Rottendorf

Modekonzern s.Oliver kündigt 170 Mitarbeitern in Rottendorf

Die Corona-Krise hat die Lage verschärft, ist aber nicht der alleinige Grund: Der Modekonzern s.Oliver setzt Mitarbeiter auf die Straße. Welche Dimension das hat.
In der Zentrale von s.Oliver in Rottendorf bei Würzburg müssen 170 Beschäftigte gehen.
In der Zentrale von s.Oliver in Rottendorf bei Würzburg müssen 170 Beschäftigte gehen. Foto: Thomas Obermeier

s.Oliver rüstet sich für die Zukunft - so lautet der Titel einer Mitteilung des Modekonzerns vom Montagmorgen. Was lapidar klingt, hat fatale Folgen für 170 der 1500 Mitarbeiter in der Zentrale in Rottendorf bei Würzburg: Sie müssen gehen. Eine Sprecherin bestätigte auf Anfrage dieser Redaktion, dass es sich dabei um betriebsbedingte Kündigungen handelt.

Die Geschäftsführung habe die Belegschaft darüber am Montag informiert. Wie zu erfahren war, geschah dies schriftlich, weil wegen der Corona-Krise auf eine Personalversammlung verzichtet wurde.

Die Entscheidung für den Einschnitt sei schon vor der Coronakrise gefallen, sagte Konzernchef Claus-Dietrich Lahrs am Montag gegenüber dieser Redaktion. Die aktuelle Lage aber „verdeutlicht einmal mehr die Notwendigkeit zum Handeln“, steht in der Mitteilung.

Kündigte einen Konzerumbau an: s.Oliver-Chef Claus-Dietrich Lahrs.
Kündigte einen Konzerumbau an: s.Oliver-Chef Claus-Dietrich Lahrs. Foto: s.Oliver

Die vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter werden laut Lahrs bis Donnerstag Einzelgespräche in der Personalabteilung haben, wo ihnen finanziell "großzügige Pakete" unterbreitet würden. Außerdem biete s.Oliver Beratung bei der Suche nach einem neuen Job an.

Sein Unternehmen arbeite hier mit der Düsseldorfer Agentur "von Rundstedt & Partner" zusammen, so Lahrs. Sie ist bundesweit darauf spezialisiert, Jobsuchende für eine neue Aufgabe fit zu machen.

Nach eigenen Angaben will sich s.Oliver einem „Organisationsumbau“ unterziehen, um das Geschäft noch mehr zu internationalisieren, die Digitalisierung voranzutreiben und die Kette eigener Modeläden zu stärken. In dem vor 51 Jahren in Würzburg gegründeten Unternehmen sind "nahezu alle Abteilungen" vom Umbau betroffen, wie Lahrs sagte.

Hinter vorgehaltener Hand war in den vergangenen Wochen darüber gesprochen worden, dass der neue Konzernchef den eisernen Besen herausgeholt hat. Lahrs löste im November 2019 den bis zuletzt umtriebigen Firmengründer Bernd Freier ab, der in den Ruhestand gegangen ist.

Die jetzt eingeleiteten Schritte inklusive der Kündigungen seien schon vor Wochen beschlossen worden und "eindeutig unabhängig" von der Corona-Krise. Die aktuelle Lage habe freilich die Entscheidung beschleunigt, so Lahrs. Den geplanten Konzern-Umbau habe allein er in die Wege geleitet. Bernd Freier habe damit nichts zu tun - schon deswegen nicht, weil sich der 73-Jährige definitiv aus dem Geschäft ausgeklinkt habe.

Was das für die s.Oliver-Basketballer bedeutet

Lahrs bekräftigte am Montag das Engagement seines Unternehmens bei den Würzburger Bundesliga-Basketballern, deren Namensgeber und Hauptsponsor s.Oliver seit Jahren ist. Der Vertrag dazu sei turnusgemäß um ein Jahr verlängert worden.

"Wir stehen zu unserem Engagement", sagte Lahrs und betonte, auch weiterhin "Partner" der Baskets bleiben zu wollen. Deren Geschäftsführer Steffen Liebler erklärte auf Anfrage, dass sich der Klub natürlich "sehr darüber freut, "einen starken Partner an der Seite zu haben, der auch in schweren Zeiten zu uns steht". Gerade aktuell, wo "s.Oliver bestimmt viele andere Themen auf seiner Prioritätenliste hat".

Geschäftsführung von s.Oliver: Aus fünf mach vier

In der Mitteilung vom Montag heißt es weiter, dass s.Oliver Organisationseinheiten zusammenlegen und neu ausrichten will. Damit hänge zusammen, so Lahrs, dass die einst fünfköpfige Geschäftsführung jetzt nur noch aus vier Mitgliedern besteht: Mathias Eckert, Kristina Szasz, Volker Christ und eben Lahrs an der Spitze. (Ergänzung der Redaktion, 24.03.20: Ursprünglich war hier von drei Mitgliedern die Rede gewesen. Quelle hierfür waren aktuelle Angaben der Unternehmensgruppe. Am Dienstag ergänzte sie, dass auch Volker Christ zur Geschäftsführung gehöre.) Zudem sollen neue Kollektionen schneller entwickelt sowie Entscheidungen im Unternehmen beschleunigt werden.

Lahrs skizzierte, dass die an s.Oliver angegliederten Marken Comma, Liebeskind Berlin, Q/S und Triangle unabhängig blieben. Die Stärkung der eigenen Läden und des Online-Geschäfts "hat ganz viele Facetten der Optimierung". Das werde der Kunde zum Beispiel an Änderungen in den Schaufenstern, des Services und der Darstellung der Kollektionen erkennen. Zudem werde der Vertrieb außerhalb des deutschsprachigen Raums ausgebaut, zum Beispiel in Form neuer Läden. Die Rottendorfer verkaufen ihre Mode außerhalb der eigenen Läden zusätzlich über externe Händler.

Welche Zahlen s.Oliver zuletzt vorlegte

Lahrs hat nach eigenen Worten nicht nur die Organisation des Konzerns im Visier, sondern auch die blanken Geschäftszahlen. So machte s.Oliver weltweit 2017 und 2018 jeweils 1,3 Milliarden Umsatz. Für 2019 liegen noch keine Zahlen vor. Der Vorsitzende der Geschäftsführung ließ am Montag aber durchblicken, dass der Umsatz leicht gesunken ist.

Das Ergebnis des Konzerns nach Steuern halbierte sich 2018 im Vergleich zum Vorjahr auf 46 Millionen Euro, der Jahresüberschuss ebenfalls. Er lag zuletzt bei 45 Millionen Euro. All diese Zahlen seien nicht in Stein gemeißelt, aber der Konzern-Umbau sei wichtig, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Trend: Es geht abwärts mit den Geschäften

In dem Brief an die Belegschaft - er liegt der Redaktion vor - ist die Rede davon, dass das vergangene Vierteljahr 2019 "enttäuschend" verlaufen sei, sich keine Besserung abzeichne und die Corona-Krise den "Abwärtstrend unseres Geschäftes noch einmal beschleunigt" habe. Für Veränderungen sei s.Oliver derzeit zu unbeweglich, Entscheidungen dauerten zu lange.

Indes setzte Lahrs am Montag auf Zuversicht: "Wir agieren jetzt aus einer Position der Stärke und haben Spielräume, den Markt mit all seinen Herausforderungen aktiv mitzugestalten", so der 56-Jährige. "Wir sind finanziell gut ausgestattet." Es gehe jetzt vor allem darum, "unsere Wettbewerbsfähigkeit" und die weltweit 6100 Arbeitsplätze "auf lange Sicht zu sichern".

Mitarbeit: Thomas Brandstetter

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