WÜRZBURG

Mobile Media Day: Vom News-Chatbot zur VR-Brille

Clarence Dadson von der Firma Design4real zeigt den Umgang mit VR-Brillen beim Mobile Media Day. Foto: Theresa Müller

Wie können Medienunternehmen die junge Zielgruppe zwischen zwölf und 18 Jahren erreichen? Das war eine der Kernfragen beim diesjährigen Mobile Media Day am Montag im Würzburger Vogel Convention Center. Mit fast 700 Besuchern konnte die Veranstaltung im vierten Jahr einen neuen Besucherrekord verzeichnen. Das große Interesse zeigt, dass sich die Medienbranche in einem tiefgreifenden Wandel befindet und dass Innovationen dringend benötigt werden.

Medien müssen junge Menschen einbinden

Dass sich die Medien verändern müssen, unterstrich die Schweizer Wissenschaftlerin Sandra Cortesi, die an der Harvard Universität in Boston das Institut für Jugend und Medien leitet: „Wir müssen die jungen Menschen ermutigen und einbinden, anstatt darauf zu warten, dass sie auf uns zukommen.“ Junge Menschen hätten heute ein viel breiteres Verständnis von Nachrichten, als es noch vor wenigen Jahren der Fall war, sagte Cortesi.

Beispielhaft zeigte sie die genutzten Medienkanäle in der ersten Stunde eines Tages im Leben einer 15-jährigen Schweizerin: Selbstverständlich vermischen sich Messenger wie Snapchat mit klassischen Nachrichten-Portalen und sozialen Medien wie Instagram.

Breiteres Angebot - weniger Qualität

Diese „Plattform-Diversifikation“, wie es Cortesi nennt, erklärt sich vor allem aus der wachsenden Verbreitung von Internet auf mobilen Geräten. „91 Prozent der amerikanischen Teenager nutzen mobiles Internet“, sagte Sandra Cortesi. Die Jugend- und Medienforscherin sieht in dem breiteren Angebot an Kanälen jedoch auch Probleme, was die Qualität der Inhalte und die Möglichkeit für Manipulationen betrifft.

Daher sei es wichtig, die Jugendlichen von heute – die sogenannten Millennials – genau dort abzuholen, eine jugendliche Perspektive einzunehmen und die Zielgruppe auch mitsprechen zu lassen. Denn die Interaktivität sei für die jungen Menschen auf diesen Plattformen vollkommen alltäglich.

Resi: Der persönliche News-Chatbot

Wie sehr sich die Lesegewohnheiten mittlerweile verändert haben, erläuterte kurz darauf Martin Hoffmann. „Junge Leute nutzen wie verrückt Messenger-Apps“, so der 30-Jährige. Daher hat er eine Smartphone-App entwickelt, die genau diese Vorliebe ausnutzt. Hoffmanns App „Resi“ schickt journalistische Beiträge aufs Handy, die aber nicht wie ein Zeitungsartikel aussehen, sondern im Gewand von Chatnachrichten daherkommen.

Seit erst einem Jahr arbeitet er mit einem kleinen Team an der App, schon jetzt verzeichne er fünfstellige Nutzerzahlen. Bislang gibt es kaum etwas Vergleichbares im deutschsprachigen Raum. In China hingegen sei die App „WeChat“ mit über 800 Millionen Nutzern sehr erfolgreich, sagt Hoffmann. Innerhalb dieser App können die Nutzer nicht nur Nachrichten, Bilder und Videos austauschen, sondern beispielsweise auch eine Pizza beim nächsten Lieferdienst bestellen. Dazu tippt der Nutzer einfach eine Chatnachricht im Sinne von „Bring mir eine Pizza Salami“ ein.

Spiel und Spaß als Schlüssel

Chatbots werden diese Programme wie Resi oder WeChat genannt, die einen menschlichen Gesprächspartner imitieren. „Das ist spielerisch und macht Spaß“, erklärt Hoffmann. Jeder Smartphone-Nutzer habe ohnehin eine Messenger-App für die Textkommunikation auf dem Handy. Da sei es nur konsequent, weitere Anwendungsmöglichkeiten für diese Programme zu entwickeln.

Strahlkraft für die Region Mainfranken

Tobias Helmlinger, Mitorganisator des Mobile Media Day, zeigte sich begeistert vom Interesse an der Veranstaltung und hob die Strahlkraft des Mobile Media Day für die gesamte Region hervor: „Ich wünsche mir, dass wir weiterhin für die Region eine Vision und neue Ansätze vermitteln können.“

Dass die Ansätze in der Region Früchte tragen zeigte sich schon am Montagmorgen: Bei gut besuchten Vorträgen speziell für Start-ups bekamen Gründer hilfreiche Tipps zu profitablen Geschäftsmodellen.

Die Jugend- und Medienforscherin Sandra Cortesi aus Harvard bei ihrer Eröffnungsrede im Würzburger VCC. Foto: Justus Neidlein

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