Würzburg/Regensburg

Kassenbon-Pflicht: Start-up will Zettelflut mit App eindämmen

Lea Frank ist geborene Würzburgerin und Gründerin eines Start-ups, das eine App entwickelt hat, mit der Bons papierlos ausgegeben werden können. Was ihr Ansporn war.
Kassenzettel über Kassenzettel: Durch die neue Bonpflicht entsteht immer mehr Papiermüll. Doch das Thermopapier muss separat von anderen Papieren entsorgt werden. Eine Gründerin aus Würzburg hat da eine Idee.  Foto: Jan Woitas/dpa

Seit 1. Januar dieses Jahres müssen Einzelhändler und Gastronomen bei jedem Verkauf einen Kassenbon ausdrucken. Damit will die Bundesregierung Steuerbetrug durch manipulierte Ladenkassen eindämmen. Vor allem bei Gastronomen kommt die Bonpflicht alles andere als positiv an, denn die Folge ist eine oft unüberschaubare Kassenzettelflut.

Doch neue Gesetze bringen nicht ausschließlich Verlierer hervor. Lea Frank hofft, zu den Gewinnern der neuen Regelung zu gehören. Die 24-jährige geborene Würzburgerin lebt nun in Regensburg und hat dort mit mit zwei Freunden das Start-up "Anybill" gegründet. Mithilfe der gleichnamigen App wollen sie gemeinsamen Kassenbons digitalisieren. Was sie genau vorhaben und wie es zu dieser Idee kam, erzählt Frank im Gespräch.

Lea Frank aus Würzburg ist Mitgründerin des Start-ups "Anybill". Das Jungunternehmen hat eine App auf den Markt gebracht, die der Kassenzettelflut den Kampf ansagt. Foto: techreach

Frage: Mal Hand aufs Herz, was ist Ihre persönliche Meinung zur Bonpflicht?

Lea Frank: Die aktuelle Kritik halte ich in dieser Form für falsch, zumal Belege in der Zukunft natürlich auch digital an den Kunden übergeben werden können. Es wird häufig lediglich mit dem Argument des erhöhten Papierverbrauchs argumentiert, jedoch wird die Problematik des Bondruckes nicht dauerhaft bestehen bleiben, da bereits entsprechende digitale Lösungen vorhanden sind und zur Verfügung gestellt werden. Vielen ist der eigentliche Hintergrund der Belegausgabepflicht gar nicht bekannt. Der Beleg, egal ob gedruckt oder digital ausgestellt, ist der Nachweis für den ordnungsgemäßen Buchungsvorgang im Kassensystem. Wird kein Beleg ausgestellt, besteht die Gefahr, dass die Umsätze im Nachhinein gelöscht werden können und die Buchungen nicht im Fiskaljournal eingehen. Dadurch wird Betrug vorgebeugt.

Hat die Bonpflicht, wie sie momentan in Kraft ist, eine Zukunft?

Frank: Ich bin fest davon überzeugt, dass sich digitale Lösungen durchsetzen werden und somit das Argument des enormen zusätzlichen Papierverbrauchs entkräftet wird. Da hinter der Bonpflicht ein ganzes Kassengesetz, die Kassensicherungsverordnung, steht, können wir sicher sein, dass diese vorerst bestehen bleibt beziehungsweise umgesetzt werden wird. Wie bereits im Gesetz geregelt ist, können sich vereinzelt Unternehmen auch von der Belegausgabepflicht befreien lassen – es bleibt abzuwarten, in welchen Fällen eine derartige Befreiung genehmigt wird.

"Jedes Mal, wenn ich den Kassenbon gebraucht hätte, war dieser entweder verblasst oder schlichtweg nicht auffindbar."
Lea Frank - Start-up "Anybill"

Welche alternativen Lösungsvorschläge haben Sie?

Frank: Wir bei Anybill haben eine digitale und somit zeitgemäße sowie umweltfreundliche Lösung für die Bonpflicht. Mit der Anybill-App erhalten Kunden alle Kassenbons direkt an der Kasse digital auf das Smartphone. Die User haben somit die Möglichkeit, alle Belege zentral in einer App zu verwalten und profitieren zudem von weiteren Features wie dem integrierten Ausgabenmanager, einem Garantie-Tracker und Exportfunktionen der Belege für die Buchhaltung oder Steuererklärung. Durch die Digitalisierung der Kassenbons wird Thermopapier eingespart, und für eingesparte Kassenzettel werden zudem Bäume gepflanzt. Da das Smartphone mittlerweile ein fester Bestandteil unseres Alltags ist und auch beim Einkaufen wie beispielsweise für Mobile Payment nicht mehr fehlen darf, sind wir fest davon überzeugt, dass digitale Lösungen Zukunft haben.

Die beiden Geschäftsführer des Café Cosmo in Würzburg, Laura Kelly und Gregor Henneberger, sind alles andere als zufrieden mit der Bonpflicht. Sie stört vor allem die Kassenzettelflut der Umwelt zuliebe.  Foto: Thomas Obermeier

Wie kam es zu der Idee, eine App für Belege zu entwickeln?

Frank: Die Idee für Anybill entstand durch einige schlechte Erfahrungen in Verbindung mit nicht mehr lesbaren Kassenzetteln in Garantiefällen oder verlorenen Bons für Rückgaben, und noch dazu ärgerte mich die unnötige Papierverschwendung. Jedes Mal, wenn ich den Kassenbon gebraucht hätte, war dieser entweder verblasst oder schlichtweg nicht auffindbar. Zudem werden Belege häufig noch weiterverwendet und müssen beispielsweise archiviert werden für die Buchhaltung oder auch privat teilweise für die Steuererklärung.  Also musste eine digitale und zeitgemäße Lösung gefunden werden.

Wie funktioniert das System genau?

Frank: Um den Kassenzettel digital in die Anybill-App zu erhalten, lässt der Kunde den in der App angezeigten QR-Code am Scanner der Kasse erfassen. Nach Scannen des QR-Codes übermittelt das Kassensystem die Belegdaten uber eine Schnittstelle an das Anybill-System. Um die Anybill-Schnittstelle zu bedienen, wird beim teilnehmenden Partner ein Programm in das Kassensoftwaresystem integriert, es bedarf jedoch keinerlei zusätzlicher Hardware. Direkt nach Scannen des QR-Codes wird dem Kunden der Beleg digital in der App angezeigt.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Kunden und Händlern?

Frank: Die Akzeptanz ist durchwegs positiv, und viele Kunden würden die Lösung gerne überall einsetzen können, zum einen, um auf Papier zu verzichten und zum anderen, um den Beleg einfach und ohne Mühe aufzubewahren. Selbstverständlich wird man nicht alle Menschen für eine digitale Lösung begeistern können, aber wie bereits erwähnt, ist das Smartphone heutzutage in allen Lebenslagen im Einsatz und das gilt auch für digitale Kassenbons. Da die Nachfrage nach digitalen Lösungen und nachhaltigem Handeln auf Seiten der Verbraucher auch den Händlern bewusst ist, begrüßen sie derartige Lösungen, und wir sind bereits mit großen Handelsketten im Austausch oder in der Testphase – in den nächsten Wochen wird es viel Neues von uns geben.

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