Marktheidenfeld

Hilite-Geschäftsführer: Keine Angst vor Elektroautos

Jochen Wieland ist seit zwei Jahren Geschäftsführer von Hilite. Es liegen dunkle Wolken über der Automobilbranche. Foto: Martin Hogger

Wo ein Tornado auf ein Hindernis trifft, bleibt nur noch Schutt und Asche zurück. Aus Filmen kennt man solche Szenen. Autos werden durch die Luft gewirbelt, Häuser stürzen ein und Menschen flüchten sich in Bunker. Nur im Auge des Sturms, umgeben von Chaos, ist alles ruhig. Die Automobilbranche hat gerade viel von einem Katastrophenfilm.

Vor allem die Zulieferer fürchten um ihre Existenz. Nur um einige Beispiele zu nennen: Bosch wird 2600 Jobs in der Antriebssparte streichen, die großen Zulieferer Weber Automotive und Eisenmann haben bereits Insolvenz angemeldet. Da überrascht gerade eine Nachricht aus Marktheidenfeld.

Dort befindet sich der Hauptsitz von Hilite. Das Unternehmen stellt Motor- und Getriebeanwendungen her. Hauptkunde ist Volkswagen. Während also der Sturm über das Land der Automobil-Branche fegt und viele Zulieferer versuchen zu retten, was zu retten ist, baut Hilite den Standort Marktheidenfeld aus. Wie haben sie das geschafft? 

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Hilite wuchs in den vergangenen Jahren rasant

Um diese Frage zu beantworten, hat sich Hilite-Geschäftsführer Jochen Wieland Zeit für diese Redaktion genommen. Seit zwei Jahren ist der 54-Jährige bei Hilite. Er sitzt im Erdgeschoss des Hauptsitzes. Später am Tag wird er noch den ersten Spaten für ein neues Logistikzentrum in den Boden nebenan stechen, der Ausbau im Auge des Sturms. Dieses sei aber unbedingt nötig gewesen, sagt er. In den vergangenen drei Jahren habe sich die Mitarbeiterzahl um mehr als 40 Prozent vergrößert, heißt es aus dem Unternehmen, in nur zwei Jahren der Umsatz in Marktheidenfeld verdoppelt. Hilite wuchs so schnell, dass die Gebäude ausgingen. Rückblickend sagt Wieland: "Das Dringende war der Feind des Wichtigen."

Wie aber kam es zu dem starken Wachstum? Während viele Manager sich bei einer solchen Frage selbst auf die Schulter klopfen, sagt Wieland lediglich nüchtern: "Wir stellen hauptsächlich Teile für Benzinmotoren her. Wegen des Dieselskandals haben wir  Sonderkonjunktur gehabt." Während sich bei vielen Mitbewerbern Zukunftsangst breit machte, kam man bei Hilite kaum hinterher. 

Die Firma Hilite baut eine neue Halle auf ihrem Grundstück. Am vergangenen Freitag war hier Spatenstich. Foto: Martin Hogger

Hilite will so ressourcenschonend wie möglich produzieren

Die Produkte, die Hilite herstellt und vertreibt, sind eher Spezialisten bekannt. Der "Vanecam-Nockenwellenversteller" soll zum Beispiel für maximales Drehmoment bei niederen Drehzahlen sorgen, was Abgase und Kraftstoffverbrauch verringern soll. Wieland sagt: "Alle unsere Produkte tragen zur CO2-Reduzierung bei. Das macht den Verbrennungsmotor nicht CO2-neutral, aber besser."

Hilite profitiert also von genau dem Wandel, vor dem die Branche Angst hat. Als Volkswagen, einer der größten Abnehmer von Hilite-Produkten, im Juli ankündigte, dass die Zulieferer nachhaltiger arbeiten sollten, tat Hilite das schon.

Kostet Nachhaltigkeit nicht viel zu viel Geld im täglichen Preiskampf zwischen den Zulieferen? Wielands Antwort ist eindeutig: "Wir sind kein Wohlfahrtsverein." Man arbeite ressourcenschonend, weil es Geld spart. Das neue Logistikzentrum direkt neben dem Hauptsitz baue das Unternehmen, weil kürzere Wege die Effizienz steigern und Geld sparen. Dass Hilite damit auch der Umwelt 250 000 Lastwagenkilometer von der Autobahn nimmt und 178 Tonnen CO2 pro Jahr einspart, wie er dem Reporter vorrechnet, ist ein erfreuliches Nebenprodukt. "Es ist schön, wenn man beides kombinieren kann", sagt Wieland und lächelt. 

Wieland hat keine Angst vor Mobilitätswende

Doch irgendwann wird auch der Verbrennungsmotor ausgedient haben. Wieland ist überzeugt davon, dass die Zukunft elektrisch ist. "In 20 Jahren gibt es in den entwickelten Ländern keinen Verbrennungsmotor mehr", sagt er. Aber da müsse Hilite keine Angst haben, sondern sich anpassen. Auch Elektromotoren bräuchten Kühl- und Flüssigkeitskreisläufe, sagt Wieland. Angesprochen darauf, ob ein Ausbau der Bahn Konkurrenz für Autos sein werde, muss Wieland lachen. Das sagt genug. Auch Carsharing werde kein super schneller Prozess sein, glaubt Wieland. Man habe immer Zeit, zu reagieren. "Für mich sind das Trends. Die werden auch passieren, aber eben nicht so rasant wie bei Telefon und Smartphone."

Später am Tag steht Wieland zwischen einem Haufen Menschen in Anzug und Kostüm auf der Wiese neben Hilite. Die obligatorischen und weißen Helme für das ebenso obligatorische Spatenstich-Foto stehen schon bereit. Er schreitet zum Rednerpult. Den Himmel über ihm füllen dunkle Wolken. Es wirkt tatsächlich, als würde sich ein Sturm anbahnen. "In einem Gespräch vorher hat mich die Presse gefragt, warum wir uns in so stürmischen Zeiten nicht in einer Hütte verstecken, sondern die Hütte noch ausbauen", sagt er und wartet einen Moment ab. "Weil wir es können."

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