WÜRZBURG

Lockruf aus Fernost

China im Blick: ein Zylinderrollenlager aus einer Kurbelwelle bei der Schaeffler GmbH in Herzogenaurach.DPA Foto: Foto:

Für die bayerische Metall- und Elektroindustrie wird der Export immer wichtiger. Wie Ingrid Hunger, Main- und Spessart-Vorsitzende der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber (bayme vbm) erklärte, hat das Bundesland im vergangenen Jahr Metall- und Elektrowaren im Wert von 112 Milliarden Euro ausgeführt. Im Jahr 2011 lag die Zahl bei knapp 110 Milliarden Euro. Allein Unterfranken hat im Jahr 2012 rund acht Milliarden Euro aus diesem Bereich ins Ausland verkauft, was zwei Drittel der gesamten Exportleistung der Region entspricht.

Wichtiger jedoch als die reinen Exportzahlen sind die Veränderungen, die sich dahinter verbergen. Zwar geht noch fast die Hälfte der Ausfuhren im Bereich der Metall- und Elektroindustrie in die Europäische Union, doch diese Region ist von einer geringeren Nachfragedynamik gekennzeichnet. Für Ingrid Hunger ist es deshalb wichtig, „durch einen Ausbau der Ausfuhren in die dynamisch wachsenden Länder außerhalb Europas die Exportrückgänge in das wirtschaftlich schwächelnde Europa abzufedern“.

Besonders wichtig werden dabei die sogenannten Emerging Markets. Das sind die aufstrebenden Staaten Osteuropas, des asiatischen Raumes und die BRIICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika). Wie Hunger betonte, würde allein für China im laufenden Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von acht Prozent erwartet, während die Prognose für die Länder der Europäischen Union nur bei rund 0,4 Prozent läge. Schon allein die Tatsache, dass China etwa 1,34 Milliarden Einwohner hat – das sind mehr als die USA, Europa und Russland zusammen haben – unterstreicht die Bedeutung der vorhergesagten Wirtschaftsentwicklung. Weiterhin stellen die immer moderneren und besseren Industrieanlagen in den Schwellenländern die deutsche Industrie vor Herausforderungen. Diese ist deshalb gezwungen, noch mehr als bisher auch im Ausland für die Märkte vor Ort zu produzieren. Zwar werden heute 80 Prozent aller hier produzierten Personenkraftwagen ins Ausland verkauft, doch das wird sich nach Ansicht von Helge Bender, Geschäftsführer des Automobilzulieferers „Waldaschaff Automotive GmbH“, nicht mehr lange aufrechterhalten: „Die Automärkte in Europa sind mehr oder weniger gesättigt, das Wachstum findet in den Emerging Markets statt. Wer in unserer Branche diesen Umschwung nicht mitmacht, hat auf Dauer keine Überlebenschance. Dabei reicht es nicht aus, die Märkte außerhalb Europas ausschließlich durch Exporte von Deutschland aus zu bedienen.“

Diese Entwicklung wiederum hat auch Auswirkungen auf unseren Arbeitsmarkt. So werden relativ einfach zu verrichtende Tätigkeiten zunehmend ins Ausland verlagert, während am Standort Deutschland der Joker „Innovationsfähigkeit“ eine größer werdende Bedeutung bekommen wird. Ingrid Hunger und Helge Bender erläutern den Fachkräftebedarf wie folgt: Wir brauchen Industriemechaniker und Ingenieure, die auch mal ins Ausland gehen wollen und Maschinen bedienen können. Ansonsten lautet die Devise nach Hunger: „Weiterbilden, weiterbilden, weiterbilden.“

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