WÜRZBURG/EIBELSTADT/KITZINGEN

Wie Bauern und Winzer mit dem Klimawandel umgehen

Weinberge am Stein
Viel Sonne: Noch wird in der Region vor allem Weißwein, wie hier am Steinberg in Würzburg, angebaut.Daniel Peter, Mirjam Hruby Foto: Fotos:

Unterfranken gilt wegen seines sonnigen Wetters als populäre Touristenregion. Dieses Wetter stellt die Land- und Weinwirtschaft aufgrund der steigenden Temperaturen vor große Herausforderungen. Dabei reichen die Konsequenzen des Klimawandels von Bodentrockenheit bis zu neuen Anbaumöglichkeiten. Unklar ist, welche Kulturen sich auf Dauer in Mainfranken etablieren lassen.

Klimaerwärmung ist überdurchschnittlich hoch

Bereits 2011 stellte eine Studie des Instituts für Geographie und Geologie der Universität Würzburg in Mainfranken eine überdurchschnittlich hohe Klimaerwärmung von 1,4 Grad im Sommer fest. Im Vergleich dazu hat sich die globale Mitteltemperatur in den letzten 100 Jahren um 0,89 Grad erhöht. „In den letzten Jahren häufen sich die heißen und trockenen Perioden in der Region“, erklärt Professor Heiko Paeth, Mitherausgeber der Studie zum Klimawandel in Unterfranken.

Allein im vergangenen Jahr wurde eine bundesweite Rekordtemperatur von 40,3 Grad in Kitzingen gemessen. Die Hitzewelle vernichtete schließlich rund die Hälfte der Sommergetreideernten in der Region Kitzingen. Landwirten und Winzern machen die steigenden Temperaturen allerdings in unterschiedlichem Ausmaß zu schaffen.

Jetzt kommen Mittelmeer-Weinsorten zu uns

„Auf den ersten Blick erscheint der Klimawandel für die Winzer nicht von negativer Konsequenz“, so Paeth. Die allgemein steigenden Temperaturen sorgen für höhere Alkoholgehalte und einen besseren Säureabbau im Wein. Allein durch das wärmere Wetter ist es nun möglich, mediterrane Weinsorten wie Merlot in Mainfranken anzubauen.

Auch die Winzerfamilie Hures aus Eibelstadt (Lkr. Würzburg) baut in der Weinlage Mönchsleite einen Weinberg mit der Rotweinsorte Merlot an. „Diese Sorte braucht viel Sonne und Wärme“, so Matthias Hures. „Der Klimawandel bringt einige Vorteile für den Weinbau, speziell für Merlot, aber auch für traditionelle Sorten wie den Riesling.“

Alkoholwerte sind höher

Durch den heißen Sommer im vergangenen Jahr ist nun der Alkoholgehalt des Merlots im Vergleich zur Vorjahreslese um ein Prozent auf 15 Volumenprozent gestiegen. „Da die Trauben mehr Sonne abbekommen haben, hat sich mehr Zucker gebildet, was wiederum zu höheren Alkoholwerten führte“, erklärt Karl-Dieter Hures. Neben Rotwein werde von Winzerkollegen nun auch der Anbau von Weinsorten wie dem Sauvignon Blanc getestet, die traditionell nicht im Anbaugebiet verwurzelt sind. „Es wird noch viel experimentiert, welche Sorten in Würzburg funktionieren“, sagen die Hures.

Boden wird immer trockener

Doch auch die Winzer bekommen die negativen Seiten des Klimawandels zu spüren. „Seit 2009 beobachten wir eine zunehmende Trockenheit unseres Bodens“, so Karl-Dieter Hures. Entgegenwirken könne man durch einen gezielten Schnitt der Rebstöcke sowie durch verbesserte Laubpflege. Seit zehn Jahren hat die Familie Hures zudem eine Tröpfchenbewässerung im Einsatz, welche zur Beregnung des jeweiligen Weinberges flexibel auf- und abgebaut werden kann. „Das ist jedoch eine sehr kostenintensive Sache, da unter anderem die Leitungen mit Hilfe von Pumptankwagen mit Wasser versorgt werden müssen“, gibt Matthias Hures zu Bedenken.

Die zunehmende Wettervariabilität – also die langen Trocken- oder Feuchtperioden – sorgt für einen steigenden Schädlingsbefall der Land- und Weinwirtschaftsflächen. „In Franken haben wir seit 2014 verstärkt mit der Kirschessigfliege zu kämpfen, die schwüles Wetter bevorzugt“, so Karl-Dieter Hures, dessen Merlot bis nach Japan verkauft wird.

Auch Schädlinge werden mehr

Dies stellt auch Geografieprofessor Paeth fest. „Es kommen außerdem immer mehr Schädlinge aus dem Mittelmeer nach Unterfranken“, sagt Paeth. „Die Trauben leiden aufgrund der Feuchtperioden außerdem an einem Fäulnisbefall wie noch nie zuvor.“

Ein weiterer negativer Aspekt, der sich auf die gesamte Landwirtschaft bezieht, ist laut Paeth die verfrühte Ernte, die aufgrund der hohen Temperaturen das Lesegut schneller reifen lässt. Dem stimmt auch Wilhelm Böhmer, Direktor des Bauernverbandes für Ober- und Unterfranken, zu. „Wir beobachten, dass die Ernten heute je nach Produkt ein bis zwei Wochen früher stattfinden“, so Böhmer.

Was der Bauernverband macht

Der bayerische Bauernverband setzt sich daher massiv dafür ein, die Landwirte für den Klimawandel zu wappnen. Auch er bestätigt eine Erhöhung der Wetterextreme. „Auf die erhöhte Wetterextreme müssen die Landwirte reagieren, was bei den aktuellen Preisen für ihre Produkte nicht einfach ist“, erklärt Thomas Zehnter, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaften. Aufgrund der Trockenheit seien wassersparende Bewirtschaftungssysteme wie der großflächige Anbau von Zwischenfrüchten zu empfehlen.

Außerdem sei der Anbau von hitzeresistenteren Getreidekulturen bereits umgesetzt worden. Um die 20 Landwirte in der Region seien von herkömmlichem Winterweizen auf das Urgetreide „Emmer“ umgestiegen. Auch der Dinkelanbau erfreue sich in Unterfranken großer Beliebtheit, da die Dinkelpflanze sichere Erträge bringe.

Bauern müssen sich besser aufstellen, sagt Experte

Nach Angaben des Erzeugerrings wurde 2015 in Unterfranken auf insgesamt 13 194 Hektar Dinkel angebaut. Hauptgetreide sei jedoch weiterhin der Winterweizen mit fast 88 000 Hektar Gesamtanbaufläche. „Die Bauern müssen versuchen, sich besser aufzustellen“, so Zehnter. „Denn der Klimawandel und die Globalisierung sorgen dafür, dass sich die unterfränkischen Landwirte auf Nischenprodukte spezialisieren müssen.“

Auch Stefan Köhler, der Getreidesorten im Kreis Aschaffenburg anbaut, kann sich vorstellen, zukünftig mit neuen Anbauprodukten zu experimentieren. „Manche Landwirte bauen bereits Sojabohnen an, womöglich ist das auch eine Option für mich“, so Köhler, der seit 1992 als Landwirt tätig ist. Aktuell hat sich sein Sortiment allerdings noch nicht verändert. „Wir versuchen kontinuierlich, die Rahmenbedingungen für die Pflanzen zu verbessern, bleiben aber bei unseren Kulturarten“, erklärt Köhler.

Experimente nur bedingt möglich

Auf den Klimawandel, durch den seine Erträge innerhalb der letzten 15 Jahre leicht zurückgingen, stelle er sich durch gezielten Humusaufbau sowie eine Düngungsumstellung ein, welche das Wurzelwachstum fördern soll. Experimente mit anderen Kulturen seien nur schlecht möglich, da die Klimaveränderung ein schleichender Prozess sei. Deshalb gibt sich Köhler optimistisch: „Das Wetter ist halt auch launisch, man muss jedes Jahr nehmen, wie es kommt.“

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