WÜRZBURG

Traditionsunternehmen Stürtz stellt Insolvenzantrag

Insolvenz: Druckdienstleister Stürtz in Würzburg
Insolvenz: Druckdienstleister Stürtz in Würzburg Foto: Schwarzott

Bis Donnerstag Mittag lärmten bei Stürtz die Druckmaschinen geschäftig vor sich hin. Doch gegen 11 Uhr senkte sich – ungewohnt für das 180 Jahre alte Traditionsunternehmen – lähmende Stille über die Produktionshallen unterhalb des Schenkenturms. Die Maschinen standen still.

Geschäftsführer Ronald Hof hatte schlechte Nachrichten für 380 Mitarbeiter: Die Auftragsbücher sind voll, genug Material zur Produktion ist da, aber der Markt schrumpft. Vor kurzem hate das Unternehmen bereits harte Einschnitte einschließlich Personalabbau zur Restrukturierung angekündigt. Inzwischen ist die Lage kritisch für Stürtz, das heute spezialisiert ist auf die Herstellung von Schul- und Wissenschaftsbüchern sowie den Druck von Zeitschriften und Katalogen.

„Unvermeidbar wurde der Gang zum Insolvenzgericht, weil Gläubiger sich außerstande sahen, die Liquidität der Stürtz GmbH weiterhin sicherzustellen“, weiß Pressesprecherin Friederike Sauerbrey. „Umsatzrückgänge im Verlagskundenbereich sowie der Verlust attraktiver, periodischer Großobjekte durch Einstellung seitens der Verlage haben das Unternehmen 2012 zusätzlich destabilisiert.“ So blieb dem Geschäftsführer und Firmenanwalt Markus Schädler der Gang zum Insolvenzrichter nicht erspart. „Das ist ein schwarzer Tag für Stürz“, sagte Hof vor Journalisten.

Von hängenden Köpfen war in der Alfred-Nobel-Straße zwei Stunden später nichts mehr zu spüren. Die Maschinen liefen wieder, die Mitarbeiter hatten die Arbeit wieder aufgenommen. Betriebsrat Wolfgang Rasp sagte: „Wir sind der festen Überzeugung, dass es weitergeht.“

Hof zeigte sich kämpferisch: „Wir haben eine reale Chance, das Unternehmen zu erhalten.“ Journalisten durften – ungewöhnlich bei einem Insolvenzverfahren – ungehindert in die Produktionshallen, um bei Mitarbeitern deren Eindrücke zu erfragen. Das Unternehmen setzte auf Transparenz. Mitarbeiter wie Frank Schwarz aus Höchberg und Frederik Lang aus Zellingen versicherten: Völlig überraschend sei die Krise für sie nicht gekommen, aber „wir hoffen stark, dass wir auch künftig hier unsere Arbeit haben.“

Entgegen ersten Meldungen ist das Schwesterunternehmen CMS laut Hof noch nicht insolvent. „Wir hoffen, dass wir das vermeiden können.“ Für Hof ist es bitter, dass der Traditionsbetrieb in Würzburg zwar mit 70 Millionen Euro pro Jahr höhere Umsätze macht als früher, aber nicht genug, um in der bisherigen Form zu bestehen.

Das Unternehmen gehört seit 2004 dem deutsch-niederländischen Druckereikonsortium Euradius mit Sitz im niederländischen Meppel. Und im Umfeld der Geschäftsführung heißt es auch, die früheren Besitzer hätten dem Unternehmen Schulden in Millionenhöhe aufgepackt, um den Kaufpreis zu refinanzieren. Diese hätten die jetzigen Eigentümer beim Rückkauf mit übernehmen müssen. „Die Amerikaner haben auf ihre Art finanziert,“ sagte Geschäftsführer Hof auf Nachfrage.

Geschäftsbetrieb und Produktion werden bis auf Weiteres ohne Unterbrechung und ohne Einschränkungen fortgeführt. Mit einer Sanierung strebt Stürtz den Werterhalt des Unternehmens an. „Ich will eine Chance bekommen, zu beweisen, dass wir es können,“ sagte der Geschäftsführer kämpferisch. „Die Maßnahmen werden schmerzhaft sein, manchmal über die Schmerzgrenze hinaus.“ Wo diese Grenze sei? „Die Schmerzgrenze ist jeder Mitarbeiter, der dieses Haus verlässt.“

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