Wertheim

Kleiner und anders: Was in der Erwin-Hymer-World los ist

Der Markt mit Wohnmobilen und Wohnwägen boomt. Trotzdem verkleinert sich die Erwin-Hymer-World bei Wertheim. Was sind die Gründe und was bedeutet das für die Kunden?
Seit kurzem ist die verkleinerte Erwin-Hymer-World eröffnet. Die Neuausrichtung dieses Mekkas für Wohnmobilisten gefällt offenbar nicht allen Kunden. Im Bild Florian Ritsch (links) und Mit-Geschäftsführer Philipp Anderer. Foto: Martin Hogger

Lange war die Erwin-Hymer-World so etwas wie das Mekka für Wohnmobil-Besitzer und die, die es werden wollten. 2006 eröffnete der 28 000 Quadratmeter große Schauraum am Almosenberg bei Bettingen (Main-Tauber-Kreis), das Wertheim Village in Sichtweite. Vor wenigen Tagen ging die Erwin-Hymer-World dann offiziell in die Güma Services GmbH über.

Es ist das vorzeitige Ende des Umbaus und der Verkleinerung der Hymer-Ausstellungsfläche, die nicht nur die etwa 40 Mitarbeiter viel Schweiß und viele Nerven gekostet hat. Will man den Google-Bewertungen aus den vergangenen Wochen glauben, kam die Verkleinerung bei vielen Kunden gar nicht gut an. 

Florian Ritsch war etwas über drei Jahre lang Geschäftsführer der Erwin-Hymer-World. Etwa neun Monate, von der Ankündigung bis zum Umbau, habe der Umzug in den unteren Stock der bisherigen Erwin-Hymer-World gedauert. Als er durch den großen Ausstellungsraum und die noch größere Werkstatt zu seinem Büro führt, beschreibt Ritsch die aktuelle Situation geschäftsmännisch-diplomatisch: Der Verkauf des Unternehmens und des Gebäudes sei "nicht nur auf Verständnis bei den Kunden und Kaufinteressierten" gestoßen.

Es gibt einen zweiten Ausstellungsraum in der Hymer-World. Die Fahrzeuge werden auf Nachfrage von einem Mitarbeiter aufgesperrt.  Foto: Martin Hogger

Warum die Erwin-Hymer-World verkleinern muss

Ritsch will deshalb besser erklären, was die Erwin-Hymer-World sei und was sich genau geändert habe – und was nicht. Er fängt bei Details an. "Die Erwin-Hymer-World war nur eine Tochtergesellschaft und als konzerneigener Händler bei der Erwin-Hymer-Group angesiedelt. Keine der Herstellermarken wurde auf dem Almosenberg produziert", erklärt Ritsch.

Zu Hochzeiten hatte die Erwin-Hymer-World etwa 600 Fahrzeuge vorrätig. Mit der Verkleinerung sei man auf die in der Branche übliche Größe geschrumpft, sagt Ritsch. Auf die Frage, warum man das gemacht habe, kann er nicht mehr antworten. Er ist inzwischen mit den 40 anderen Mitarbeitern der Erwin-Hymer-World zum Caravan-Händler Güma gewechselt.

Der wird die Ausstellung und den Service in der Erwin-Hymer-World noch bis 2021 weiter betreiben, bis dann der Marktheidenfelder Sonnenschutzanbieter Warema, der aktuell schon im oberen Stockwerk den Umbau plant, das ganze Gebäude nutzen wird. Güma wird 2021 einige Meter weiter neu bauen. An diesem Standort soll die Ausstellung kompakter und die Unternehmensstrategie serviceorientierter werden.

Aber: Wie in vielen Fällen, in denen Unternehmen ein neues Konzept vorstellen, lassen sich daraus die Gründe für die Abkehr vom alten Konzept ableiten – so auch im Fall der Erwin-Hymer-World. Wenn man sich in der Branche umhört, dann bekommt man gesagt, dass die Erwin-Hymer-World einfach nicht profitabel genug war. Der Tauberbischofsheimer IG-Metall-Sekretär Harald Gans sprach sogar einmal von einem "Prestigestandort", mit dem kein Geld zu verdienen sei.

Obwohl es der Erwin-Hymer-Group selbst wirtschaftlich gut geht – man vermeldet seit Jahren Absatzsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich –, war die große Auswahl der Erwin-Hymer-World laut Experten zu weit weg vom Markt. Sprich: Die Kunden schätzten zwar die Auswahl aus bis zu zehn Marken und die exotischeren Modelle, kauften sie aber zu selten. In reinstem Business-Sprech kommuniziert die Erwin-Hymer-Group den Verkauf deshalb mit einer  "Neuausrichtung", um auf "die Anforderungen des Marktes" zu reagieren.

Blick in die Erwin-Hymer-Word: Hier werden weiterhin alle Marken repariert.  Foto: Martin Hogger

Was sich in der Erwin-Hymer-World geändert hat und was gleich bleibt

Trotz der vielen Änderungen: Etwa 200 Fahrzeuge sind noch im unteren Stockwerk der Erwin-Hymer-World ausgestellt. Damit bleibt die Erwin-Hymer-World einer der größeren Händler in diesem Segment und in der Umgebung. Es werde weiterhin jedes Preissegment bedient, sagt Ritsch, von etwa 20 000 bis 200 000 Euro.

Entgegen Gerüchten braucht man keine Anmeldung, um den neu gestalteten Ausstellungsraum zu besichtigen. Die Modelle dort sind weiterhin aufgesperrt. Die Wohnmobile draußen und in einem Nebenraum sind aber zu. Das sei Teil des neuen Sicherheitskonzeptes, sagt Ritsch. "Wenn sich ein Kunde für einen Wohnwagen interessiert, dann sperren wir natürlich sofort auf."

Eine größere Veränderung ist auch, dass die Erwin-Hymer-World sowie das neue Center ab 2021 nur noch Modelle der Hymer-Group zum Kauf anbietet. Die Servicekunden können, wie gewohnt, ihre bei der Erwin-Hymer-World erworbenen Fahrzeuge in der Werkstatt anmelden – auch nach 2021 am neuen Standort. Dort hofft Ritsch auf einen positiven Neustart. "Wir freuen uns darauf."

Weitere Wohnmobil-Adressen in Mainfranken
Neben der Erwin-Hymer-World gibt es in Mainfranken weitere große Händler von Wohnmobilen? Da wäre zum einen das Camping Center Mainfranken in Iphofen bei Kitzingen, das Wohnmobile verkauft und repariert. Wie der Name schon sagt, setzt man jedoch auch auf Camping-Zubehör. In Euerbach bei Schweinfurt gibt es Caravan Grebner. Der Händler hat zwar eine kleinere Auswahl an Fahrzeugen, jedoch ein 1200 Quadratmeter großes Ladengeschäft. Auch zu erwähnen ist Frankana: Das Unternehmen hat in Marktbreit das "maincamp" mit einer Wohnmobil-Ausstellung, einem Freizeitshop sowie einer Ausstellung rund ums Grillen.

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