Würzburg

Koenig & Bauer: Aktionäre sind (fast) zufrieden

Die Aktionäre sind mit der Koenig & Bauer AG zufrieden, die Geschäfte laufen gut. Allerdings ging es bei der Hauptversammlung auch um sprichwörtliche Leichen im Keller.
Die Geschäfte von Koenig & Bauer in Würzburg laufen gut. Was man vom Aktienkurs des Druckmaschinenherstellers nicht behaupten kann. Foto: Patty Varasano

Ein Hurra mit Einschränkungen bekam die Koenig & Bauer AG am Mittwoch von ihren Aktionären, was das vergangene Geschäftsjahrangeht. Bei der turnusmäßigen Hauptversammlung des im S-Dax notierten Druckmaschinenherstellers aus Würzburg gab es Lob für die Geschäftszahlen und -aussichten, aber auch Unmut über den seit Monaten sinkenden Aktienkurs.

Bei dem Treffen wurde ein weiteres Mal klar, dass das älteste Druckmaschinenunternehmen der Welt in den vergangenen Jahren einen energischen Wandel hingelegt hat: weg vom kaum noch nennenswerten Zeitungsdruck, hin zu Digital-, Verpackungs- und Sonderdruck. Die Geschäfte in diesen Bereichen laufen für den gut 200 Jahre alten Konzern mit seinen 5700 Mitarbeitern weltweit (1700 davon am Stammsitz in Würzburg) hervorragend.

Wie hoch die Dividende ausfällt

Noch eine gute Nachricht für die Aktionäre: Sie erhalten heuer 1 Euro Dividende (Vorjahr: 90 Cent) je Stückaktie. Die Hauptversammlung beschloss zudem die Entlastung des Vorstands um den Vorsitzenden Claus Bolza-Schünemann. Und das mit nahezu 100 Prozent: Ein Zeichen dafür, dass die Aktionäre mit der Arbeit der Chefetage zufrieden sind.

Claus Bolza-Schünemann, Vorstandsvorsitzender der Koenig & Bauer AG Foto: Thomas Obermeier

Das Unternehmen sieht sich mittlerweile an der internationalen Spitze, was Maschinen für das Bedrucken von Kartonagen, Banknoten, Blechen und Glasgegenständen angeht. Gerade bei Verpackungen wolle Koenig & Bauer ein Komplettanbieter werden, sagte Bolza-Schünemann. Heißt: Vom Druck über das Stanzen bis zum Falten der Kartonage wollen die Würzburger alle Maschinen anbieten – Wartung inklusive.

Wohin der Weg mit Tetra Pak führen soll

In diesem Zusammenhang wies der Vorstandschef auf die im Januar besiegelte Zusammenarbeit mit dem Verpackungsriesen Tetra Pak hin. Die Schweizer testen in den USA eine Maschine von Koenig & Bauer für den Einsatz im Digitaldruck von Getränkeverpackungen. Digitaldruck ist in der Branche derzeit im Trend, weil er kleine Stückzahlen und individuelle Gestaltung der Verpackungen profitabel macht.

Hatte sich Koenig & Bauer vor gut fünf Jahren noch mit einer Radikalkur aus der Krise gewunden, stehen heute viele Vorzeichen wieder auf Plus. Das zeigt unter anderem der Auftragsbestand am Jahresende, der seit 2014 fast permanent von 417 Millionen auf 611 Millionen Euro in 2018 gestiegen ist. Das Unternehmen habe ein solides Fundament, lobten denn auch diverse Aktionärsvertreter auf der Hauptversammlung am Mittwoch.

Wie sich der Aktienkurs entwickelt hat

Freilich lag ihnen die Tatsache quer im Magen, dass der Aktienkurs von Koenig & Bauer nach einem Aufwärtstrend von Anfang 2015 bis April 2018 seither um die Hälfte auf zuletzt etwa 37 Euro gefallen ist. Das tat dem Interesse der Aktionäre an Koenig & Bauer aber keinen Abbruch: Bei der Hauptversammlung waren 66 Prozent der Stimmberechtigten vertreten. "Ein sehr hoher Prozentsatz", wie Aufsichtsratsvorsitzender Martin Hoyos hervorhob. Die Aktie von Koenig & Bauer befindet sich mit großer Mehrheit in Streubesitz.

Mit einer Personalie wartete am Ende der Aufsichtsrat auf. Das oberste Kontrollgremium wählte Raimund Klinkner zum neuen Vorsitzenden. Der 54-Jährige folgt auf Martin Hoyos, der aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl anstand. Klinkner ist studierter Maschinenbauer und war unter anderem bei Porsche, Gildemeister und Knorr-Bremse tätig.

Raimund Klinkner
Raimund Klinkner ist seit 22. Mai 2019 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Koenig & Bauer AG in Würzburg Foto: Koenig & Bauer AG

Und dann ein überraschendes Thema

Überraschend großen Raum bei der Versammlung im Vogel Convention Center (VCC) nahm ein Thema ein, das eigentlich schon seit Februar 2017 abgeschlossen schien: die Korruptionsaffäre der Konzerntochter KBA-Notasys in der Schweiz. Die Behörden dort haben das Verfahren zu den Akten gelegt, nachdem Koenig & Bauer fast 28 Millionen Euro Notasys-Gewinn dem Schweizer Staat überließ und eine symbolische Strafzahlung von einem Schweizer Franken leistete. Dennoch wollte eine Aktionärsvertreterin am Mittwoch wissen, ob Koenig & Bauer in Sachen Korruption noch Leichen im Keller habe.

Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Dagmar Rehm tat sich mit einer spontanen Antwort sichtlich schwer. Nach kurzer Beratung teilte sie mit: Nach ihrer Erkenntnis lägen der Schweizer Bundesanwaltschaft keine weiteren Fälle vor.

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