Würzburg

Künstliche Intelligenz: Welches Potenzial Mainfranken hat

Wenn der Computer so klug wie der Mensch wird: Der Künstlichen Intelligenz sprechen Experten großes Potenzial zu. Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Vor 30 Jahren trat das Internet seinen Siegeszug an. Den starren www-Seiten folgten bald mehr oder minder lange Höhenflüge von digitalen Neuheiten, die darauf aufsetzten: Blogs, soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter, Industrie 4.0 und Kryptowährungen à la Bitcoin. Verschwunden davon ist nichts, vieles ist Alltag geworden. Nun fällt das Scheinwerferlicht auf ein neues Thema, das unser digitales Leben nach Expertenmeinung um einen wuchtigen Schritt verändert: die Künstliche Intelligenz (KI).

In den kommenden Wochen wird sich diese Redaktion in einer Serie intensiv damit auseinandersetzen. Die Berichte werden darlegen, was KI ist – und vor allem, welches Potenzial Mainfranken hier hat. Gezeigt werden zum Beispiel Unternehmen in der Region, die jetzt schon KI einsetzen oder dazu forschen.

Die Serie ist in Zusammenarbeit mit der Universität und der Hochschule für angewandte Wissenschaften (FHWS) in Würzburg entstanden. Auch die Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Frankfurt war eingebunden. Insgesamt befassten sich so 300 Studenten mit KI. Ihre Arbeiten sind eingebunden in das vom Bundesbildungsministerium initiierte "Wissenschaftsjahr 2019".

Wie die Serie entstanden ist

Für diese Serie recherchierten die Studenten über Wochen hinweg in diversen Unternehmen der Region. Ihre journalistischen Werke fließen zudem in eine Multimedia-Reportage ein, die unter Federführung der Uni Würzburg eingerichtet wurde. Partner des Projekts sind neben der Main-Post der Bayerische Rundfunk, die Frankfurter Rundschau, der Hessische Rundfunk, die Vogel Communications Group in Würzburg sowie die Mediengruppe dfv in Frankfurt.

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"Die KI ist das zentrale ökonomische Thema – global, aber vor allem auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Das Thema bewegt die Menschen. Das habe ich auch an der Resonanz der Studierenden gemerkt, die sich dem Projekt mit viel Engagement widmen", fasst Kim Otto die Hintergründe der neuen Serie zusammen. Otto ist Professor für Wirtschaftsjournalismus an der Uni Würzburg.

Drei Milliarden Euro von der Bundesregierung

Auch Main-Post-Chefredakteur Michael Reinhard misst KI große Bedeutung bei: "Zum Glück sind wir diesem Prozess nicht hilflos ausgeliefert – vorausgesetzt, Politik und Zivilgesellschaft finden die richtigen Antworten auf die elementaren politischen, gesellschaftlichen und ethischen Fragen dieses tiefgreifenden Wandels."

Genau diesen Ansatz wird die Serie haben: Neben digital-technischen Themen stehen auch kritische Meinungen im Mittelpunkt. Etwa, wenn es darum geht, wie weit KI gehen darf. In jeglicher Hinsicht herrsche bei Künstlicher Intelligenz "großer Aufklärungs- und Informationsbedarf", ist Gunther Schunk, Kommunikationschef der Vogel Communications Group, überzeugt.

Mittlerweile ist auch in der Politik der Stellenwert von KI angekommen: Die Bundesregierung will bis 2025 drei Milliarden Euro zum Beispiel in Kompetenzzentren und in 100 neue Professuren stecken. Im internationalen Vergleich ist das freilich alles andere als spitze: China und die USA pumpen ein Vielfaches in die KI-Branche.

Deutschland verliere bei KI den Anschluss, Bayern auch: Das behaupten Kritiker der staatlichen Förderstrategie. Immerhin hat die Staatsregierung in München unter anderem die Uni Würzburg als Teil des "Kompetenznetzwerks Künstliche Maschinelle Intelligenz" auserkoren. Bis 2023 stehen für dieses Netzwerk 280 Millionen Euro zur Verfügung. Allerdings sind die ersten Schritte eher stotternd angelaufen: Bayerns Etat sieht zum Beispiel für die Würzburger Uni nur zwei statt der versprochenen sechs neuen KI-Professuren vor. Zudem ist nicht klar, wann das unter dem Namen "Caira" geführte KI-Zentrum in Würzburg verwirklicht wird.

Während auf der einen Seite der Takt noch langsam ist, schlägt er anderswo deutlich schneller: In der Medizin wird KI immer intensiver eingesetzt, zum Beispiel bei der Analyse von Krankheitsbildern. Auch das Rhön-Klinikum in Bad Neustadt ist auf diesem Weg. In vielen Haushalten ist KI ebenfalls längst angekommen: Sprachgesteuerte Computer-Alleskönner wie Alexa oder selbstfahrende Rasenmäher erledigen dort anstelle des Menschen diverse Jobs – und lernen digital ständig dazu.

Unsere Serie rund um Künstliche Intelligenz startet nächste Woche mit einem umfangreichen Erklärstück: Was unter KI im Detail zu verstehen ist.

Wichtige Begriffe
Künstliche Intelligenz: Ein Computer lernt während des Betriebs ständig dazu und kommt damit der menschlichen Intelligenz nahe – so ließe sich KI beschreiben. Eine feste Definition gibt es freilich nicht. KI ist nicht neu: 1956 fiel der Begriff bei einem Expertenkongress in den USA zum ersten Mal. In der Folgezeit ist KI zum Beispiel durch Duelle zwischen Schachcomputern und Menschen bekannt geworden. Die Bosch Rexroth AG in Lohr (Lkr. Main-Spessart) hat im Juli mit einem selbstentwickelten Tischkicker auf sich aufmerksam gemacht, der permanent Spielszenen speichert und so im Duell mit menschlichen Gegnern immer besser wird.
Big Data: Dieser englische Begriff beschreibt schlicht und einfach das Sammeln von so vielen Daten wie möglich. Das hat noch nichts mit KI zu tun. Erst wenn ein Computer aus diesen riesigen Datenmengen eigenständig Schlüsse zieht und Entscheidungen trifft, kann man von KI sprechen.
Data Mining wird eingesetzt, um automatisiert aus einem Datenbestand Trends oder Muster zu erkennen. Das wird zum Beispiel eingesetzt um zu erkennen, welche Produkte Online-Kunden häufig kaufen – um ihnen dann beim nächsten Mal Vorschläge unterbreiten zu können.
Chatbot: Die Spracherkennungsprogramme Alexa und Siri sind die bekanntesten Beispiele von Chatbots. Also: Der Mensch gibt Text oder Sprache ein, der Computer antwortet. Auch individualisierte Sprachnachrichten zum Beispiel als Begrüßung auf Firmenwebseiten fallen darunter. Unter dem Begriff Bots sind automatisiert erzeugte Meldungen in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook bekannt geworden. Oft handelte es sich um Falschmeldungen ("Fakenews") oder manipulierende Politikbeiträge.

Rückblick

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