungen und Blumenkästen weitgehend sitzen geblieben sind. „Wenn es nächste Woche plötzlich Sommer wird, dann strömen die Kunden erfahrungsgemäß wieder in die Baumärkte“, sagt Falk. Insgesamt sei der Einzelhandel nach einem recht stabilen Jahresbeginn nicht allzu pessimistisch.

Auf dem an sich robusten deutschen Arbeitsmarkt verzögerte die Kälte zuletzt den üblichen Frühjahrsaufschwung. So hätten die Baufirmen teils vorübergehend Personal freigesetzt, weil sie Arbeiten verschieben mussten, sagt DIW-Experte Junker. „Aber die werden dann wieder auf die Baustellen geholt, wenn die Projekte nachgeholt werden.

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