TAUBERBISCHOFSHEIM

Nach Skandal: Schlachthof Tauberbischofheim am Ende

Schlachthof Tauberbischofsheim       -  Im Februar kam wegen des Tierschutzskandals die Polizei in den Schlachthof Tauberbischofsheim, jetzt ist dort endgültig Schluss mit dem Betrieb.
Im Februar kam wegen des Tierschutzskandals die Polizei in den Schlachthof Tauberbischofsheim, jetzt ist dort endgültig Schluss mit dem Betrieb. Foto: Sina Schuldt, dpa

Ein halbes Jahr nach dem Tierschutzskandal ist jetzt das endgültige Aus für den Schlachthof in Tauberbischofsheim gekommen. Wie mehrere Medien am Freitag übereinstimmend berichten, wird der schwäbische OSI-Konzern den Betrieb in der Stadt an der Tauber einstellen. Die zu OSI gehörende Betreiberfirma Hynek bestätigte das in einer Mitteilung.

Was mit den Mitarbeitern geschieht

Demnach verlieren die etwa 50 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Im Raum steht nun die Frage, ob ein anderer Betreiber den Schlachthof übernimmt. Die Einrichtung war im Februar in die Schlagzeilen geraten, nachdem der Augsburger Verein „Soko Tierschutz“ heimlich gedrehte Videoaufnahmen veröffentlichen ließ. Sie zeigten skandalöse Szenen während der Schlachtung von Tieren.

Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft Mosbach gegen insgesamt 25 Vertreter des Betreibers sowie Veterinäre. Diese Amtstierärzte sollen bei den zweifelhaften Schlachtmethoden in Tauberbischofsheim nicht eingeschritten sein. Unter anderem ging es darum, dass Schlachttiere bei Bewusstsein aufgeschlitzt worden sein sollen.

Betrieb stand seit April still

Wie berichtet, stand der Betrieb seit April still. Die Mitarbeiter erhielten ihren Lohn aber trotzdem. Im August erteilte das Landratsamt Hynek die Genehmigung, in eingeschränktem Maß in Tauberbischofsheim wieder schlachten zu dürfen. Trotzdem blieb der Schlachthof dicht.

Verbesserungen reichten offenbar nicht

Hyneks Mutterkonzern OSI hatte nach dem Skandal bekanntgegeben, in Tauberbischofsheim energisch für Besserung zu sorgen. Dazu sollten Umbauten in dem Betrieb sorgen.

Die Maßnahmen haben nun offenbar aber nicht ausgereicht, um die Produktion des Schlachthofs im Norden der Stadt wieder problemlos und in vollem Umfang zum Laufen zu bringen. Den entlassenen Mitarbeitern will Hynek nach eigenen Angaben nun „in persönlichen Gesprächen“ helfen, neue Arbeit zu finden.

Hynek: Marktumfeld wurde schwierig

Die Belegschaft sei umgehend informiert worden, nachdem die Entscheidung zur Schließung gefallen war, heißt es in der Hynek-Mitteilung weiter. Zu dem Entschluss habe auch beigetragen, dass das Marktumfeld „zunehmend schwieriger“ geworden sei.

Wie die „Fränkischen Nachrichten“ berichten, will Tauberbischofsheims Bürgermeister Wolfgang Vockel nun ausloten, ob ein anderer Betreiber den nach seinen Worten einzigen Schlachthof im Main-Tauber-Kreis übernimmt. Dort waren bis vor dem Skandal pro Tag bis zu 200 Rinder geschlachtet worden. Einer der Hauptabnehmer des Fleisches war die Fastfoodkette McDonald's.

Testbetrieb war gleich wieder zu Ende

Schon 2015 waren bei Hynek Mängel in Sachen Tierschutz festgestellt worden. Der jüngste Skandal führte dazu, dass das Werk im Februar von den Behörden vorübergehend geschlossen wurde. Ein Testbetrieb im April war schon nach einem Tag zu Ende: Es traten nach wie vor Mängel zutage.

OSI hatte an Schlachthof festgehalten

Der internationale Lebensmittelkonzern OSI hielt aber unbeirrt an Tauberbischofsheim fest – was schon die Tatsache zeigte, dass die 50 Mitarbeiter bis zuletzt weiterbezahlt wurden. Es sei immer Ziel gewesen, Hynek wieder zu eröffnen „als ein Unternehmen, das all unsere strengen Anforderungen an den Tierschutz erfüllt“, heißt es in der Mitteilung.

Doch letztendlich sei das Aus „nach sorgfältiger Abwägung aller geschäftlichen Aspekte“ und mit Blick auf „die Lebensfähigkeit des laufenden Betriebs“ beschlossen worden. „Die Entscheidung, Hynek zu schließen, war keine einfache.“

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