Würzburg/Coburg

IG Metall kritisiert Brose-Gesellschafter Stoschek

Deutliche Worte über die Einstellung mancher Mitarbeiter hat Brose-Gesellschafter Michael Stoschek gefunden. Dafür erntet er jetzt nicht minder deutliche Kritik.
Klare Worte hat Michael Stoschek als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von Brose in einem Interview gewählt. Dafür gibt es jetzt Gegenwind von der IG Metall. Foto: David-Wolfgang Ebener, dpa

Gegenwind von der IG Metall hat Brose-Gesellschafter Michael Stoschek für seine deutlichen Worte über den Krankenstand in seinem Unternehmen bekommen. Stoschek hatte im Interview Mitarbeiter kritisiert, die "wiederholt am Freitag oder am Montag nicht zur Arbeit erscheinen oder sich wegen einer Bagatelle unangemessen lange krankschreiben lassen". Der Enkel des Firmengründers Max Brose hat damit eine Grundsatzdebatte angestoßen.

IG Metaller sagt: "Das sind Allgemeinplätze"

Dass ein Chef Mitarbeitern unterstelle, nicht genügend zu Leistung bereit zu sein, "ist eine Denke wie vor 30 Jahren", kritisierte am Dienstag Peter Kippes von der IG Metall in Schweinfurt die Worte von Stoschek. "Das sind Allgemeinplätze, die er da loslässt." Steigt der Krankenstand in einer Firma, dann könne das zum Beispiel ein Indiz für schlechtes Betriebsklima sein - was wiederum eine Aufgabe für die Unternehmensführung sei.

Eine Meinung, die auch Online-Leser der Main-Post vertreten. In Kommentaren zum Stoschek-Interview ist zu lesen, dass "ein permanent hoher Krankenstand in erster Linie ein markantes Signal ist, dass in einer Abteilung oder einem Betrieb vieles im Argen liegt".

Brose äußerte sich nicht

Indes gab man sich bei Brose am Dienstag zugeknöpft. Konzernsprecher Jürgen Hoffmeister teilte mit, "dass wir uns über die bereits gemachten Aussagen hinaus nicht äußern werden". Damit machte der Sprecher auch keine Angaben zum Krankenstand zum Beispiel im Werk Würzburg mit seinen 1800 Beschäftigten. Werksleiter Bernd Kaufer wollte auf Anfrage der Redaktion ebenfalls nur wenig zur Wirkung des Stoschek-Interviews sagen: Was die Gemütslage in seinem Umfeld angeht, "bin ich noch am Sammeln".

Auch die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) hielt sich am Dienstag zurück. Pressesprecher Hendrik Steffens teilte mit, dass der unternehmernahe Verband "generell keine Aussagen im Bezug auf unsere Mitgliedsunternehmen" mache.

IG Metall spricht von Unverschämtheit

Deutlicher wurde die IG Metall in Bamberg, wo der Coburger Automobilzulieferer Brose ebenfalls eine große Niederlassung hat. Zu behaupten, dass nur noch an jedem zweiten Tag gearbeitet werde, sei eine Unverschämtheit, sagte Erster Bevollmächtigter Matthias Gebhardt dem "Fränkischen Tag".

Beim Thema Krankheitszahlen sprach der IG-Metall-Bevollmächtigte von "bewusster Irreführung der Öffentlichkeit" und "Diffamierung der Arbeitnehmer". An den Brose-Standorten Hallstadt und Bamberg etwa liege die Krankenquote bei 4,625 Prozent, was wiederum im Durchschnitt der bayerischen Metall- und Elektroindustrie liege.

Was Experten zu Fehlzeiten sagen

Sie sei aber in der Produktion deutlich höher als in Entwicklung oder Verwaltung. "Da muss man sich aber auch mal fragen, warum dies so ist", sagte Gebhardt. In der Produktion gebe es gesundheitsbedingte Langzeitausfälle, zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, die die Statistik dementsprechend beeinflussten.

Krankheitsbedingte Fehlzeiten hängen nach Angaben des WIdO, des Wissenschaftlichen Instituts der Krankenkasse AOK, stark vom Beruf ab. Laut der im März veröffentlichten Analyse nahmen 2018 bei den Krankheitstagen Berufsgruppen aus den Bereichen Ver- und Entsorgung mit 32,5 Fehltagen pro Jahr den Spitzenplatz ein, gefolgt von den Straßen- und Tunnelwärtern (31,4 Fehltage) und den Berufen in der industriellen Gießerei (30).

Diese Berufsgruppen hätten hohe körperliche Arbeitsbelastungen. Die niedrigsten Fehlzeiten hatten laut Analyse Berufe in der Hochschullehre und -forschung (4,6 Fehltage) und in der Softwareentwicklung (7,7).

(Mitarbeit: irfe/zl)

 

Ergänzung, 18. November:
Brose hat auf die harsche Kritik der IG Metall an Brose-Gesellschafter Michael Stoschek am Montag, 18. November, mit einem offenen Brief geantwortet. Das Unternehmen „respektiert nachweislich jede echte Arbeitsunfähigkeit“ und unterstütze die Mitarbeiter bei längeren Krankheiten, schreibt Personalchef Frank Hirschmann.

Stoschek hatte in einem Interview mit dieser Redaktion unter anderem moniert, dass Brose-Mitarbeiter wiederholt freitags oder montags nicht zur Arbeit erscheinen oder sich wegen einer Bagatelle lange krankschreiben ließen. Stoschek zog damit unter anderem die Kritik der IG Metall in Bamberg auf sich.

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