Würzburg

Warum es cool ist, Jungunternehmer zu werden

Früher YouTuber, jetzt berühmter Unternehmer: Alexander Giesecke erklärt, welchen Vorteil junge Gründer haben und wie sie auch mit wenig Geld erfolgreich sein können.
Alexander Giesecke (links) und Nicolai Schork sind die Gründer von TheSimpleClub. Mit dem Videoangebot wurden sie in Deutschland zu bekannten Jungunternehmern. Giesecke spricht demnächst in Würzburg.
Alexander Giesecke (links) und Nicolai Schork sind die Gründer von TheSimpleClub. Mit dem Videoangebot wurden sie in Deutschland zu bekannten Jungunternehmern. Giesecke spricht demnächst in Würzburg. Foto: Oana Szekely

Schon in der elften Klasse wollten Alexander Giesecke und Nicolai Schork unbedingt ein Unternehmen gründen – sie wussten nur nicht genau, welches. Als sie merkten, dass ihre Mitschüler im Internet Mathe-Erklärvideos schauten, dachten sie sich:  "Die können wir besser produzieren." Und gründeten den heute millionenfach geklickten YouTube-Kanal "TheSimpleClub". Heute sind die 24-Jährigen aus Mosbach zwei der bekanntesten Jungunternehmer Deutschlands und führen eine profitable Firma. Um Schülern unternehmerisches Denken beizubringen, kommen die beiden am 5. April nach Würzburg zur "Startup-Teens"-Veranstaltung. Im Interview sagt Alexander Giesecke, was Unternehmertum ausmacht und warum es junge Menschen interessant sein kann.

Wie seid Ihr zu jungen Unternehmern geworden? 

Alexander Giesecke: Die Videos, mit denen wir in der elften Klasse angefangen haben, hatten am Anfang nur sehr wenige Klicks. Nach einem halben Jahr ohne wirkliche Einnahmen durch YouTube waren wir kurz davor, aufzugeben – eigentlich haben wir nur weitergemacht, weil wir so positives Feedback von den Zuschauern bekommen haben. Aber irgendwann kamen richtig viele Abonnenten dazu. Ich glaube, wir sind so erfolgreich geworden, weil die Nachfrage nach solchen Videos da war und wir die Themen auf Augenhöhe von Schülern für Schüler erklärt haben. Nachdem unsere Mathe-Videos oft angeschaut wurden, haben wir zusätzlich Videos zu anderen Fächern produziert, schließlich eine GmbH gegründet und vor zwei Jahren sogar unsere eigene App auf den Markt gebracht.  

Für "Startup-Teens" tourt Ihr jetzt durch Deutschland. Was wollt Ihr den Schülern beibringen?

Giesecke: Es geht vor allem darum, junge Menschen für das Thema Unternehmertum zu sensibilisieren. Und dabei ist es egal, ob sie selbst Unternehmen gründen wollen, Nachfolger sind oder dort arbeiten möchten. Wir wollen zeigen, dass es in allen Lebensbereichen sehr wertvoll ist, wie ein Unternehmer zu denken – also sich ein Ziel zu setzen, einen Plan zu machen und sich eigene Weg zu überlegen, um es zu erreichen. Leider wird man in Deutschland – im Gegensatz zu den USA – sofort bestraft, wenn man Fehler macht. Dadurch wird das ganze Unternehmertum unterdrückt.

Viele junge Menschen möchten kein Unternehmen gründen, weil sie Angst haben, viel Geld zu investieren und dann zu scheitern – eine Festanstellung wirkt da sicherer. Was spricht dafür, jung ein Unternehmen zu gründen? 

Giesecke: Klar, wir brauchen Leute, die in Büros angestellt sind. Aber wenn es zu viele davon gibt, bleibt ein Land stehen. Es muss junge Leute geben, die neue Wege gehen: Die sind eher in der Lage, Zeit zu investieren und Dinge auszuprobieren, ohne dabei ihren ganzen Lebensstandard zu riskieren. Das ist der beste Zeitpunkt dafür, sich auszuprobieren, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Ich glaube sowieso, dass man heutzutage nicht einmal mehr in renommieren Unternehmen einen sicheren Job hat. Dieser Sicherheitsgedanke ist eher eine Illusion, die viele Leute daran hindert, das zu tun, was sie wirklich wollen.

Wie können Menschen ohne viel Eigenkapital denn ein Unternehmen aufbauen? 

Giesecke: Es wird viel zu schnell gesagt, dass man von externen Investoren Geld aufnehmen muss, obwohl das nicht unbedingt nötig ist. Wir haben uns persönlich gegen Investoren entschieden, weil wir vor allem am Anfang nicht gleich Anteile an unserem Unternehmen abgeben wollten, ohne zu wissen, wie gut es langfristig läuft. Aber man kann alles schaffen, auch wenn man sehr wenig Geld hat. Viel wichtiger ist es, sich zu überlegen, in welche Sache man das Geld investiert: Die sollte so viel Wert erschaffen, dass die ganze Firma mehr Wert bekommt und dadurch mehr Geld einnimmt.

Und wenn das nicht funktioniert?

Giesecke: Sollte man doch scheitern, liegt das nicht unbedingt daran, dass man am Anfang kein Geld hatte. Vielleicht steckt hinter dem Unternehmen doch nicht die Idee, die langfristig Erfolg hat. Dafür müsste sie ein reales Problem lösen. Außerdem muss die Zielgruppe groß genug und bereit sein, Geld dafür zu zahlen. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann man auch mit einer kleinen Version und wenig Kapital beginnen und später mehr investieren.

"Startup-Teens"-Event in Würzburg
Bei der Veranstaltung am 5. April sollen Schüler für unternehmerisches Denken und Handeln begeistert werden: Es wird eine Talkrunde und eine Fragerunde geben, außerdem die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit den eingeladenen Unternehmern (Caroline Trips, Toni Wagner, Alexander Giesecke, Nicolai Schork) und Sascha Genders von der IHK Würzburg-Schweinfurt. Die Veranstaltung findet im ZDI Würzburg (Rottendorfer Straße 71) von 17 bis 20 Uhr statt. Anmeldungen können an susanne@startupteens geschickt werden.

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