WÜRZBURG

Kleine und mittelständische Betriebe besonders stark von Wirtschaftskriminalität betroffen

Digitale Schwachstelle: Viele kleinere und mittlere Unternehmen unterschätzen die Gefahr der Wirtschaftskriminalität. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Regelmäßig werden Verfassungsschützer mit der Aussage von Firmenchefs konfrontiert: „Was will man bei uns schon ausspionieren. Wir sind doch nur eine kleine Firma.“ Und genau dieses mangelnde Gefahrenbewusstsein verschafft fremden Nachrichtendiensten eine nahezu ideale Ausgangsposition, um Know-how von kleinen und mittleren Unternehmen abzuschöpfen. Gerade sie sind besonders gefährdet, denn sie verfügen meist nicht wie große Unternehmen über Sicherheitsabteilungen, die sich um Geschäftsgeheimnisse kümmern.

Dabei stehen besonders innovative Technologien im Fokus ausländischer Dienste wie Medizin- und Biotechnik, Maschinen- und Anlagenbau, IT, Telekommunikation, Energie- und Umwelttechnik sowie viele weitere Industriebereiche. Hauptakteure auf diesem Gebiet sind mit Abstand China und Russland. Aber auch westliche Staaten, wie zum Beispiel die USA oder Frankreich interessieren sich für technische und strategische Informationen aus Deutschland.

Nach Ansicht von Florian Seitner vom Landesamt für Verfassungsschutz in Bayern greifen ausländische Nachrichtendienste hiesige Unternehmen meist mit elektronischen Mitteln an. Dies hat den Vorteil, dass Täter durch das Kopieren von Daten in der Regel kaum Spuren hinterlassen, und, wenn überhaupt, nur sehr schwer zu identifizieren sind. Dennoch finden auch klassische Angriffsmethoden immer wieder Anwendung, indem Personen innerhalb eines Unternehmens mit Zutritts- und Zugriffsberechtigungen gezielt angesprochen werden.

Darunter fallen oft unzufriedene Mitarbeiter oder solche, die geltungssüchtig, geschwätzig, geldgierig oder erpressbar sind, beziehungsweise Angestellte, die sich an Vorgesetzten rächen wollen. Aber auch Praktikanten, Fremdpersonal oder Reinigungskräfte werden von Spionen angesprochen und beispielsweise instruiert, unbemerkt einen infizierten USB-Stick an einem bestimmten Firmen-Computer anzubringen.

Besonders aufmerksam müssen Firmenchefs während Auslandsreisen sein. Das fängt schon auf dem Flughafen oder in Flugzeugen an, wo kostenlose WLAN-Verbindungen zur Verfügung stehen und ausländische Fluggesellschaften im Interesse des Geheimdienstes eigene Netze abgreifen können. Weiter besteht die Gefahr des Ausspionierens bei der Einreisekontrolle, wo Laptops angeblich auf Sprengstoff hin untersucht und in einem Nebenraum in Wirklichkeit sicherheitsrelevante Daten heruntergeladen werden, die möglicherweise Aufschluss über die Verhandlungsstrategie mit Wirtschaftspartnern im fremden Land geben. Doch wer dann im Ausland glaubt, sicher mit dem eigenen Betrieb in Deutschland telefonieren zu können, irrt. Sowohl Seekabel als auch die Satellitenübertragung werden ebenfalls überwacht.

Sicherheit ist Chefsache, sagt der Verfassungsschutz. Der Chef hat die Daten seines Unternehmens zu analysieren und zu bewerten. Bei besonders wichtigen Daten, die den Bestand eines Unternehmens gefährden können, empfiehlt Verfassungsschützer Seitner den Einsatz einer Schreibmaschine. Auch die russische Regierung hat ihre sensibelsten Daten nicht mehr auf Computern gespeichert. Des Weiteren müssen Firmen ihre wichtigsten Informationen software- und hardwaregestützt einer Vollverschlüsselung unterziehen und mit Besuchern und Delegationen sehr aufmerksam umgehen.

Auf Auslandsreisen sollten ausschließlich nur für diesen Zweck angeschaffte Laptops und Smartphones mitgenommen werden, die noch keinerlei Informationen aufweisen. Hier hilft eine Vollverschlüsselung nur wenig, wenn beispielsweise das Zielland eine Einreise mit Vollverschlüsselung verbietet. Über weitere Schutzmaßnahmen informiert das Landesamt für Verfassungsschutz.

Weitere Informationen: Tel. (0 89) 31 20 1 - 222

E-Mail: caz@lfv.bayern.de www.wirtschaftsschutz.bayern.de

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